Millionen-Investionen der HGW

Überraschung für Jutta Rochlitz. Die Seniorin erhielt einen 100-Euro-Scheck für ihre Blütenpracht. Fotos: wsw

Werder (Havel), OT Glindow, 20. Juli 2018 – “Jeden Abend wird gegossen – das hält fit“, lacht Jutta Rochlitz. Die 75-jährige Seniorin wohnt seit vier Jahren in der Glindower Dr.-Külz-Straße und hat nicht nur ihren Balkon in eine farbenfrohe blühende Oase verwandelt. Auch auf einem breiten Streifen direkt am Haus wachsen Stauden und Sommerblumen um die Wette, am Hauseingang steht eine grüne Bank – auch die hat Frau Rochlitz mitgebracht. Überhaupt scheinen sich die Bewohner hier wohl zu fühlen – es grünt und blüht fast vor jedem Eingang der Mehrgeschosser. Für ihr Engagement erhielt Jutta Rochlitz in dieser Woche einen Scheck über 100 Euro vom Geschäftsführer der Haus- und Grundstücksgesellschaft (HGW) Thomas Lück und dem stellvertretenden HGW-Aufsichtsratsvorsitzenden Hermann Bobka. Die gelernte Gärtnerin mit dem “grünen Daumen“ wird das Geld wohl wieder in Pflanzen investieren … Das können übrigens auch die anderen Mieter machen, wie Lück informierte. Entsprechende Kosten würde die HGW nach Absprache übernehmen.


Auch die HGW selbst hat sich die Wohnumfeldverbesserung auf die Fahnen geschrieben, bei einem Vor-Ort-Termin in dieser Woche waren die Mitarbeiter der Baufirma ReMa fleißig dabei, die Zuwegung zu erneuern. Die Zugänge zu den Häusern werden damit auch barrierefrei – die Bordsteinkanten entsprechend abgesenkt. „Hier leben überwiegend ältere Menschen – das ist eine wichtige Verbesserung“, so Bobka. Zudem wird ein zusätzlicher Stellplatz errichtet – für Hauskrankenpflege oder ähnliches. Zuvor wurden in den vergangenen Jahren bereits die überdachten Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder sowie die eingefriedeten Müllplätze errichtet, wie Lück informierte.

Die drei 1960 erbauten Blöcke mit 66 Wohnungen sind voll vermietet. Teilweise mit Balkon beginnen die Wohnungsgrößen bei 30 Quadratmetern für eine Einraumwohnung, die überwiegende Zahl seien jedoch Zweiraumwohnung um die 60 Quadratmeter. Die Miete beträgt im Durchschnitt 6,31 Euro kalt. 1995 übernahm die HGW die Blöcke und führte eine Grundsanierung durch – Gasheizung, neue Fenster, Bäder wurden neu gefliest, Wärmedämmung, Fassade und Dach.

Aber die inzwischen wieder in die Jahre gekommenen Fassaden sollen ab Ende August 2018 verschönert werden. Begonnen wird in dem Block ohne Balkone. „Die wärmegedämmten Fassaden neigen aufgrund der Bauphysik zur unschönen Algenbildung“, erklärt Thomas Lück. „Da gibt es verschiedene Möglichkeiten der Abhilfe“, so der HGW-Geschäftsführer. Man hätte beschlossen, an einem Block ein neues und preiswerteres Verfahren zu testen, bei dem ein algentötendes Mittel verwendet würde. „Das Antifungizid ist biologisch abbaubar und völlig unbedenklich“, betont Lück. Das Mittel würde aufgespritzt, wirke dann und bei Luftfeuchtigkeit, Regen oder beim Kärchern entstünde die Reinigungswirkung. „Wenn es einen guten Effekt bringt, werden wir bei den anderen Blöcken nachziehen“. Eine Wirkung nach dem Auftrag soll bereits nach wenigen Wochen sichtbar sein. 30.000 Euro investiert die HGW für die Außenanlagen, für die Fassaden je nach Verfahren zwischen 10.000 und 20.000 Euro.

Am 23. Juli beginnen dann in der Klaistower Straße 90 die Arbeiten zur Umgestaltung der Außenanlagen, informiert Lück weiter. Das Haus wurde im vergangenen Jahr modernisiert, jetzt ist der Außenbereich für rund 40.000 Euro dran – den Abschluss der Arbeiten kündigt Lück für Ende August an. Zum Teil wurden in der Klaistower Straße 90 die Bäder umgebaut, zwei neue Wohnungen entstanden im Dachgeschoss neu. „Der Aufsichtsrat der HGW hatte beschlossen, dort die Modernisierungskosten nicht voll umzulegen“, so Lück. Bestandsmieter kamen in den Genuss einer Kappungsgrenze von 6,50 Euro netto/kalt. „Das ist nicht üblich“, betont Lück, es gäbe in Werder bereits Nettokaltmieten von 14 Euro. Solide Mieten seien das Ziel der HGW, betont Bobka.

Die HGW hat einen Ertrag von rund drei Millionen Euro im Jahr, ein Drittel davon gehen für Zins und Tilgung von Altschulden weg. 650 Wohnungen gehören zur HGW in Werder (Havel), 250 werden für Dritte verwaltet. Ein Bereich, den die HGW jedoch nicht mehr ausweiten möchte. „Das ist nicht unsere Kernkompetenz“, erläutert Lück. „Wir konzentrieren uns eher auf die Entwicklung der Infrastrukturmaßnahmen“. Vier Vollzeitkräfte, ein Student der Immobilienwirtschaft in der Ausbildung, eine Teilzeitmitarbeiterin am Empfang sowie ein Hausmeister arbeiten in der HGW.

„Wir können nicht alles machen, was wir möchten, aber wir starten hier in Glindow mit der Wohnumfeldverbesserung, die der Aufsichtsrat der HGW beschlossen hat”. Im Hamburger Ring 1-5 mit 40 Wohnungen und 11-18 mit 98 Wohnungen seien weitere Wohnumfeldverbesserungen geplant. So werden die beiden Blöcke farblich in Erdtönen neu gestaltet, zudem werden die Eingangsbereiche optisch vergrößert, erhalten Dach- und Seitenelemente sowie neuen Briefkasten- und Klingelanlagen. Die Leistungen seien in der Ausschreibung, begonnen werden soll im September. Die Mieter im Hamburger Ring 1-5 sollen zeitnah vor dem Start informiert werden. Der Hamburger Ring 11-18 soll dann im nächsten Jahr folgen.

Im Finkenberg 31-44 (60 Wohnungen) und 5-8 (30 Wohnungen) – das ist der geförderte Wohnungsbau der HGW mit Mieten von 5,48 oder 5,98 nettokalt – sollen ebenfalls die Eingangsbereiche erneuert werden. Zudem solle der Hofbereich Finkenberg 5-8 völlig neu gestaltet werden. „Die Planung dafür soll im September starten“, kündigt Lück an. Insgesamt seien 2018 und 2019 für die Wohnumfeldverbesserungsmaßnahmen der HGW 1,1 Millionen Euro eingeplant. Noch vor dem Winter 2019 sollen alle Maßnahmen abgeschlossen sein.

Die HGW beteiligt sich auch bei der Spielplatzgestaltung auf der Jugendhöhe, wie Bobka informierte. 10.000 Euro würden dafür bereitgestellt. „Wir haben ja in der Bachstraße 7-10 40 Mieter mit ihren Kindern“, begründet Lück das Engagement. Bekanntermaßen plant die Stadt die Errichtung eines generationsübergreifenden Spielplatzes auf der Jugendhöhe.

In der Schubertstraße 26, wo vor einigen Jahren der Kindergarten abgerissen werden musste, ist der Neubau von rund 46 Wohnungen geplant, wie Lück weiter informiert. Noch in diesem Jahr soll der Bauantrag eingereicht werden. Diese Wohnungen sollen Aufzüge haben und barrierefrei errichtet werden. Überwiegend sollen es Zwei- bis Dreiraumwohnungen sein, die seien in Werder am meisten gefragt. Die Miete soll sich zwischen 6,50 und 10 Euro nettokalt bewegen, so die Pläne. Die Investitionssumme beziffert Lück mit rund sechs Millionen Euro.

Zudem will die HGW wie berichtet in der Poststraße eine weitere Kindertagesstätte für 100 Kinder in der bewährten modularen Bauweise wie in der Kita in der Adolf-Damaschke-Straße errichten, die Baugenehmigung wird erwartet. „Neben der Wohnumfeldverbesserung ist das unsere Hauptzielrichtung“, sagt Lück. Eröffnet werden soll in nächsten Jahr. Allerdings ergaben sich in der Planung kleine Hürden, so hätte unter anderem ein Artenschutzgutachten beantragt und ein Waldumwandlungsantrag gestellt werden müssen, weil auf dem Gelände des alten Sportplatzes im Laufe der Jahre Bäume gewachsen waren. Eine weitere HGW-Kita sollte auf dem Finkenberg gebaut werden, allerdings seien weitere verschiedene Standorte noch in der Prüfung. (wsw)