Mein Werder (216): Monika Nebel

Kurz & Knackig

Name: Monika Nebel
Alter: 65 Jahre
Wohnort: Brandenburg an der Havel
Welche Verbindung haben Sie zu Werder (Havel)? Ich kenne Werder seit meinem 16. Lebensjahr, lebe aber in Brandenburg.
Haben Sie Kinder? Ja, zwei eigene und zwei vom Partner.

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Werder ist eine Perle an der Havel.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Ich sortiere meine Schulsachen, betreue ein Projekt des Fördervereins und stelle neue Projektanträge für die Meusebach-Grundschule. Für eine Schule der Stadt Brandenburg bereite ich gerade eine Fortbildung vor. Außerdem leite ich den Verein kulturWust in meinem Heimatdorf und bin dabei, Förderanträge für das Programm in diesem Jahr zu stellen. Drei mehrtägige Termine zur Betreuung der Enkelkinder standen zudem im Februar auch an.

Was würden Sie lieber machen?
Alles, was ich tue, mache ich gern.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns wo?
Überall am Wasser, egal an welcher Stelle, ist es in Werder besonders schön.

Wo muss ein Gast unserer Stadt unbedingt gewesen sein?
Da ließe sich viel aufzählen, aber ein Besuch auf der Insel und eine Brotzeit auf dem Wachtelberg sollten unbedingt dabei sein.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Die Baumblüte habe ich seit Ewigkeiten nicht besucht, eben wegen des Rummels.

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Kirsche

Sie – ganz speziell

Sie haben zum Ende des ersten Schulhalbjahres 2019/2020 nach 44 Jahren Ihren aktiven Schuldienst beendet. Was für eine lange Zeit! An welche Momente denken Sie gerne zurück?
Ich hatte viele wunderschöne Erlebnisse mit meinen Schülern. Darüber könnte man Bücher füllen. Ein Viertklässler half mir, ein verkramtes Kämmerlein aufzuräumen, bis in den Abend hinein, zwei Zehntklässler arbeiteten mit Feuereifer drei Tage und Nächte an einer Werbebroschüre für die Schule (wurde perfekt), eine 9. Klasse überraschte mich zum Nikolaus mit Blumen vor meiner Wohnungstür. Wenn mich ein besonderer Schüler schon morgens zur Schule abholte, wusste ich, er hatte wieder etwas angestellt… Meine Schüler hatten Vertrauen zu mir, ich zu ihnen. Besonders überrascht war ich an meinem allerletzten Schultag, als mir eine Schülerin für meine Arbeit dankte, die ich vor knapp 40 Jahren bis zur 10. Klasse als Klassenleiterin geführt hatte.

Erinnern Sie sich an eine besonders lustige oder bemerkenswerte Begebenheit in der Vergangenheit?
Ja, zur Namensgebung meiner Gesamtschule in Jeserig gab es eine außerordentlich feierliche Veranstaltung (zu dieser Zeit gab es im Land Brandenburg noch nicht einmal eine Verwaltungsvorschrift für Namensgebungen). Außer Christa Wolf, die die Festrede hielt, sollte auch der Staatssekretär sprechen. Ich war so mordsaufgeregt, dass ich vergessen habe, ihm das Wort zu erteilen. Viel zu spät, erst beim Buffet, fiel mir das ein. Peinlich berührt, habe ich mich entschuldigt. Er hat es aber mit Humor getragen.
Bemerkenswert waren die Dreharbeiten an meiner Gesamtschule 1995 und die Ausstrahlung des Films „Schule machen“ im ORB, das von meinem Mann an der Schule initiierte Projekt „Lebenskreise“ (wurde mit 20 000 Sfr von der Jacobs-Stiftung in der Schweiz 1996 unterstützt), die Nominierung zum Deutschen Schulpreis 2015 und die Auszeichnung für das kulturelle Schulprofil 2016 von „Kinder zum Olymp“, außerdem die Namensgebungen an meinen beiden Schulen.

Was schätzten Sie an der Arbeit mit Kindern besonders?
Kinder sind ehrlich, offen und gerecht und jedes ist anders, fordert einen auf andere Art und Weise.

Ihre KollegInnen schätzten Sie vor allem wegen Ihrer zu jeder Zeit offenen Tür und ihrem tollen Humor. Wie würden Sie Ihren „Stil“ als Schulleiterin beschreiben? Gehört eine gesunde Portion Humor einfach dazu im oftmals stressigen Schulalltag?
Ohne Humor geht nichts, aber gesunder Menschenverstand kann auch nicht schaden. Wichtig ist (außer der Liebe zum Beruf), dass man eine Vision von Schule hat und diese in einer klaren Linie auch umsetzen will. Das geht nur mit Verbündeten, die man ins Boot holen muss: Lehrer, Eltern, Kooperationspartner und Menschen aus dem Ort und der Verwaltung. Unterricht, fachfremd unterrichten, Aufsichten, Arbeitsgemeinschaften usw. – kurz, alles, was man von seinen Kollegen verlangt, sollte man auch, und das besonders gut, tun. Man muss so klug sein, seine Ermessensspielräume zu kennen und mutig genug, um sie zu nutzen. Für das Kollegium sollte man neben vielen anderen Dingen auch Rückendeckung sein, für die Eltern Ansprechpartner und Berater.

Worauf freuen Sie sich in Ihrem wohlverdienten Ruhestand am meisten?
Auf das Ausschlafen. Momentan schaffe ich es schon bis 6 Uhr.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
Ich würde mir wünschen, dass die Menschen zu Besinnung und Verstand kommen, dann wären die Güter der Welt gerecht verteilt, es gäbe überall Frieden (das Geld für Rüstung ließe sich prima in die Medizinforschung stecken) und man könnte gemeinsam nach Lösungen für die Umweltprobleme suchen.

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Christian Gotthilf Salzmann (Pädagoge) würde ich gern treffen, um mich mit ihm über sein „Krebsbüchlein“ zu unterhalten.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Meistens lese ich mehrere Bücher gleichzeitig. Momentan sind es nur zwei „Unter der Drachenwand“ von Arno Geiger und „Brechts Berlin“ von Michael Bienert.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Janusz Korczak ist ein Vorbild für mich, seine Weisheit und seine Kenntnis der kindlichen Psyche beeindrucken mich. Er ist ein Symbol für Zuverlässigkeit gegenüber den ihm anvertrauten Kindern.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie?
„Harold und Maude“ und „Der Junge muss an die frische Luft“

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Nähen, Sticken, Stricken, Häkeln, Gabeln und Knüpfen habe ich seit ca. 30 Jahren nicht mehr gemacht und schlummern als Talente im Verborgenen.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Das ist so eine Sache, da ich Allergiker bin. Tiere sind wunderbar, wenn sie ausreichend Abstand zu mir halten, egal ob Hund oder Katze.