Mit dem Rad durch Glindow

Wir entdecken die schönsten Orte entlang des Ufers

Werder (Havel) OT Glindow, OT Petzow, 23. Juli 2020 – Endlich Ferienzeit. Unser Ziel: eine Radtour entlang des Glindower Sees bis zur Grellebucht nach Petzow. Das Wetter ist uns hold und wir starten die Tour von Werder (Havel) kommend im Kiez von Glindow am Heimatmuseum. Dazu folgen wir der Dorfstraße und biegen an der Kirche links ab und halten uns links. Zum Kiez gelangen wir über Kopfsteinpflaster gespickte Gassen. Leider bleibt uns das über 200 Jahre alte Koch’sche Haus mit seiner „schwarzen Küche“ diesmal verschlossen. Es öffnet seine Pforten an Wochenenden der Saison. Wir bewundern jedoch den schönen Garten und folgen dem Ruf des Jahnufers. 


Wo Jan sich ans Ufer legt

Das „Kleine See Restaurant“ auf dem Gelände des örtlichen Anglervereins lädt weit hergereiste Radler zur ersten Pause mit traditionellen Gerichten mit Pfiff und offenem Seeblick ein. Am Jahnufer finden wir Bänke und machen einen ersten Stop für geschundene Waden und ein erfrischendes Fußbad im See, Badefreudige gedulden sich bis zum Strandbad Glindow. Auf der einladenden Wiese tanken wir Sonne, unser Blick wandert über die Promenade, ein Schild verrät – Achtung Naturschutzgebiet. 

Wir steigen wieder auf die Räder und folgen nun circa zwei Kilometer dem Uferweg. Auf schottriger Piste entlang kleiner Schrebergärten passieren wir das Strandbad Glindow. Sollte das Tagesziel für Familien hier erreicht sein, heißt es: Badehosen raus und genießen. Stärkung findet man hier im angrenzenden Restaurant Am Jahnufer. Die Sonne brennt. Wir genehmigen uns ein kühles Radler und kommen mit Gästen des anliegenden Campingplatzes ins Plauschen. „Schön ist es hier, noch naturbelassen“, so die einhellige Meinung. Sie kommen seit vielen Jahren mit dem Camper und hoffen, dass das Idyll Glindower See so bestehen bleibt. Mit Sorge beobachten sie den Rückgang des Schilfes. Der Gürtel ragte weit in den See und bot Vögeln Platz zur Brut und dem Hecht ein gutes Revier zum Jagen. Ob der See fischreich ist, wollen wir wissen, aber ein Achselzucken deutet an, wir hätten die heimischen Angler fragen müssen. 

Der Ton wird rauer

Wir satteln erneut auf und begeben uns Richtung Glindower Ziegeleimanufaktur. Aus der Ferne begrüßen uns der charismatische Turm des Ziegeleimuseums und der Schornstein des Ringofens. Beide Wahrzeichen des Glindower Sees gestalten hier die Silhouette im Einklang mit der Uferpromenade. Auch hier finden sich wieder Bänke zur Rast und eine Infotafel für interessierte und Erholung suchende Gäste. Im Eingangsbereich der Ziegeleimanufaktur thront unübersehbar ein drittes Gebilde in Form eines gewaltigen Schiffes mit Pfählen versehen, förmlich festgesetzt im märkischen Sand. Es handelt sich hier um die Installation „Traumschiff“ des in der Ziegelei niedergelassen Künstlers Chris Hinze. 

Vor den Toren treffen wir einen Mann mit Beagle an der Leine und fragen nach dem Schiff, es stellt sich heraus, dass es der kunstschaffende Hinze persönlich ist. Wir kommen ins Gespräch und können ihn für ein Interview über sein Werk, das Leben mit der Kunst und Glindow für unser Magazin gewinnen.

Auch über die Ziegelei weiß er zu berichten – wir sind interessiert und erfahren, dass heute für den Denkmalschutz, die moderne Architektur, den Garten- und Landschaftsbau und die Kunst produziert wird. Das Gelände selbst betreten wir nicht, informieren uns aber auf der Seite der Manufaktur.

Im Jahre 1462 begannen der Tonabbau und das Brennen der Ziegel. Ein regelrechter Bau-Boom im späten 19. Jahrhundert ließ den Glindower Ziegel zu einem Exportschlager werden. Das Ortsbild war geprägt von den rauchenden Schornsteinen der 50 Brennöfen von 18 Ziegeleien. Zu Spitzenzeiten wurden täglich 600.000 Steine von 500 Ziegelarbeitern produziert.

Neben dem Werksgelände findet sich der im Jahre 1890 erbaute Aufseherturm. Dieser stand vermutlich als Referenzobjekt für die Produktionsvielfalt der Manufaktur und beherbergt seit 1991 das Museum der Ziegeleigeschichte. Das Märkische Ziegeleimuseum ist zur Zeit an zwei Tagen in der Woche jeweils Samstag und Sonntag von 10 bis 16 Uhr für Besucher geöffnet.

Berg und Talfahrt 

Wir lassen die Ziegelei und die Glindower Alpen, die besser per Pedes als Pedal erkundet werden wollen, hinter uns. Wer dennoch einen Ausflug in die von Menschenhand gemachte hügelige Landschaft wagen möchte, findet einen Zugang über den Parkplatz des Museums. Um 1900 hatte die Tonförderung am Rande der „Glindower Platte“ ihren Zenit erreicht. Geblieben sind die sogenannten Erdeberge und Lehmgruben, welche die Glindower Alpen abbilden. Eine fast urzeitlich wirkende Landschaft mit wilden Beerensträuchern sowie kleineren und größeren Wasserlöchern, auch Pfuhle genannt. Ein einzigartiges Biotop für viele Arten.

Auf dem weiteren Weg entlang der Uferlinie wird es nun deutlich schattiger und wir müssen kräftiger in die Pedale treten, es geht bergauf und -ab. Hier und da öffnet sich eine kleine Flucht, und als wir eine Pose im Wasser entdecken, erhalten wir doch noch unsere Info zum Fischbestand. 

Rotfeder, Plötze, Barsch, Zander, Rapfen und Blei, aber auch Aal und Hecht haben schon gebissen. Ein Kollege hatte vor Jahren einen Giganten am Haken – aber Welse sind doch eher die Ausnahme im Netz der Angler. Wir verstehen: Fast alles außer Fischstäbchen gibt es im See, natürlich nur mit Angelkarte. Auch die Frage nach dem kleinen Eiland am Ende des Sees kann er noch beantworten. Die Einheimischen nennen sie Schwanen- oder Liebesinsel, anlegen darf man aber nicht, um die Paare nicht zu stören.

Schwaneninsel oder auch Liebesinsel

Grelle Aussichten

Einige Kurven später flankieren Bungalows unseren Weg und unbemerkt sind wir in der Grellebucht zu Glindow und Petzow angekommen. Als Teil des Glindower Sees bildet Sie den Abschluss unserer Tour. 

Willkommen geheißen werden wir durch den Forellenhof Petzow. Der Geruch von Geräuchertem liegt in der Luft. Die Fische stammen aus dem Haussee und werden täglich frisch zubereitet, so der Betreiber des Hofes. Wir passieren den Verkaufsstand und staunen nicht schlecht über die kleine Oase mit Liegestühlen und Restaurant im Inneren der Umzäunung. Egal, ob Hochzeitsgesellschaft oder Radlerfreunde, alle erwartet ein Gaumenschmaus mit romantischem Blick auf die Bucht. Wir nehmen eine Brotzeit und fallen in unsere Liegen. Die Räder bleiben draußen – das sollte klar sein.

In der direkten Nachbarschaft findet sich der Ferienpark Porta Elisa mit Ferienhäusern direkt am Yachthafen. Die maritime Anlage bettet sich angenehm in die Bucht ein und lädt Gäste ganzjährig in die Grelle. Neben dem Ferienpark Porta Helena am Glindowsee die erste Adresse für Freunde des Campings mit Niveau. 

Frisch gestärkt fällt unser Blick auf den markanten Turm der Dorfkirche Petzow. 1841 und 1842 erbaut nach Entwürfen von Karl-Friedrich Schinkel, öffnet die „Schinkelkirche“ ihr Gemäuer regelmäßig der Kunst mit Ausstellungen heimischer Künstler.

Keine Angst vor Höhen ist das Motto beim Erklimmen des Turmes und wird belohnt mit Blick über den Glindower See bis vor die Tore Berlins. Den Eintritt zahlen wir gern, Einlass nach Aufforderung und mit Abstand. Auch hier zollt Corona seinen Tribut. An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir unsere Tour unbedarft gestartet haben. Wir empfehlen einen Check der Webseiten genannter Stationen, zur Prüfung der aktuellen Öffnungszeiten. 

Da einer unserer Begleiter ein großer Fan der orangen Powerbeere ist, möchten, nein müssen wir die Tour mit einem Besuch im Sanddorn-Garten Petzow beenden. Natur- und Sanddorn-Begeisterte finden hier einen drei Hektar großen Garten, mit Sanddorngarten, Kräutern und Wildfrüchten. Auch ein Imbiss, ein Hofladen mit vielen regionalen Erzeugnissen, ein Spezialitätenmarkt und ein Bistro & Café mit Seeblick-Terrasse laden zum Entdecken ein.

Wo Reiher sich an Reiher reiht

Als wir nach einer Tasse Kaffee die Stufen zum Seezugang des Sanddorngartens betreten, staunen wir nicht schlecht: Nicht ein, nicht zwei, sondern gleich zwölf Fischreiher zählen wir an diesem Tag zu unserer linken und rechten. Ein auf und ab auf der anderen Seite. Unser Fazit: Wo sich Tier und Mensch in Einigkeit und Harmonie zu Hause fühlen, sich gegenseitig achten, da kehrt man gern ein, beobachtet, genießt und erlebt die Natur und die Schönheit am Glindower See.

Die Tour wurde mit zwei Familien mit Kindern, jüngster Fahrer fünf Jahre, mit Pausen und ohne Tränen in einer Zeit von zweieinhalb Stunden gemeistert. Reine Fahrzeit ca. 25 min und für Lauffreudige ca. eine Stunde.