Mein Werder (273): Linda und Nikolai Jünger

Kurz & Knackig

Name: Linda und Nikolai Jünger
Alter: 35 und 37
Wohnort: Werder (Havel)
Wie lange leben Sie schon in Werder? Seit Ende April 2020
Haben Sie Kinder? Eine Tochter

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Werder, das waren Fischerorte und Dörfer im Wein- und Obstanbaugebiet, die in jüngster Zeit zu schnell zu einer Stadt herangewachsen sind.
So wie die wunderbare Landschaft sich zeigt – Hügel, die sich aus Feldern, Havel und Seen erheben – erheben sich historische Perlen aus der Silhouette der Stadt.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Hausbesuche, Management, Unterricht, Verwaltung, Kaffeekränzchen, Schreibtisch und viele viele Gespräche – kurz: Pfarrer*in sein.

Was würden Sie lieber machen?
Debattieren, Tanzen, Singen, Beten, Schweigen, mit Menschen leben – kurz: Pfarrer*in bleiben.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns wo?
Jeder Ort, an dem wir schwimmen können.

Wo muss ein Gast unserer Stadt unbedingt gewesen sein?
In unseren beiden Kirchen.
In den blühenden Obstwiesen, auf den Friedhöfen und den Weinbergen.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Im Muckergarten sind wir am liebsten. Am Rummel interessieren uns nur die Menschen.

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Nikolai: Schwarze Johannisbeere
Linda: trockenen Weißwein ☺

Sie – ganz speziell

Seit Mai 2020 besetzen Sie gemeinsam eine Pfarrstelle in Werder (Havel). Können Sie uns etwas über die erste Zeit hier in unserer Blütenstadt erzählen und wie wurden Sie von der Heilig-Geist-Kirchengemeinde in Werder (Havel) aufgenommen?
Seit wir in Werder sind, hält uns das Corona-Virus auf Trab. Wir wurden – soweit in dieser Zeit möglich – freundlich, oft sogar freundschaftlich aufgenommen. Wir haben die Zeit genutzt, die Gegend mit Tandem und Kinderanhänger zu erradeln, sind die Havel mit den Kanadier auf und ab gepaddelt und haben mit unserer Tochter Kinderspielplätze getestet. In der Kirchengemeinde haben wir Dinge geordnet und sind neue Wege gegangen, wie Lesehefte mit Andachten für zu Hause und offene Kirchen zu Weihnachten, aber auch YouTube-Andachten.

Erzählen Sie uns etwas über Ihren Werdegang und wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt?
Wir kennen uns schon von Jugend an. Wir kommen quasi die Havel herunter geschippert aus Zehdenick. Das Studium in Berlin und Wien haben wir gemeinsam begonnen und abgeschlossen. Als Vikarin und Vikar arbeiteten wir in Potsdam und in Werder. Zuletzt waren wir als Pfarrerin und Pfarrer über vier Jahre in Wittstock an der Dosse.

Sie leben im Pfarrhaus auf der Insel. Haben Sie sich gut eingelebt und was mögen Sie an Ihrem neuen Zuhause besonders?
Sehr gern haben wir den Garten und die Nähe zum Wasser in alle Himmelsrichtungen. Wir sind froh, nicht direkt an der Kirche zu wohnen wegen der Glocken, wissen Sie, die sind immer so laut. Nein, wir lieben unsere Kirchenglocken. Wir freuen uns über die kurzen Wege, die wir mit dem Fahrrad erledigen.

Bevor Sie nach Werder gekommen sind, waren Sie über vier Jahre lang in Wittstock. Warum haben Sie sich dazu entschlossen, nach Werder zu kommen?
Als Pfarrerin und Pfarrer bleiben wir einfach unterwegs. Immer wieder hören wir den Ruf: Steh auf, geh hinaus, mach dich auf! Wir sehen großes Potenzial darin, dass der Glaube hier in Werder Bedeutung für die Menschen hat und darin erkennen wir unseren Auftrag.

Sie sind in turbulenten Pandemie-Zeiten nach Werder gekommen. Hätten Sie sich für Ihren Start in der Blütenstadt eine etwas ruhigere Zeit gewünscht?
Wir hatten ohne den Rummel vor dem Gartenzaun und mit weniger Touristen auf der Insel wohl ruhigere Zeiten als die Werderaner*innen und Werderschen je erlebt haben. Innerlich beten wir dennoch täglich, dass die Unruhen und Sorgen dieser Zeit uns und unsere Mitmenschen nicht verzweifeln lassen. Leidens- und Festzeiten gehören zum Leben wie die Passion zu Ostern, allerdings weiß jeder in der Fastenzeit, wann sie vorbei ist.

Zusammen leben und zusammen arbeiten – wie gut funktioniert das wirklich?
Die Frage ist eher: Wie lange geht das gut? Wir können sagen, schon ziemlich lange. Erst sahen wir Chancen darin, uns eine Pfarrstelle zu teilen und nun kam es schon anders. Zurzeit haben wir beide Pfarrstellen in Werder inne bis die Zweite durch Bewerbungsverfahren wieder ordentlich besetzt ist.

Haben Sie Hobbys, denen Sie in Ihrer Freizeit nachgehen?
Eigentlich tanzen wir leidenschaftlich gern – solo und als Paar, klassisch und modern. Tatsächlich kommen wir nicht dazu.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
Gleichberechtigung aller Frauen und Männer, Kinder und Erwachsen, Glaubenden und nicht Glaubenden, Kranken, Homosexuellen, Menschen mit Behinderung und Besonderheiten.

Die Möglichkeit zu leben, ohne Menschen und Umwelt auszubeuten.

Dass sich Menschen erlauben zu streiten und auch versöhnen.

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Linda: Michail Gorbatschow, weil er für Veränderungen, Freiheit und Offenheit sämtliches zu riskieren bereit war.
Nikolai: Jesus von Nazareth – der einzige Lebende, denn alle anderen interessanten Leuten sind leider schon gestorben.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Linda: Zuletzt „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante. Es erzählt ungeschminkt von den begabten wie den auch peinlichen Seiten der Menschen und einer lebenslangen Freundschaft zweier sehr gegensätzlicher Frauen.
Nikolai: Zu meinem Bedauern leider keins. Im nächsten Urlaub lese ich sicher wieder einen Krimi.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Linda: Vorbilder sind für mich Menschen, die Erstaunliches wagen genauso wie sie ihre Fehler begehen. Darum kann jede Frau und jeder Mann für mich zum Vorbild werden. Neben vielen anderen, unerschrockenen Menschen zähle ich hier mal auf: den Apostel Paulus, der nie einen Streit fürchtete, Maria Montessori und Jesper Juul, die es wagten, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, Waris Dirie, die gegen ein grausames Verbrechen ankämpft, viele Menschen aus unseren Gemeinden und meine Großmutter, die wie so viele ihrer Generation ihre Kindheit während eines schrecklichen Krieges erlebt hatte und die dennoch den Glauben an die Liebe nie aufgegeben hatte.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie?
Neben anderen Filmen haben uns Filme wie Schindlers Liste, Ein verborgenes Leben, die jüngste Verfilmung von Narziss und Goldmund genauso wie der Krieg der Sterne sehr beeindruckt.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Die Bibel erzählt, dass jeder mit seinen Talenten wuchern soll. Also, wem sie verborgen sind, der guckt nicht richtig hin.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Wir lieben unsere kleine Maus.