Mein Werder (235): Stefan Bechler

Kurz & Knackig

Name: Stefan Bechler
Alter: 31
Wohnort: Ferch
Wie lange leben Sie schon in Werder? Ich wohne seit 2004 in Ferch bei Werder
Haben Sie Kinder? Ja, zwei. Moritz (1 Jahr und acht Monate alt) und Eva (11 Wochen alt)


Über unsere Blütenstadt

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Als kleines Paradies um die Ecke. Vor allem die Insel und Umgebung sind einfach perfekt, um auszuspannen, spazieren zu gehen und ein leckeres Eis zu essen. Oder sich ein Paddelboot zu mieten und eine Runde um die Insel zu paddeln.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Ich bin als Wirtschaftspsychologe im Bereich der Beratung von Existenzgründern und Familienunternehmen tätig. Nebenher habe ich vereinzelt Klienten in der psychologischen Einzelberatung, wenn sie Probleme dabei haben, ihren Alltag allein bewältigen zu können.

Was würden Sie lieber machen?
Tatsächlich würde ich genau das gern bis ins hohe Alter weiter machen, da es sehr abwechslungsreich ist und mir echt viel Spaß macht.
Ansonsten versuche ich, so viel wie möglich Zeit mit meiner kleinen Familie zu verbringen.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns wo?
Mein Lieblingsort ist die Brücke über die Havel zur Insel. Hier kann ich ewig aufs Wasser gucken. Und am besten mit einem Eis auf der Hand 😊

Wo muss ein Gast unserer Stadt unbedingt gewesen sein?
Natürlich auf der Insel. Aber nicht zur Baumblüte. Ich finde diesen ganzen Rummel schrecklich! Das macht irgendwie alles kaputt.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Ganz klar Muckergarten. Da ich kein großer Fan der Baumblüte bin, so wie sie sich in den letzten Jahren entwickelt hat, mache ich zu der Zeit, wo sie stattfindet, eher einen Bogen um Werder.

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Da bin ich tatsächlich für alles offen. Da ist mir die Sorte egal. Hauptsache kalt.

Sie – ganz speziell

Sie sind selbstständiger Gründercoach – erzählen Sie uns kurz wie Sie dazu kamen?
Zufällig. Mein Studium zum Wirtschaftspsychologen und gerade hier mein Masterstudium hatte die Spezialisierung auf Personal- und Organisationsentwicklung, und das auf psychologische Weise. Ich fand das extrem spannend und wollte das natürlich auch immer gleich in Anwendung bringen. Deshalb habe ich nebenher auch noch für drei Jahre eine vertiefende Zusatzausbildung zum tiefenpsychologischen Berater absolviert. Quasi zum Psychotherapeuten für die Wirtschaft. 😊

Ich arbeitete Ende 2018, als mein Studium dem Ende entgegen ging und mein Sohn geboren wurde, für einen großen Weiterbildungsträger in Berlin in der internen Personalentwicklung und wollte eigentlich auch dort bleiben – Gerade wegen meines Sohnes und der ganz neuen und aufregenden Situation als junge Familie. Doch sie entschieden sich auf ziemlich fiese Weise gegen mich und ich musste mir dann erstmal einen neuen Plan machen. Dafür hatte ich dann die zwei Monate November und Dezember 2018 während meiner Elternzeit Zeit und kam währenddessen mit einem Berliner Unternehmer zusammen, der eben auch die Gründerberatung im Portfolio hatte. Er nahm mich auf und schubste mich quasi in diesen Bereich. Dort startete ich dann im Januar 2019.

Alles war neu und ich hatte nicht wirklich einen Plan, was ich da jetzt machen sollte, aber ich merkte schnell, dass es immer das gleiche Thema ist, was mit dem ersten Mal Selbstständigkeit zu tun hat. (Wie auch bei mir) Es geht nicht um den Businessplan oder die Rentabilitätsberechnung, es geht ganz einfach um eine Orientierung als Mensch. Es ist ja etwas ganz Neues, Aufregendes. Und gerade hier kann ich mit meinem psychologischen Background die Leute super abholen und mit ihnen an ihren Vorstellungen, Ideen und auch Sorgen arbeiten, sodass sie dann gefestigt und mit Plan starten können.

Und das habe ich dann bis September letzten Jahres in Berlin gemacht und mich dann entschlossen, damit nach Potsdam zu gehen, da ich hier großartige Unternehmer kennen gelernt habe und nun ist natürlich auch der Weg nach Hause wesentlich kürzer. Da freut sich auch meine Frau drüber. Ja und seitdem habe ich mein Büro in der Geschwister-Scholl-Straße in Potsdam West und arbeite entweder dort oder virtuell per Skype und Zoom mit meinen Gründern.

Was genau reizt Sie an der Gründerszene?
Die Vielfalt. Von der Gastronomie über Pflege bis hin zum Consulting ist alles dabei. Das macht es für mich so reizvoll. Ich weiß selbst vorher nie, was mich da erwartet und ich fiebere immer mindestens genauso mit den Gründern mit, wie sie selbst. 😊 Und natürlich macht es mich jedes Mal stolz, wenn eine Gründung gut funktioniert.

Wie sieht Ihre Unterstützung für Gründer konkret aus und wie lange stehen Sie als Begleiter an deren Seite?
Zuallererst quetsche ich die Gründer über sich selbst aus. Ich will wissen, wer da vor mir sitzt. Dann widmen wir uns ihrer Idee, welche ich mir erklären lasse, um so zu sehen, wo Punkte sind, an denen wir ansetzen. So stellen wir gemeinsam den Fahrplan für die Beratung auf. Diese geht im besten Fall über acht Wochen, je nachdem wie lang der Förderzeitraum freigegeben wurde.

Hier arbeite ich jedoch gerade an einem neuen Konzept, was die ganze Beratung freier und flexibler in der zeitlichen Gestaltung macht. In diesen acht Wochen haben wir zwei Beratungstermine pro Woche über mehrere Stunden, um intensiv an den Dingen arbeiten zu können, die da so auf der Agenda stehen. Und hier finde ich es auch immens wichtig, dass ich Kollegen aus den jeweiligen Fachgebieten dazu hole. Ich bin als Berater auch nicht allwissend. Beispielsweise wenn es um Versicherungsthemen oder spezielle Finanzierungssachen geht. Oder eben auch die Umsetzung der Webpräsenz. Was da alles wie im Hintergrund programmiert werden muss, um gut gefunden zu werden. Da bin ich raus. Meine Kernaufgabe sehe ich darin, den Gründer in sich zu stärken und ihn für seinen zukünftigen Weg auszurüsten, dass sie oder er nicht gleich beim ersten Gegenwind einknickt. Denn der wird definitiv kommen!

Gibt es in 2020 besondere Tipps für Start-ups, die mutig genug sind genau jetzt zu gründen?
Naja, ich sage mal so, ich sehe es genau jetzt als den richtigen Zeitpunkt an. Wir merken gerade alle, wie labil eigentlich unsere wirkliche Wirtschaft ist. Da kommt „mal eben“ so ein Virus um die Ecke und legt binnen kürzester Zeit alles lahm. Kurzarbeit, Entlassungen, Ladenschließungen, große Airlines werden beinahe mal eben so vom Markt gefegt, da ist man selbst als Angestellter nicht so sicher wie man es gern hätte.

Es ist irgendwie schon ziemlich gruselig, weil niemand so wirklich weiß, wo das alles hingeht und selbst die Politik in meinen Augen komplett überfordert ist und nicht in der Lage ist, einen Kurs vorzugeben. Also kann man doch auch die Zeit dieser Zwangsstilllegung mal für sich nutzen und darüber nachdenken, wo man denn selbst so hinwill und was man noch so für Pläne hat? Eine Gründung ist schließlich auch nicht in zwei Wochen vollzogen. Außer die Idee ist schon so ausgereift, dass lediglich die Gewerbeanmeldung fehlt. Dann geht das in einer viertel Stunde. Und dann braucht man auch keine Beratung. 😊

Aber lange Rede, kurzer Sinn – Ich rate jedem, genau diese Zeit jetzt zu nutzen, um für sich und auch seine Familie Überlegungen anzustellen, wie man vielleicht doch etwas selbstbestimmter und freier in deie Selbstständigkeit starten könnte. Und genau dafür bin auch ich mit dem Thema Gründerberatung da. Ideen ausarbeiten, Überlegungen für die Zukunft anstellen, ab und zu auch mal etwas übertreiben und über verrückte Dinge nachdenken, denn nur so kommen wir meiner Meinung nach auch voran. Und nur so kann auch etwas Tragfähiges entstehen.

Und, was ich auch immens wichtig finde, auch die Entscheidung, nicht zu gründen, ist ein Erfolg! Wenn wir am Ende unserer gemeinsamen Zeit feststellen, dass die Geschäftsidee nicht marktfähig, bzw. so nicht umsetzbar ist. Denn wenn wir hier angekommen sind, haben wir zumindest die Idee weiterverfolgt und einmal komplett durchdrungen. Jetzt ist sie aus dem Kopf. Oftmals kommen Gründer zu mir, die sich bereits seit langem, teilweise seit einigen Jahren, mit ihrer Idee „herumplagen“, bevor sie sich dann doch mal dazu entscheiden, es anzugehen. Das kann einem ganz schön zu schaffen machen. Obwohl hier ja noch gar nichts passiert ist. Es sind alles theoretische Vorüberlegungen, aber irgendwie scheint sogar das schon zu weit zu gehen?! Oder haben die Menschen Angst, dass ihre tolle Idee nicht funktioniert? Der wohlbehütete Schatz, von dem man auch keinem erzählt, wird auf einmal zunichte gemacht. Aber so ist es in Wirklichkeit gar nicht.

Ich bin in einem 1:1-Setting für die Leute da, um genau diese Dinge anzugehen. Und ich bin auch gerade als Psychologe für diese Leute da, wenn es darum geht, ihre Stärken herauszuarbeiten und zu schauen, wo denn deren Gründungsidee überhaupt herkommt. Was verbinden sie damit? Was wollen sie erreichen? Denn wenn wir das herausgehoben haben, können wir auch andere Ideen entwickeln, mit denen stattdessen ihre Ziele weiterverfolgt werden können. Als zweiten Tipp möchte ich anbringen, dass es jetzt mehr denn je Sinn macht, über das Thema der Digitalisierung nachzudenken. Auch für bereits bestehende Unternehmen. Hier gibt es keine Kontaktbeschränkungen und meine Kunden müssen auch nicht das Haus verlassen, um bei mir zu kaufen. Das birgt auch wieder vieles Neues, viel Unbekanntes. Das macht Angst. Nicht umsonst bezeichnet einer meiner Kollegen den Unternehmer als letzten Abenteurer. 😊 Da steckt zwar noch wesentlich mehr drin, aber das würde jetzt hier den Rahmen sprengen.

Ihre Leistungen können sich Gründer staatlich fördern lassen, erklären Sie uns kurz wie das funktioniert?
Diese Förderung funktioniert über einen sogenannten Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein. Den gibt es bei der Agentur für Arbeit, dem jeweiligen Jobcenter oder sogar auch bei der Deutschen Rentenversicherung. Dieser Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (kurz: AVGS) ist eine Kann-Leistung der Ämter. Das bedeutet, dass sie selbst entscheiden, ob sie einen AVGS ausstellen oder nicht. Das wird fallbezogen entschieden. Natürlich gibt es hier auch eine rechtliche Orientierung nach dem 3. Sozialgesetzbuch. Das erkläre ich meinen gründungsinteressierten Leuten immer genau im kostenfreien Erstgespräch. Grundsätzlich ist der zeitliche Rahmen zwischen vier und acht Wochen gesteckt und beinhaltet mindestens zwei Beratungstage pro Woche. Da können wir also sehr intensiv an der jeweiligen Idee arbeiten und durch den AVGS werden meine Beratungsstunden zu 100% gefördert, sodass meinen Kunden keine Kosten entstehen.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
– Essen, was und so viel ich will, ohne dick zu werden!
– einen restaurierten 4-Seitenhof auf dem Land mit Schafen, Ziegen, Hühnern, Enten, Gänse und einem Hof-Kater
– eine eigene Bibliothek mit philosophischer und tiefenpsychologischer Literatur

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Sigmund Freud. Leider geht das nicht mehr.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Aktuell „Das Universum in der Nussschale“ von Stephen Hawking.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Unternehmer, die sich selbst durch harte Arbeit ein selbstbestimmtes Leben aufgebaut haben. Das ist nämlich mein Ziel für mich und meine Familie.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie?
Ich stehe auf die klassischen alten Actionfilme wie Terminator oder Rambo.
Aber ich mag auch Gangster-Serien wie Boardwalk Empire oder Peaky Blinders.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Definitiv in Fettnäpfchen treten!

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Ja, ich liebe Tiere und vor allem Katzen. Sie haben ihren eigenen Kopf und man muss sich mit ihnen arrangieren. Das finde ich spannender als bei einem Hund, den ich mir erziehen kann.