Mein Werder (286): Jutta Dyhr und Gerd Grieshaber

Kurz & Knackig

Name: Jutta Dyhr und Gerd Grieshaber
Alter: 57 und 56
Wohnort: zurzeit Speckgürtel von München, ab September Caputh
Welche Verbindung haben Sie zu Werder? Seit 2005 machen wir dort mehrmals im Jahr Urlaub und haben 2010 ein Haus in der Inselstadt mit zwei Ferienwohnungen gebaut.
Haben Sie Kinder? Eine Tochter

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Ein Kleinod, bei dem alles zusammenkommt: die einzigartige Lage nicht an, sondern in der Havel, sowie offene, auch bei der zufälligen Begegnung stets zu einem Gespräch aufgelegte Menschen, mit denen man anfängt, über das Wetter zu reden, und eine halbe Stunde später immer noch beisammensteht.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
In unserer 2-Mann-Werbeagentur sitzen wir, wie so viele andere Berufstätige, viel zu lange am Schreibtisch. Immerhin mit Blick ins Grüne.

Was würden Sie lieber machen?
Nichts. Uns macht unser Beruf – mit immer wieder neuen Kunden und ständig wechselnden Themen und Projekten – großen Spaß.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns wo?
Wir lieben das kleine Kino in der Eisenbahnstraße. Und auf der Insel den Holzsteg am südlichen Ende der Fischerstraße, wo man die Enten beobachten kann. Hier riecht das Wasser besonders gut.

Wo muss ein Gast unserer Stadt unbedingt gewesen sein?
Mit Besuchern bummeln wir gern durch die Schrebergartenkolonie auf der Insel. Es ist ein Genuss, in die liebevoll angelegten und top gepflegten Gärten zu linsen und an den Rosen zu schnuppern, die über den Zaun wachsen.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Als Insulaner kannten wir bislang nur den Rummel und haben ihn – durch das Münchner Oktoberfest vorgeschädigt – konsequent gemieden. Deshalb freuen wir uns über die Pläne der Stadt, die Baumblüte wieder zu ihren beschaulichen Wurzeln zurückzuführen.

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Der Erdbeerwein kommt bei uns und als Dankeschön-Mitbringsel bei unseren Urlaubskatzensittern immer sehr gut an.

Sie – ganz speziell

Sie leben (noch) in München und sind eher zufällig auf Werder (Havel) aufmerksam geworden. Erzählen Sie uns etwas über Ihre ersten Besuche in der Blütenstadt?
Unsere ersten beiden Sommerurlaube in der Region haben wir Mitte der Nullerjahre in einer alten Villa in Geltow verbracht. Danach in einem Ferienhaus mit Blick auf den Glindower See. Schon zu der Zeit waren wir von der Region begeistert. Einheimische empfahlen uns die Werder-Inselstadt für einen Spaziergang. Da gab es noch kein Café Jacob, sondern den Schlecker, keinen geschlossenen Marktplatz, sondern die offene Nordflanke, und das „Arielle“ bot nur einen Bruchteil seiner heutigen Sitzplätze an. Bei unseren ersten Rundgängen sind wir nach der Brücke gar nicht erst nach rechts, in Richtung Mühle, abgebogen, weil es dort – zumindest aus der Entfernung – nicht besonders einladend aussah. Und genau dort haben wir später ein Haus mit zwei Ferienwohnungen gebaut.

Können Sie uns darüber etwas erzählen?
Damals waren wir noch angestellt und hatten nach unserem ersten Urlaub in der Region eigentlich die Absicht, uns in Berlin neue Jobs sowie einen Gutshof zu suchen, in den wir selbst einziehen und daneben eine oder zwei Ferienwohnungen betreiben können. Berlin hatte damals aber stellenmäßig in unserer Branche noch nicht allzu viel zu bieten. Irgendwann sagten wir uns: Dann setzen wir wenigstens die Ferienwohnungen in die Tat um. Das Grundstück unterhalb der Mühle war das Reststück, das aus der Aufteilung des Areals in Einzelparzellen übriggeblieben war, entsprechend klein und verschnitten. Niemand wollte es. Für ein Ferienhaus mit wenig pflegeintensiver Außenfläche war es perfekt.

Da wir nicht vor Ort waren, entschieden wir uns für ein Fertighaus. Unvergessen der Moment, als wir auf Klappstühlen an der Uferwiese saßen und zuguckten, wie ein Tieflader nach dem anderen mit ganzen Wänden und Dachflächen um den Mühlenberg herumkurvte und durch die enge Privatstraße rangierte. Das Grundstück war so schmal, dass wir ein eigentlich zu kleines Kranmodell aufstellen mussten, das beim Hin- und Herschwenken der tonnenschweren Komponenten ständig umzukippen drohte. Und dann der Tag, an dem der vorgeschriebene Archäologe in unserer Baugrube tatsächlich irgendwelche slawischen Kompostreste entdeckte und wir einen Baustopp befürchten mussten.

Es ging aber alles gut, und entgegen den vielstimmigen Unkenrufen seitens der Familie („Aus der Entfernung kann man keine Ferienwohnungen betreiben, da verkommt doch alles!“) fanden wir eine echte Perle als Hausverwalterin. Sie kümmert sich um einen spontan benötigten Kinderhochsitz ebenso wie um einen Ersatzfernseher, wenn während des Champions-League-Finales plötzlich die Technik ausfällt. Am meisten haben wir sie geliebt, als an einem bitterkalten Heiligabend kurz vor Mittag (wir selbst fuhren gerade im vollgepackten Auto zur Verwandtschaft) plötzlich unsere Gäste anriefen: Sie hätten sich ausgesperrt, mit dem Schlüssel innen im Schloss. Da sie ein Baby dabeihatten, das nicht mehr allzu lange in der Kälte bleiben konnte, drängte die Zeit. Unsere Hausverwalterin, gerade beim letzten Plätzchenbacken, ließ alles stehen und liegen und organisierte Hilfe. Danach harrte sie bei der frierenden Familie aus, bis der Schlüsseldienst zur Stelle war.

Sie sind gemeinsam mit Frank W. Weber Herausgeber des Bildbandes „30 – eine Generation“. Woher stammt Ihr Interesse für die Historie von Werder (Havel) und wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Werders bekanntem Kurator der Stadtgalerie Kunstgeschoss?
Für unsere Ferienwohnungen suchten wir im Internet historische Bilder von Werders Ortskern und stießen auf die Ausstellung von 2019, die wir leider verpasst hatten. Wir schrieben Frank Weber eine E-Mail und fragten nach seinem Ausstellungskatalog. Als wir erfuhren, dass es keinen gibt, entwickelten wir im fortschreitenden E-Mail-Hin-und-Her den Plan, diese beklagenswerte Lücke gemeinsam zu füllen. Bis zum fertigen Layout haben wir uns einmal kurz persönlich getroffen und unsere Geschäftsbeziehung nur mündlich besiegelt. Aber wir haben gleich gemerkt, dass aufeinander Verlass ist und dass wir ähnliche Vorstellungen vom Endprodukt haben. Unser historisches Grundinteresse war bereits vorher vorhanden. So haben wir Werders Straßenzüge von Anfang an durch eine Art Geschichtsbrille betrachtet.

In dem Bildband „30 – eine Generation“ stellen Sie Fotos von Werder um 1990 aktuellen Bildern gegenüber. Welche Motive bzw. welche Veränderungen haben Sie persönlich besonders beeindruckt?
Bei der Pressekonferenz, auf der wir das Buch vorgestellt haben, bat uns ein Fotograf, fürs Foto unsere Lieblingsseite aufzuschlagen. Eine Lieblingsseite auszuwählen ist aber gar nicht so einfach, weil jedes restaurierte Gebäude, jede Häuserzeile für sich beeindruckend ist. Deshalb finden wir den Gesamteindruck am faszinierendsten, weil das komplette Innenstadt-Ensemble mehr oder weniger auf demselben Renovierungsstand ist. Da die Stadt ihre Sanierung so engagiert vorangetrieben hat, wurde in relativ kurzer Zeit viel geschafft. So präsentiert sich der überwiegende Teil der Ansichten heute wie aus einem Guss. Dadurch, dass die Eingriffe in die vorhandene Substanz behutsam erfolgten und vieles Moderne nicht genehmigt wurde, wirkt alles sehr ursprünglich und authentisch. Man läuft tatsächlich wie durch ein altes Fischerdorf, nur in schön!

Im Sommer möchten Sie ihre berufliche wie private Heimat nach Caputh verlegen. Wird Ihnen der Abschied von München schwerfallen und worauf freuen Sie sich in Ihrem neuen Zuhause besonders?
Wir kommen ursprünglich aus dem Ruhrgebiet bzw. aus dem Schwarzwald. München war uns 30 Jahre lang eine tolle zweite Heimat, daher werden wir uns nicht komplett vom weißblauen Süden abnabeln. Wir haben damals gesehen, wie schnell man Anschluss findet, wenn man auf die Leute zugeht. In Werder haben wir bislang die gleiche Erfahrung gemacht und mittlerweile viele Nachbarn näher kennengelernt. Neben dem Havelseen-System (mit dem der Starnberger See und der Ammersee bei Weitem nicht mithalten können) freuen wir uns auf unseren neuen Garten mit sechs alten Apfelbäumen, in deren Schatten sicherlich zahlreiche weitere Projektideen entstehen werden.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
Dass alles Schlechte aus der Welt verschwindet. Und dass wir den Klimawandel in den Griff bekommen. Den letzten Freiwunsch spenden wir.

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Wir finden Elvis Presley faszinierend. Weil sein enormes Charisma – wenn man sich alte Interviews ansieht – auch heute noch zu spüren ist. Als Marketing-Leute sehen wir die Marke „Elvis“ als eine der bekanntesten überhaupt. Außerdem sind wir Fußballfans und würden uns mit jedem Protagonisten dieses Bereichs gern austauschen: von Hansi Flick (Kimmich wieder zurück ins Mittelfeld?) bis zu Manuel Neuer oder Thomas Müller (wie schaffen sie es so erfolgreich, den Trend zur Undercut-Frisur auszusitzen?).

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
„Alte Sorten“ von Ewald Arenz. Ein Roman über eine ausgerissene Jugendliche voller Aggressionen, die sich mit einer alleinstehenden Obstbäuerin anfreundet und bei der gemeinsamen Arbeit auf deren Hof ins Leben zurückfindet. „Alte Sorten“ bezieht sich sowohl auf die verschiedenen Birnensorten, die die Frauen ernten, als auch auf die kauzigen, mit viel Liebe beschriebenen Dorfbewohner.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie?
„Grüne Tomaten“ von 1991. Den mögen wir beide. Irgendwie haben wir es mit Obst und Gemüse.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Uns beeindrucken Menschen, die etwas Unverwechselbares kreiert haben. Steve Jobs und seine Weitsicht, ein Handy wie ein Schweizer Taschenmesser multifunktional aufzustellen, dann noch mit einer intuitiven, auf Symbolen basierenden Nutzerführung, bleiben wohl auf ewig unerreicht.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Im mittleren Lebensalter sollten sämtliche Talentschätze gehoben sein. Was bis jetzt nicht ans Licht gekommen ist, bleibt wohl besser im Dunkeln.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Wir engagieren uns im Tierschutzverein und bei „Vier Pfoten“, die Tierliebe ist also breit aufgestellt. Unser Haus teilen wir mit zwei jungen, unternehmungslustigen Katern, die uns den bevorstehenden Umzug hoffentlich verzeihen werden.