Mein Werder (291): Brigitte Wilhelm

Kurz & Knackig

Name: Brigitte Wilhelm
Alter: 74 Jahre
Wohnort: Werder/Elisabethhöhe
Wie lange leben Sie schon in Werder? 33 Jahre
Haben Sie Kinder? Ich habe Söhne, die längst erwachsen sind, aber gefühlt meine Kinder sind und bleiben. 


Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Als einen Ort, der mir Heimat geworden ist, in dem ich mich wohlfühle. Als einen Ort mit Vergangenheit, im Hier und Jetzt und mit Zukunft. Als einen Markt der Möglichkeiten.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Im Moment hat der Heimatverein Glindow Priorität, für den ich als „Jägerin und Sammlerin“ von Heimatgeschichte unterwegs bin. In Archiven fündig zu werden, kann mich beglücken. Wie auch mit Menschen zu reden, die etwas zu den Themen zu sagen haben, mit denen ich mich beschäftige. Als Pensionärin habe ich die Freiheit, Ideen zu verwirklichen und meinen Interessen nachzugehen. Lesen, schreiben, malen, fotografieren, Sport treiben und mit meinen Blumen im Garten sprechen. Langeweile kenne ich nicht.


Was würden Sie lieber machen?
Lieber? – Das weiß ich nicht. Aber Reisen mit meinem Mann, einer Freundin oder auch allein habe ich in Corona vermisst. Das möchte ich nachholen, wenn es möglich ist. Gern noch einmal wie 1997 nach Neuseeland, wo seit zwei Jahren meine Enkelin Pauline ist.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns wo?
Ja. Es ist der freie unverstellte Blick von der Terrasse unseres Hauses über den „Vogelschutz“, wenn die Sonne am Abend immer wieder neu und anders untergeht.

Wo muss ein Gast unserer Stadt unbedingt gewesen sein?
Wer bei uns erstmals zu Gast ist, dem zeigen wir den Glindower Kietz, wandern entlang des Uferweges zur Ziegelei und steigen in den Alpen zum Belvedere auf. In Werder sind es der Blick von der Bismarckhöhe und ein Rundgang über die Insel, gern mit einem Abstecher in die Stadtgalerie.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
In unserem Garten, wenn die Obstbäume nacheinander blühen und hoffentlich von Spätfrösten verschont bleiben. Ansonsten bevorzuge ich Radtouren durch die Blüte, zum Sattsehen und eine sinnliche Freude zu spüren.

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Die jährliche Neuauflage des leckeren Kirsch-Weines meines Mannes in Anlehnung an Oma Hedwigs Rezept. Die neue Ernte ist schon angesetzt. Ausgeschenkt wird zur Baumblüte.

Sie – ganz speziell

Sie sind Vorstandsmitglied im „Heimatverein Glindow e.V.“. Können Sie uns etwas über die Entstehung des Vereins und seine Entwicklung erzählen?
Faktisch ist dazu zu sagen, dass der „Heimatverein Glindow e.V.“ am 18. April 1994 gegründet wurde. Zwölf Gründungsmitglieder wählten aus ihren Reihen den ersten Vorstand. Beratung und Unterstützung kamen aus der Partnerstadt Rahden, besonders in rechtlicher Hinsicht so kurz nach der Wende war das hilfreich. Es war ein Glück, dass die Gemeinde Glindow das mit einem Vermächtnis vererbte Büdnerhaus im Kietz dem jungen Verein überantwortete. Unter schwierigsten Bedingungen wurde das 1993 unter Denkmalschutz gestellte Haus mit Fördermitteln saniert. Am 28. September 1997 wurde das Heimatmuseum eröffnet. Die Entwicklung des Vereines ist untrennbar mit diesem Haus verbunden. Zu den Aufgaben des Vereines gehören die Erforschung und Aufarbeitung der Heimatgeschichte, die Gestaltung von jährlichen Ausstellungen und Publikationen, die Traditionspflege und ein reges Vereinsleben der Mitglieder. Mehr darüber kann man im Museum erfahren, denn wir haben nach coronabedingten Schließungszeiten gerade eine neue Ausstellung eröffnet und laden zum Besuch ein.

Worauf dürfen sich Besucher, die zum ersten Mal im Heimatmuseum Glindow zu Gast sind, freuen?
Es gibt ein Alleinstellungsmerkmal, das für neue Besucher interessant ist: die „Schwarze Küche“, ein erhalten gebliebenes Relikt. Wir haben uns nicht von Corona entmutigen lassen und das Museum im Winter „aufgehübscht“. Nach 25 Jahren war es an der Zeit, Wände, Fußböden und Licht zu verbessern. Wir können nun das Heimatmuseum selbst als Ausstellungsobjekt präsentieren. Wir stellen uns neuen Herausforderungen und ergänzen unsere analogen Angebote durch digitale.

Im nächsten Jahr feiert das Heimatmuseum sein 25-jähriges Bestehen. Ist ein großes Fest geplant?
Es wird im September 2022 ein Fest geben. Aber vor dem Preis kommt der Fleiß. Ich recherchiere seit einem halben Jahr die Geschichte des Büdnerhauses, und kann schon jetzt sagen, dass Facetten umgeschrieben werden müssen. Ich versuche, dem Haus „Geheimnisse“ zu entlocken. Die ganze Historie und interessante Geschichten gibt es in einer Broschüre im Jubiläumsjahr 2022. Sie ist in Arbeit.

Sie sind unglaublich engagiert, was das Leben gestern, heute und morgen in Glindow betrifft. Woraus ziehen Sie Ihre Energie für die ehrenamtliche Tätigkeit?
Ich bin sehr gern im Heimatverein und habe als Chronistin eine Aufgabe übernommen, die mir liegt und Spaß macht. Seit dem „Glindower Almanach“ 2017 und dem Lesebuch „Das Leben geht weiter“ 2020, woran ich beteiligt war, entdecke ich immer wieder neue Themen, die es zu erzählen gibt und die ich auch im Kreisheimatkalender der Chronistenvereinigung Potsdam-Mittelmark veröffentlichen darf.

Sie sind ehemalige Schuldirektorin, woran erinnern Sie sich während Ihrer Schulleiterlaufbahn besonders gerne zurück?
Als Lehrerin mit dem Lehramt Sonderpädagogik habe ich ab 1992 die Förderschule für Erziehungshilfe der Evangelischen Jugendhilfe Geltow (EJHG) in Trägerschaft des Diakonieverbundes Schweicheln auf dem Franzensberg aufgebaut und 15 Jahre bis zu meiner Pensionierung geleitet. Ich habe immer noch Kontakt zu „meiner“ Schule, in der das schulische Hilfekonzept konsequent und empathisch fortgesetzt wird. Zur Einweihung im September nach einer Grundsanierung und Erweiterung bin ich eingeladen und ich freue mich sehr darauf.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
„Wünsche wachsen wie die Nessel: wild.“ (Eine Zeile aus einem Gedicht von Chris Hornbogen.) Für mich sind es die beständigen Wünsche, die immer mehr Bedeutung erlangen: Gesundheit, Toleranz der Menschen und eine friedliche Zukunft für meine Kinder, Enkel und Urenkel.

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Die kann ich leider nicht mehr treffen: Frida Kahlo und Camille Claudel

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Da liegen immer mehrere gleichzeitig. So kann ich schon das nächste Buch anfassen. Ich lese im Moment „Der Duft des Waldes“, den ersten ins Deutsche übersetzte Roman der Französin Hélène Gestern.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
In der Familie, alle die dazugehören und gehörten. Da kann ich aus dem Vollen schöpfen.
Im Heimatverein Friedel Häberer, weil er gütig, klug und ehrlich ist. Und weil er mir von 90 Jahren Lebenserfahrung so viel abgibt.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie?
Babylon Berlin hat mir gut gefallen. Und die Bücher von Volker Kutscher dazu. Und Dokumentationen mag ich.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Mein Mann würde sagen: Hoffentlich nicht, hilf mir lieber im Garten.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Ich habe mir immer ein Pferd gewünscht, aber nie bekommen. Puschkin, mein rothaariger Kater, hat mich entschädigt. Ich liebte ihn und er mich.