Ministerin besucht Werderaner Gemeinschaftsunterkunft

Netzwerkes Neue Nachbarn Werder (Havel) konnte bei der Feier auch Probleme und Sorgen ansprechen

Brandenburgs Sozialministerin Susanna Karawanskij (Bildmitte) und die Integrationsbeauftragte des Landes, Dr. Doris Lemmermeier (li.) sowie Bernd Schade, Chef des Jobcenters Maia, seit 1. November 2018 zusätzlich Fachbereichsleiter für Soziales, Jugend, Schule und Gesundheit im Landkreis Potsdam-Mittelmark, verteilen kleine Geschenke bei der Weihnachtsfeier in der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete auf Werders Jugendhöhe. Foto: wsw

Werder (Havel), 17. Dezember 2018 – Waffelduft, Weihnachtslieder aus der Musikanlage, buntes Stimmengewirr – Adventsfeier in der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Werder (Havel). Viele Kinder toben fröhlich durch die Flure oder sitzen an den weihnachtlich gedeckten Tischen, mit ihren Geschwistern, Freunden oder Müttern und Vätern zeichnen sie, basteln, unterhalten sich.

Bernd Schade, Chef des Jobcenters Maia, seit 1. November 2018 zusätzlich Fachbereichsleiter für Soziales, Jugend, Schule und Gesundheit im Landkreis Potsdam-Mittelmark, kündigt inmitten des Trubels hohen Besuch an.

Brandenburgs Sozialministerin Susanna Karawanskij und die Integrationsbeauftragte des Landes, Dr. Doris Lemmermeier, kamen in die Gemeinschaftsunterkunft, um den Kindern kleine Geschenke zu überreichen. Der Terminplan ist sicher eng gestrickt, aber die Ministerin nahm sich Zeit, sprach mit den Familien, hielt schnell ebenso kleine selbst gebastelte Geschenke in den Händen, kostet von den frischen Waffeln. Berührungsängste gibt es auf beiden Seiten nicht. Die Leipzigerin Susanna Karawanskij führt nach dem Rücktritt ihrer Linke-Kollegin Diana Golze das Sozialministerium seit Mitte September als Ministerin.

Brandenburgs Sozialministerin Susanna Karawanskij inmitten der Feier. Foto: wsw

Sie ist auch gekommen, um mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern über ihre Integrationsarbeit zu sprechen. Denn die sei so wichtig. Karawanskij: “Ich danke allen haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für ihren Einsatz für geflüchtete Menschen. Die Vorweihnachtszeit ist etwas ganz Besonderes. Und sie bietet Gelegenheiten zum gegenseitigen Kennerlernen, zum Beispiel bei Adventsfeiern. Geflüchtete sollen sich hier zu Hause fühlen und Freunde finden. Gemeinsame Feste und Aktionen bieten dafür gute Gelegenheiten. Das ist gelebte Integration.“ Und auch die Integrationsbeauftragte Dr. Doris Lemmermeier lobt die Initiativen: “Ich freue mich sehr, dass so viele Ehrenamtliche unser Weihnachtsprogramm für Begegnungen mit Geflüchteten nutzen. Das ist für uns Motivation, das Programm fortzusetzen.”

Mit dem Förderprogramm “Weihnachten mit geflüchteten Menschen“ unterstützt die Landesintegrationsbeauftragte seit dem Jahr 2016 ehrenamtliche Willkommensinitiativen, Vereine, Religionsgemeinschaften oder Träger bei der Durchführung von weihnachtlichen Aktivitäten mit Geflüchteten. Im Jahr 2018 wurden – wie das Ministerium informiert – bisher 27 Projekte, darunter Bastel- und Geschenkwerkstätten für Kinder und Adventsfeiern, mit insgesamt 12.300 Euro gefördert.

Die Flüchtlinge, die hier in Werder ein vom Internationalen Bund geführtes Übergangs-Zuhause bekommen haben, stammen aus Afghanistan, Syrien oder Tschetschenien. Die Feier wird zur Party, als die Musik von den Weihnachtsliedern zur Diskomusik übergeht – international bekannt, wird auch in Werder gern und gekonnt zum Los del Río-Hit „Macarena“ oder zum “Gangnam Style” von Psy, später auch zu Musik aus den Heimatländern der Bewohner ausgelassen getanzt. Allein 80 Kinder aus den insgesamt 34 Familien bevölkern das ehemalige Lehrlingswohnheim, das der Landkreis für zunächst fünf Jahre gemietet hat. Es gibt noch Kapazitäten, aber angekündigt wurde ja, dass auch Werderaner Interessenten hier einziehen könnten. Das wäre dann ein schöner Schritt weiter auf der Integrationsleiter, die Bewohner würden es begrüßen.

Aber sie haben auch ein paar Probleme, die über einige Abgeordnete des Netzwerkes Neue Nachbarn angesprochen wurden und sowohl bei Bernd Schade als auch bei der Ministerin und der Integrationsbeauftragten auf offene Ohren stieß. Die seit Jahren engagiert hilfreich agierenden Mitglieder des Netzwerkes hatten schon am Wochenende im Heim mit den Bewohnern Plätzchen gebacken, im November gab es einen Malnachmittag. Ungezählte Stunden werden – ohne es an die große Glocke zu hängen – aufgewendet, um den Geflüchteten ein An- und Weiterkommen im neuen Heimatland leichter zu machen.

Wie wichtig die Integrationsarbeit hier in dem Heim in der Schubertstraße ist und das weitere Unterstützung aus dem Landkreis erforderlich ist, wurde in dem Gespräch dann auch dargestellt.
So sei die Betreuung der Kinder ohne Kitaplatz momentan noch nicht ausreichend gesichert. „Gerade die Kinder, die in den kommenden Jahren eingeschult werden, brauchen eine professionelle Unterstützung und Betreuung“, so die Feststellung. Das könnten die Ehrenamtlichen aufgrund der eigenen Arbeitstätigkeit einfach nicht absichern. Bernd Schade sagte, dass das Problem bekannt sei – eine Lösung stellte er für Anfang des kommenden Jahres in Aussicht. Auch Deutschkurse müssten angeboten werden, das Spielangebot für die Kinder außerhalb der Wohnungen sei nicht ausreichend.

Das Heim sei aufgrund seiner modernen Einrichtung ein Vorzeigeobjekt, so Schade. Das es keine Ausstattung der einzelnen Wohnungen mit Küchenzeilen geben würde, sei eigentlich bekannt, sagte Schade. Denn für diese Heime gebe es entsprechende Vorgaben, Küchen in den Wohnungen gehörten nicht zur Ausstattung. Im Heim in der Schubertstraße gibt es lediglich eine Gemeinschaftsküche im Erdgeschoss – die Großfamilie mit vier, fünf Kindern aus der dritten Etage beispielsweise muss mit Essen und Abwasch die Treppen mehrfach bewältigen. Der Wunsch nach Küchen ist also groß. Ministerin Karawanskij regte an, zu prüfen, ob als Kompromiss wenigstens auf jeder Etage eine Küche eingerichtet werden könne.

Dass der Landkreis die ehrenamtliche Initiative, die mit großem Engagement und einem ebenso großen Zeitaufwand, mit Herz und Hilfestellung mit und für Geflüchtete tätig ist, im kommenden Jahr finanziell unterstützen wird, fand Beifall bei den Netzwerkern. Ebenso die Ankündigung Bernd Schades, eine aktive Kommunikation zwischen Landkreis und der Bürgermeisterin von Werder gestalten zu wollen. Der Umgang mit den Problemen, die es im Vorfeld des Bezuges der Gemeinschaftsunterkunft gab, solle sich nicht wiederholen, so Schade. (wsw)

Renate Vehlow, die Ortsvorsitzende der Linken und Wahlkreismitarbeiterin vom Landtagsabgeordneten Dr. Andreas Bernig, verteilte 25 Paare gestrickte Socken und zwei Pullover, die mit großer Freude angenommen wurden. Foto: wsw
Musik ist eine universale Sprache - Tanz bei der Adventsfeier. Foto: wsw