Mein Werder (279): Annemarie Laber

Kurz & Knackig

Name: Annemarie Laber
Alter: 55
Wohnort: Berlin und Werder
Wie lange leben Sie schon in Werder? Seit 2017
Haben Sie Kinder? nein

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Ein verträumter Ort am Wasser, wo die Welt noch in Ordnung ist.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Mein Beruf ist meine Leidenschaft. Ich bin Inhaberin eines Bildungsträgers für Erwachsenenbildung, zu dem ein Kunstraum gehört.

Was würden Sie lieber machen?
Nichts, genau das.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns wo?
Ich sitze gerne mit meinen Freund*innen in der Abendsonne auf einer der vielen Bänke oder auf einem Steg der Regattastrecke. Ich liebe die Fischbrötchen vom Fischer Mai. Und natürlich ist die Insel mein Lieblingsort, auf der ich wohne und arbeite.

Wo muss ein Gast unserer Stadt unbedingt gewesen sein?
Hoffentlich bald in der neuen Blütentherme. Ansonsten muss er einen Rundgang über die Insel gemacht haben. Wenn er oder sie sich für Kunst interessiert, dann im Kunstgeschoss, wo es immer hervorragend kuratierte Ausstellungen von Frank W. Weber gibt.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Eher Muckergarten, dem Rummel versuche ich zu entgehen. Noch habe ich keinen Lieblingsplatz.

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Rhabarber ist mein Favorit.

Sie – ganz speziell

Ihr Lebenslauf liest sich unglaublich spannend: Sie haben Kunsterziehung und Kunstgeschichte in München sowie Modedesign in Berlin studiert und haben viele Jahre als Kostümbildnerin für Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen gearbeitet. Zudem haben Sie 2001 Ihr eigenes Modelabel gegründet. Können Sie uns etwas über die einzelnen Stationen Ihrer Laufbahn und Ihren Weg zu Ihrer aktuellen Tätigkeit erzählen?
Modedesignerin wollte ich schon mit 16 Jahren werden. Damals fing ich an, mir Kleidungsstücke selbst zu schneidern, weil Kleidung sehr teuer war, im Vergleich zu heute. Nach dem Studium war ich am Theater in den USA, danach als Kostümassistentin an der Volksbühne in Berlin, welche Ende der 1980er Jahre ein sehr angesagtes Theater war. Dort wurden Filmstudenten von der DFFB auf mich aufmerksam und ich machte Kostümbild für erste Kurzfilme, mein erster Langfilm war ein Polizeiruf 110. Später folgten Tatorte und Kinofilme. Mein eigenes Modelabel begann ich 2001, weil ich zwischen den Filmprojekten immer Pausen hatte und das Bedürfnis, etwas Konstantes zu haben. Mein erster Laden war in Friedrichshain, hinten schneiderte ich und vorne war der Verkauf. Ich zog dann mit dem Laden um nach Prenzlauerberg und ging der Liebe wegen mehrere Monate nach Gran Canaria. Nach der Rückkehr konnte ich irgendwie nicht mehr an Vergangenes anknüpfen und wusste, dass es Zeit für etwas Neues ist. Immerhin habe ich zehn Jahre lang eigene Mode für Frauen und Männer entworfen und genäht, war auf vielen Modenschauen mit dabei und arbeitete gleichzeitig noch für Filmproduktionen, es war eine fruchtbare Zeit.

Es folgte eine Drehbuchausbildung, aber die Arbeit alleine vor dem Schreibtisch war nichts für mich. So entschied ich mich 2014 für die Coachingausbildung, denn ich wollte auch etwas für andere Menschen tun, etwas zurückgeben und einen Beruf haben, wo ich meine bisherigen Erfahrungen gewinnbringend einsetzen konnte.

Schon vor der Ausbildung hatte ich einen Job als Coach bei einem Bildungsträger, der mich dann auch unterstützte, mein eigenes Coachingkonzept zu entwickeln. Ich wollte Coaching für Künstler und Kreative machen, Menschen in Krisenzeiten unterstützen und sie motivieren, ihre Träume zu realisieren oder am Ball zu bleiben, wenn Durststrecken da sind. Und alles ist so gekommen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich bin wirklich ein sehr leidenschaftlicher Coach und arbeitete seit der Ausbildung durchgehend und regelmäßig für verschiedene Bildungsträger. 2018 ließ ich die Coachingzentrale, welche ich 2012 als Netzwerk gründete als Bildungsträger zertifizieren.

Sie sind mit Ihrem Büro auf der Insel ansässig und führen in Präsenz, und zur Zeit hauptsächlich online, Bewerbungscoachings durch. Wie sieht so ein Bewerbungscoaching aus und für wen ist dies geeignet?
In fast jeder beruflichen Laufbahn gibt es Zeiten der Arbeitslosigkeit. Es sind oft für die Betroffenen schwierige Zeiten, bei der viele Fragen auftauchen. Ich biete bis zu 3 Monate Unterstützung durch gezielte Coachings welche 2x mal pro Woche statt finden und deren Kosten von der Agentur für Arbeit oder den Jobcentern übernommen werden.

Inhaltlich gibt es zwei Formate: Bewerbungscoaching und Heranführung an die Selbstständigkeit, oder Wechsel der Selbstständigkeit. Zu Beginn wird gemeinsam ein individueller Coachingfahrplan erstellt und ein Coachingziel festgelegt mit Inhalten wie: Profilanalyse, Motivation, Zielfindung, Unterstützung bei der Recherche und Erstellen von passgenauen Anschreiben, Überwindung von Blockaden, Zeit- und Selbstmanagement oder Unterstützung und Vorbereitung für eine gelungene Existenzgründung mit Businessplan.

Meine Kunden sind Akademiker*innen, Künstler*innen und Kreative (Designer, Schauspieler etc.) Wir sind drei Coaches und führen die Coachings überwiegend online durch, ansonsten in Berlin oder Werder.

Im Jahr 2015 haben Sie in Berlin die //GALERIE 102 gegründet. Was kann man sich darunter vorstellen?
Die //GALERIE 102 ist eine Mischung aus Galerie und Projektraum und gehört zur Coachingzentrale. Es werden dort vor allem nichtkommerzielle Projekte realisiert. Die Künstler kamen bis 2019 aus allen Teilen der Welt und haben dort ein Artist in Residenz absolviert. Seit 2020 bekommen vorwiegend Künstler aus dem Coachingprojekt die Möglichkeit ihre Kunst auszustellen.

Sie sind beruflich viel in der Hauptstadt unterwegs, warum haben Sie sich dennoch für ein Büro/Zuhause in Werder (Havel) entschieden?
Ich kam 2008 nach Werder durch meine Katze Michelli, welche ich aus Gran Canaria mit nach Deutschland brachte. Eigentlich suchte ich für meine Katze ein Zuhause mit Garten. Freunde von mir hatten damals schon einen Kleingarten in der Nähe vom Plessower See. Dort wurde ein Garten frei und so kam ich nach Werder und verliebte mich, wie viele andere sofort in die charmante Kleinstadt, unweit von Berlin. Anfangs fiel mir das Pendeln schwer, vor allem im Winter, aber jetzt habe ich mich schon daran gewöhnt.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
Ich wünsche mir für Werder:
1. dass der Verpackungsmüll reduziert wird
2. dass für die vielen Raucher mehr und größere Aschenbecher am Bahnhof und den Bushaltestellen aufgestellt werden
3. dass die Bäume und öffentlichen Rasenflächen an heißen Sommern öfter bewässert werden

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Die Bürgermeisterin aus Werder, Manuela Saß.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Auf meinem Nachttisch liegt ein ganzer Stapel. Mein Lieblingsbuch ist „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Pina Bausch, weil Sie eine wunderbare Tänzerin war und eine gute Lehrerin, welche ein grandioses Werk hinterlassen, Regeln gebrochen hat und ihrer Intuition gefolgt ist.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie?
Mein Lieblingsfilm ist „Liebe braucht keine Ferien“ mit Kate Winslet und Cameron Diaz, weil er mich einfach aufheitert.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Ich kann in bayerischer Mundard Kabarett machen, keine Angst, ich werde es nicht tun…

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Ich liebe Tiere, Katzen insbesondere und mittlerweile auch Hunde. Leider bin bin zu viel unterwegs, um ein Haustier zu haben. Das wird sich vielleicht irgendwann ändern.