Mein Werder (90): Alex Höchst

Der Schauspieler Alex Höchst. Alle Fotos: privat

Kurz & knackig

Name: Alex Höchst
Alter: 55
Wohnort: Berlin
Seit wann sind Sie in Werder zu Hause?
Ich habe quasi meine Kindheit und Jugend in Werder verbracht. Meine Eltern gingen 1965 von Berlin ans Theater Potsdam und fanden in Werder direkt an der Havel in einer sogenannten Westvilla (Eigentümer lebten im Westdeutschland) eine Wohnung. Ich war da drei Jahre alt.


Haben Sie Kinder oder möchten Sie gerne welche haben?
Ich habe zwei Töchter (09/15).

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Als erstes natürlich die wunderschöne Inselstadt, welche ja das ursprüngliche Kerngebiet der Stadt ist. Es geht die Legende, dass Werder durch seine Insellage im Dreißigjährigen Krieg von größeren Verwüstungen verschont geblieben war – eine natürliche Festung sozusagen. Auch würde ich das mildere Mikroklima durch das viele Wasser in Werder erwähnen, was sogar ertragreiche Weinstöcke dort gedeihen lässt. Und nicht zu vergessen, die herrliche Obstbaumblüte im Frühjahr. In diesem Zusammenhang würde ich auch auf den schmackhaften Obstwein aus Werder hinweisen, mit der vorsichtigen Warnung, ihn in seiner Wirkung nicht zu unterschätzen.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns, wo?
Ich bin überall gern, wo Wasser ist. Also gibt es in Werder jede Menge Lieblingsorte für mich.

Rummel oder Muckergarten – wo ist Ihr Lieblingsort auf dem Baumblütenfest?
Ich muss gestehen, seit geraumen Jahren nicht mehr zum Baumblütenfest gewesen zu sein. Mich schrecken die ungeheuren Menschenmassen und das damit verbundene kommerzielle Interesse vieler Leute etwas. Aber wenn ich dort war, dann lieber im Muckergarten ein gepflegtes Glas Wein trinken. Und ich treffe natürlich gern alte Freunde und Kumpels wieder.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Ich bin Schauspieler und über diesen Beruf seit 27 Jahren aus. In dieser Zeit habe ich allerhand gemacht. Zur Zeit spiele ich am Staatstheater Cottbus und bald auch wieder am Stadttheater Fürth.

Sie – ganz speziell

Wie lange haben Sie in Werder gelebt und wie erinnern Sie sich an die Stadt?
Etwa 23 Jahre, wenn ich Studium und Armeezeit mitrechne. Ich mag und mochte die Stadt immer sehr. Schließlich habe ich viele prägende Jahre dort verbracht. Ich erinnere mich vor allem an meine Schulzeit und Jugend, wenn ich an Werder denke; an meine erste Liebe z. B.. Vieles erlebte ich in Werder zum ersten mal … Auch daran, dass ich mich in der Carl von Ossietzky Schule in meiner Klasse sehr wohl gefühlt habe und ich meiner Deutschlehrerin Frau Schulze viel zu verdanken hatte.

Besuchen Sie Werder hin und wieder?
Meine Mutter lebt in Werder und so komme ich immer wieder in die Stadt. Alle Jahre werde ich auch mal von alten Freunden zu runden Geburtstagen eingeladen.

Sie kommen aus einer Schauspielerfamilie – wann wussten Sie, dass auch Sie nichts anderes machen wollen?
Das wusste ich schon sehr früh. Als ich in die neunte Klasse ging habe ich mich das erste mal an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg beworben. Trotzdem habe ich vorher einen sogenannten anständigen Beruf gelernt – Gas- und Wärmenetzmonteur beim damaligen Energiekombinat Mitte.

Sie haben neben Ihren Engagements auch selbst als Dozent an verschiedenen Schauspielschulen gelehrt. Wie wichtig ist eine gute Ausbildung für Schauspieler? Sie selbst haben an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Babelsberg studiert?
Eine gute Ausbildung und Talent sind sehr wichtig, da der Beruf des Schauspielers nicht geschützt ist und sich praktisch fast jeder, wenn er das will, als Schauspieler bezeichnen darf. Nur mit gutem Handwerk und Talent und einer gehörigen Portion Glück kannst du aus der Masse der Schauspieler herausstechen und in diesem Beruf langfristig überleben.

Sind Sie selbst gern zur Schule gegangen? – Sie haben in Werder ja die Carl-von-Ossietzky-Schule besucht.
Das habe ich z.T. oben schon angedeutet. Ich war gern mit meinen Mitschülern zusammen, aber die Schule als Institution mochte ich eher weniger. Aber es gab eben auch im Lehrerkollegium loyale Menschen, die ihren Beruf und ihre Schüler liebten. Zum Beispiel Frau Schulze, unsere Deutschlehrerin, hat sich von einer Grundschullehrerin zur Oberstufenlehrerin qualifiziert, um weiter unsere Klassenlehrerin bleiben zu können. Das fand ich toll!

Gerade haben Sie an einem ungewöhnlichen Spielort in der St.-Georgen-Kirche in der Wismarer Altstadt in Hofmannsthals Klassiker „Jedermann“ den Schuldknecht und den Glauben gespielt. Zudem gaben Sie den Wagner, Zueignung, Dichter, Frosch und den Hexenmeister im „Faust I“. Ist Theater in einer Kirche eine besondere Erfahrung? Und was war das Besondere an den „Klassikertagen“ Wismar?
So ein Ort wie St. Georgen in Wismar hat eine besondere Magie, die ja auch den Impuls für die Initiative zu den Klassiker Tagen gegeben hat. Der Raum spielt in jeder Inszenierung praktisch mit. Es macht einfach Spaß, sich in so einem Gemäuer aufzuhalten und wenn man das noch mit Arbeit verbinden kann, ist das wunderbar.

Kino, Fernsehen, Theater – wir ahnen die Antwort, aber dennoch – was macht Ihnen am meisten Spaß?
Im Grunde spiele ich lieber Theater. Dort sind oft die Inhalte interessanter. Aber auch die unmittelbare Begegnung mit dem Publikum ist immer sehr spannend. Aber ich mag auch, an den unmöglichsten Orten zu Drehen. Ich nehme gern das Flair dieser Orte auf. Ohne die Dreharbeiten wäre ich wahrscheinlich nie an diese Orte gekommen.

Sie arbeiten am Staatstheater Cottbus – und stehen jetzt wieder in dem vielgelobten Stück „Wintersonnenwende“ auf der Bühne. Was ist das Besondere an Ihrer Rolle des „Rudolph“? Wie aktuell ist dieses Stück?
Dort wird eine familiäre Situation in einem gutbürgerlichen, kunstaffinen Milieu beschrieben. Meine von mir gespielte Figur Rudolph wird durch seine Zugbekanntschaft Gudrun, die ihre Tochter zu Weihnachten besucht, mit in die Familie gebracht. Meine Figur entsteht praktisch im Lauf des Abends und bleibt aber immer etwas im Dunkeln mit seiner Paraguayischen Vergangenheit und seinen verschrobenen faschistoiden Ansichten. Es geht um die Leere unseres satten Daseins, in dem sich alles nur noch um uns selbst dreht und wir nicht mehr in der Lage sind, über den Tellerrand hinauszuschauen. Rudolph hat da eine faszinierende Wirkung, wenn er beispielsweise ausführlich und mit seiner ganzen Existenz eine Oper beschreibt, die er gerne komponiert hätte, wenn er nur komponieren könnte. Es darf an diesem Abend auch viel gelacht werden.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten – welche wären das?

  • Frieden
  • Gesundheit
  • gute Arbeit

Was wir sonst noch wissen wollen …

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Mir fällt grad keine ein …

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
„Tschewengur” von Andrej Platonov.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Ich mag loyale Menschen, die ein großes Herz haben.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie?
Ich mag u.a. Filme von Jim Jarmusch oder Quentin Tarantino. Aber auch russische Filme. Es darf aber gerne auch mal ein gutgemachter Blockbuster sein.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Handwerklich kriege ich einiges zustande. Ich habe gerade einen großen Pavillon aus Eichenstämmen fertig gestellt.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Hund.