Mein Werder (258): Stefanie Lubitz und Ursula Gätke

v.l.: Ursula Gätke und Stefanie Lubitz, Fotos: wsw

Kurz & Knackig

Name: Stefanie Lubitz (SL) und
Ursula Gätke (UG)
Alter: 45 Jahre und 41 Jahre
Wohnort: Werder
Wie lange leben Sie schon in Werder?
SL: Seit meiner Geburt
UG: seit 11 Jahren
Haben Sie Kinder?
SL: Ja, Tilmann ist 16 Jahre alt und Leni ist 12 Jahre alt.
UG: Ich habe zwei Mädchen im Alter von 5 und 16 Jahren und einen 12-jährigen Sohn.


Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
SL: Werder ist ein wunderbarer Ort zum Leben, nah an Berlin und Potsdam, eingebettet von Wäldern und Seen, genau der richtige Mix aus Natur, Entspannung und Nähe zur Großstadt.

UG: Werder ist eine kleine liebenswürdige Stadt, umgeben von viel Wasser. Bis nach Berlin ist es nicht weit und doch findet sich fast schon ländliche Idylle in vielen Teilen von Werder. Ich finde, wir leben da, wo andere Leute Urlaub machen.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
SL: Ich arbeite als Sozial- und Heilpädagogin im Familienzentrum Werder und als Beraterin im „Büro für Familienfragen“ der Stiftung JOB. In meiner Freizeit bin ich viel in der Natur, auf und im Wasser, tanze gerne und fahre Motorrad.

UG: Ich arbeite bei der Stiftung JOB und bin Koordinatorin im Familienzentrum Werder.

Was würden Sie lieber machen?
SL: So wie jetzt, ist es genau richtig. Schade ist nur, dass der Start vom Jugend-und Familienzentrum durch die coronabedingten Einschränkungen beeinträchtigt ist. Ich freue mich auf die Zeit, in der das Familienzentrum den Regelbetrieb aufnehmen und wieder ein Ort der Begegnung für alle sein kann.

UG: Momentan stehen wir mit dem Familienzentrum in dem schönen neuen Haus in den Startlöchern, viel lieber würde ich die Coronazeit überspringen und mit unseren vielfältigen Angeboten starten.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns wo?
SL: Das ist ein ruhiger Ort am Plessower See, mehr verrate ich nicht 🙂

UG: Ich liebe meinen Garten. Hier haben wir uns eine Oase geschaffen, wo wir gern entspannen und andererseits auch immer wieder neue Ideen umsetzen.

Wo muss ein Gast unserer Stadt unbedingt gewesen sein?
SL: Er muss unbedingt einmal um und über die Insel gelaufen sein.

UG: Von der Bismarckhöhe hat man einen traumhaften Ausblick und sehr schön finde ich auch, mit dem Tretboot einmal rund um die Insel zu fahren.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
SL: Ich persönlich bevorzuge die Muckergärten und fahre auch gern mit dem Rad auf die Höfe, meine Kinder lieben den Rummel und den Umzug.

UG: Wir freuen uns jedes Jahr aufs Neue auf die Fahrgeschäfte am Familientag.

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
SL: Schwarze Johanna, dicht gefolgt von Rhabarber.

UG: Ich trinke Obstwein nicht so gern, ich habe zu viel Respekt davor …

Sie – ganz speziell

Das Angebot des Familienzentrums richtet sich an werdende Eltern, Mütter, Väter und Großeltern mit Babys und Kindern bis 12 Jahren. Können Sie uns einen Überblick über Ihr umfangreiches Angebot geben?
Das Familienzentrum ist ein Ort der Begegnung für Jedermann. Unsere Angebote fangen beim Schwangerenfrühstück an und gehen bis zum themenbezogenen Elternabend z.B. Thema Pubertät. Es gibt Krabbelgruppen, ein Familiencafé mit kreativen Angeboten, Bewegungs- und Entspannungsangebote für verschiedene Altersgruppen, Sprechzeiten und Beratung zu Familienthemen aller Art. Auf der Homepage können alle Angebote detaillierter eingesehen werden.

Das Jahr 2020 stellte vor allem Familien vor ganz neue Herausforderungen. Wo es ging, wechselten Eltern ins Home-Office, die Schulen und Kitas waren bis auf wenige Ausnahmen für die Kinder geschlossen, Großeltern durften ihre Enkelkinder nicht mehr so sehen wie zuvor. Wie haben Sie diese Zeit privat und auch bei Ihrer Arbeit im Familienzentrum erlebt?
Privat haben wir beide das große Glück, dass wir einen Garten haben und die Kinder raus konnten. Die sozialen Kontakte haben aber schon sehr gefehlt.

Viele Eltern sind mit dem Homeoffice, Distanzunterricht und Kinderbetreuung an ihre Grenzen gestoßen. Bei manchen steht die berufliche Existenz auf dem Spiel. Die Beratungsanfragen sind in dieser Zeit stark gestiegen. Wir haben telefonische Beratungen durchgeführt und konnten diese jetzt im persönlichen Kontakt aufrechterhalten. Um Abwechslung und Entlastung anzubieten, haben wir z.B. Elternabende online angeboten oder auch Yoga für Familien online gestellt. Das Schwangerenfrühstück konnten wir einige Male als Picknick veranstalten. Die Rückmeldung darauf war so unglaublich positiv und dankbar – das trägt uns ganz besonders. Es entstanden neue Freundschaften und Vernetzungen, von denen die frischgebackenen Eltern in der jetzt schwierigen Zeit profitieren.

Im vergangenen Jahr feierte das Familienzentrum seinen zehnten Geburtstag. Erinnern Sie sich noch an die Anfänge? Schilden Sie uns den Weg von damals bis heute?
Anfangs war das Familienzentrum im Hohen Weg gestartet. Dort nutzten wir drei Räume, unter uns war der Jugendclub untergebracht. Aus dieser Zeit stammt z.B. das Kooperationsprojekt vom Babysitterführerschein. Jugendliche konnten sich hier in Theorie und Praxis Kenntnisse zur Kinderbetreuung aneignen. Später entstand daraus unsere Babysitterbörse.

Leider konnten wir dort nicht bleiben und die Raumsuche begleitete uns seit 2010 über verschiedene Stationen. Eine der Stationen war die Casa Reha, die damals von sich aus auf uns zukam und uns Räume angeboten hatte. Das war eine sehr bereichernde Zeit, die Kombination von Kindern und Senioren. Kinder, die keine eigenen Großeltern in der Nähe hatten, profitierten sehr und auch die Senioren waren aufgeschlossen und interessiert an unserer Arbeit und den Familien.

Heute freut es uns außerordentlich, dass die Stadt Werder uns in der Adolf-Damaschke-Str. dauerhaft Räume zur Verfügung stellen kann und wir gemeinsam mit dem Jugendclub Projekte starten können. Durch die wachsende Zahl der Werderaner Familien ist das Familienzentrum immer wieder an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen, die Bedarfe wachsen stetig. So hat sich auch unser Angebot immer mehr erweitert und die Eltern können sich mehr mit einbringen.

Es ist wunderschön zu erleben, wie Eltern auch mit ihrem zweiten und dritten Kind zu uns kommen und wir über viele Jahre diese Familien begleiten dürfen. Durch die lange Zeit, die sie uns kennen, ist in Krisenzeiten die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme viel kleiner.

Um den vielfältigen Bedarfen gerecht zu werden, sind wir jetzt drei Kolleginnen im Familienzentrum, die sich die 60 Stunden der Koordination teilen. Zusätzlich ergänzen drei Kolleginnen von Stiftung JOB die Arbeit vom Familienzentrum.

Frau Trobisch leitet unsere Nestgruppe, Frau Borgmann leitet die verlässliche Eltern-Kind-Gruppe und Frau Miladi ist als Integrationsfachkraft unsere Brücke zwischen Familienzentrum und Gemeinschaftsunterkunft.

Warum ist der Kontakt von Kindern zu anderen Kindern so wichtig?
Wir sehen, dass Kinder viel voneinander lernen. Der Umgang miteinander stärkt ihre soziale Kompetenz und das ist einfach von unschätzbarem Wert. Durch das Ausprobieren von Verhaltensweisen und die Rückmeldung dazu, können Kinder sich gegenseitig bestärken, Selbstvertrauen aufbauen und so miteinander wachsen.

Für ältere Kinder ist es hilfreich, wenn sie merken, dass sie mit herausfordernden Themen nicht allein sind. Es fällt ihnen ein Stein vom Herzen, wenn sie von anderen z.B. hören: „Ich lebe auch in einer Patchwork Familie, habe Schulprobleme und meine Eltern stressen mich …“.

Von Ende März bis Ende Juni veröffentlichten Sie auf der Internetseite des Familienzentrums jede Woche Kunterbunte Wochenkisten, ab Juli folgten Kunterbunte Monatskisten mit Ideen, Anregungen und Rezepten, wie man die Zeit zu Hause mit den Kindern sinnvoll nutzen kann. Wie entstand die Idee hierzu und woher nehmen Sie die vielen tollen Anregungen, mit denen die Kisten gefüllt sind?
Die Bedarfsanfragen häuften sich sehr und so überlegten die Familienzentren der Stiftung JOB, wie wir die Eltern in dieser unsicheren Zeit begleiten können. Die Familien waren aus ihren regelmäßigen Strukturen gerissen worden. Mit der Wochenkiste wollten wir ein bisschen Struktur zurückgeben. Es sollte ein Alltagsbegleiter sein, der einen neuen Rahmen geben konnte, wenn man wollte. Es war einerseits möglich, einzelne Angebote zu entnehmen und andererseits die Wochenkiste als Tagesplaner zu benutzen, je nachdem welchen Bedarf die einzelnen Familien hatten.

Aus den vielfältigen Rückmeldungen, die uns aus dem ganzen Landkreis erreichten, merkten wir, wie sehr dieses Angebot genutzt wurde. Wir waren unglaublich stolz und glücklich darüber, dass unsere Arbeit so dankbar angenommen wurde.

Die Wochenkiste wurde in Kooperation mit unseren Familienzentren in Borkheide/Borkwalde und Beelitz erstellt. Mit den Kolleginnen in Gemeinschaftsarbeit und mit unseren eigenen Kindern als Ideengeber konnte die Wochenkiste immer wieder neu befüllt werden. Mit dem 1. Dezember ist unser digitaler Adventskalender gestartet.

Das Familienzentrum und das Jugendhaus sollen hoffentlich bald ihre Türen auf dem Gelände der Alten Weberei eröffnen. Worauf dürfen sich die Eltern und Kinder freuen?
Leben, Lachen, Gemeinschaft, Austausch, Miteinander – und das in schönster Umgebung mit wunderbaren Räumen.

Was wir sonst noch wissen wollten?

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
SL: In diesen Tagen natürlich zuallererst, dass meine Familie und ich gesund bleiben, ein entspanntes Weihnachtsfest und im nächsten Jahr mehr Regen für meinen Garten.

UG: Gesundheit für mich und meine Familie, keine Kriege auf der Welt und ganz persönlich einen Wohnwagen für unsere Familie 🙂

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
SL: Der Alchimist von Paulo Coelho und Sinuhe der Ägypter von Mika Waltari

UG: Ich lese über die Onlinebibliothek Skoobe. Hier sind gerade „Auch Männer können bügeln“ und „Die Stadt der träumenden Bücher“ meine Favoriten.

Haben Sie Vorbilder?
SL: Regine Hildebrandt, weil sie wie keine zweite es schaffte, mit Herzblut bei der Sache zu sein. Und natürlich meine Eltern, die immer ein offenes Ohr hatten und jeden willkommen hießen.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
SL: Unser Zuhause bereichern Hühner und Katzen, ein Hund steht schon lange auf der Warteliste.

UG: Beides. Momentan bereichert ein Australian Shepherd namens Luna unser Familienleben.