Mein Werder (237): Chris Hinze

Kurz & Knackig

Name: Chris Hinze
Alter: 51
Wohnort: Glindow
Haben Sie Kinder? Ich habe drei Kinder, die schon ausgewachsen sind.


Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Werder ist eine kleine gemütliche Stadt an der Havel.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Ein Wechselspiel zwischen kreativem Arbeiten im bildenden Bereich der Kunst, Musik, im handwerklichen Bereich und soziale Kontakte pflegen. Entspannung und Weiterbildung in Kunst und Kultur.

Was würden Sie lieber machen?
Ich liebe mein Leben so wie es ist, ständig im Wandel und immer neu.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns wo?
Die Neue Ziegelmanufaktur Glindow. Außerdem den Hafen, Kino, Alter Markt, Vulkanwerft (mit ihren Künstlern).

Wo muss ein Gast unserer Stadt unbedingt gewesen sein?
Der Gast kann achtsam mit sich und seiner Umgebung sein, so ist jeder Ort ein Geschenk auf wundersame Weise.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Ich meide Massenveranstaltungen.

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Ich trinke keinen Alkohol.

Sie – ganz speziell

Ihr Atelier haben Sie in die Neue Ziegelmanufaktur Glindow verlegt. Wie kam es dazu und welche Einflüsse hat dieser Ort auf Ihr künstlerisches Ich?
Ich habe gemeinsam mit Mikos Meininger das Kunsthaus sans titre in Potsdam gegründet. Acht Jahre haben wir mit vielen anderen Menschen das Haus zu einer festen Institution im Bereich Kultur und Kunst entwickelt. Dann war es Zeit, meinen Vorstand abzugeben um wieder mehr Zeit für mein eigenes Oeuvre zu haben. Der Besitzer der Neuen Ziegelmanufaktur Glindow, Harald Dieckmann, ist ein guter Freund. Es verbindet uns Lebensweise, kulturelles Interesse und die Faszination für alte Handwerke. Er lud mich zu einem Kulturland-Brandenburg-Projekt in die Ziegelmanufaktur ein, um mich mit einer künstlerischen Position zu beteiligen. Die Verbindung zwischen handwerklich arbeitenden Menschen und der bildenden Kunst weckte mein Interesse. Ein Jahr später bekam ich die Möglichkeit, mein Atelier in der Ziegelei einzurichten. Und seitdem bin ich hier und jeder Tag ist ein Geschenk.
In der Ruhe liegt die Kraft und die Umgebung, die Natur in Glindow und Werder hält viele Überraschungen bereit, lässt mich Energie tanken und ist eine gute Basis, um in der weiten Welt Einflüsse zu sammeln und sie hier zu verarbeiten und umzusetzen.

An welchen Projekten arbeiten Sie im Moment?
Ich bereite gerade vier Ausstellungen vor: Die erste Garnisonkirche Potsdam mit der Installation “Formverlust”; Eisenguss für eine Ausstellung Ende des Jahres in der Kunst- und Eisengießerei Lauchhammer; eine Ausstellung für das Cottbusser Museum für moderne Kunst Brandenburg 2021 sowie eine Ausstellung “Brückenportal – eine soziale Skulptur” (Arbeitstitel) in Kopenhagen, Dänemark 2021.
In Arbeit sind Bronzegüsse in der Gießerei Bildguss in Dresden. Neue Grafiken entstehen gerade in der Druckerei Thomas Lehmann in Cottbus für die Kunst- und Literaturzeitschrift Herzattacke mit Ausstellung im Kunsthaus sans titre Potsdam im Juli 2020.

Die Installation „Traumschiff“ begrüßt Besucher der Manufaktur. Gibt es eine Geschichte zum Werk und wo kann man Ihre Kunst noch erleben?
Ich habe ein Traumschiff entworfen und werde es bauen, einem Luftschiff gleich.
Es geht um die Träume der Menschen; die verschiedenen Rituale, diese auf die Reise zur erhofften Erfüllung zu schicken und die Frage, was mit ihnen weiterhin geschieht. 

Vielen Ritualen gemeinsam ist die Manifestation einer Idee in einem Gegenstand – Papierboote auf dem Wasser, Stoffbändchen an Bäumen, Zettel unter Steinen – der sich aufgrund urphysikalischer Gesetze nach einem gewissen Zeitraum wieder entmaterialisiert. 

“Das Traumschiff” ist Träger und zugleich die Reduktion von dem, was mich umgibt. Es birgt Erschaffung und Zerstörung in sich: das Werden und Vergehen. Die Stäbe staken als Träume aus dem Rumpf heraus. Das Schiff ist Transportmittel. Das Auf-Grund-laufen – der Alptraum, das Scheitern der geschaffenen Vision, Illusion. Das Schiff zerborsten, zur letzten Ruhe gefahren – jetzt in der Schönheit der Morbidität. Ein Bild der Stille; der langsame Prozess des Verfalls, der Neuausrichtung und Neuverbindung zwischen Erde und Himmel in einem meditativen Raum. 

Ich habe ein Traumschiff entworfen, und ich habe es gebaut, einem Luftschiff gleich.

Geschichte zum Werk: Nach der Präsentation des Traumschiffes im Kunstraum Potsdam 2016 habe ich einen neuen Hafen für das Schiff gesucht. Herr Dieckmann gab mir die Möglichkeit, es in der Neuen Ziegelmanufaktur Glindow aufzubauen und unterstützte dieses Vorhaben. Vor vielen Jahren, als es viele Ziegeleien in der Umgebung von Glindow gab, wurden die produzierten Steine mit Schiffen abtransportiert. Auch die Eroberung der Neuen Welt wurde mit Schiffen vollzogen und damit wurden die Kulturen der Welt auch in unser Land getragen. Auch heute sind Schiffe Transportmittel und die Möglichkeit auf verschiedene Art und Weise zu reisen.
Mit terminlicher Absprache kann man mich hier im Atelier besuchen. Auf meiner Homepage kann man sich über verschiedenste Aktivitäten informieren. www.chrishinze.de

Wer kauft heute Kunst? Anleger oder Sammler?
Beide. In diesem Zusammenhang ist mir wichtig zu erwähnen, dass Kunst für alle Menschen zugänglich sein sollte, da sie ein Teil unseres gesellschaftlichen Lebens ist und immer wieder ein Grundstein für Veränderung, Neuerung, Entwicklung. Kunst ist lebendig. Sie ist mutig und sie ermutigt uns, die Dinge von einer anderen Seite zu betrachten.

Mit Ihrer Cottbusser Band Sandow haben Sie 1989 den Song „Born in the GDR“ geschaffen. Was können die Fans 30 Jahre später musikalisch von erwarten?
Nun es sind jetzt 37 Jahre. Das neueste Album heißt: Entfernte Welten. Zu Weihnachten kommt die DVD zum 35-jährigen Bandjubiläum, eine neue CD ist geplant und eine 10-tägige Tour im Herbst 2020 – Cottbus, Dresden, Potsdam, etc.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
Wenn wir davon ausgehen, dass unsere schöne Erde alle Lebewesen gleichwertig behandelt und darin das Streben nach immer wiederkehrender Lebendigkeit ist, so sollte es möglich sein, dass wir Menschen uns und die Natur genau so achten und gemeinsam friedlich leben. Dazu kann jeder Einzelne jetzt anfangen, sich zu verändern. Im Kleinen wie im Großen sind wir alle eins. Alles, was wir kreieren, wird uns immer wieder begegnen. Das heißt, aus unserer Geschichte lernen und sie neu zu gestalten.

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Es gibt keine berühmten Personen.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Ich habe keinen Nachttisch aber das Buch “Einbruch in die Freiheit” von Jiddu Krishnamurti lese ich manchmal am Glindower See.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Die Natur und das Leben.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Wenn es verborgen ist, habe ich es noch nicht aufgespürt, aber wir alle haben große Fähigkeiten und können lernen, sie mit Mut auszuleben.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Da ich die Natur liebe, liebe ich auch die Tiere.