Mit großen Sprüngen nach Tokio

Der Werderaner Felix Wenzel ist Deutscher Meister im Dreisprung und trainiert für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio

Felix Wenzel, Fotos: privat

Werder (Havel), 17. August 2018 – Wussten Sie, dass mitten in unserer Stadt der Deutsche Meister im Dreisprung zu Hause ist? Der 23-jährige Felix Wenzel gewann am 22. Juli 2018 Gold bei der Deutschen Meisterschaft in Nürnberg.
Doch zu Beginn seiner Leichtathletiklaufbahn strebte der sympathische Sportler vom SC Potsdam eher in die Höhe als in die Weite. In der siebten Klasse kam Felix auf die Sportschule und durch sein turnerisches Talent zum Stabhochsprung. Nach der 10. Klasse und einer persönlichen Bestleistung von vier Metern musste er sich allerdings vom Leistungsbetrieb verabschieden.

Der Spaß sollte von da an im Vordergrund stehen und Felix fand in Andreas Kühnel einen Trainer, der ihm bei diesem Vorhaben fortan unterstützen sollte. Doch zum Glück erkannte Andreas Kühnel das Sprung-Talent seines Schützlings und trainierte mit Felix vorerst für den Weitsprung. „Da aber der Dreisprung an sich eine unfassbar gute Übung ist, um das Sprunggefühl, das Timing und die Kraft zu entwickeln, bauten wir quasi eine andere Disziplin in unser Training mit ein“, beschreibt Felix seinen Weg zum Dreisprung. Das Training verlief so gut, dass er vor mittlerweile fünfeinhalb Jahren seinen ersten Dreisprung- Wettkampf absolvierte und auf Anhieb die Norm für die ersten deutschen Meisterschaften erreichen konnte. 2014 wurde Felix bereits Deutscher Jugendmeister in Wesel und es folgten Gold und Bronze bei den Deutschen U23-Meisterschaften sowie Silber bei der Deutschen Meisterschaft 2017. Die Krönung seiner sportlichen Karriere erreichte Felix dann in diesem Jahr mit Edelmetall. Seine persönliche Bestleistung sind 16,20 m. Für die Europameisterschaft hat es in diesem Jahr leider nicht gereicht, doch Felix hat die Wettkämpfe trotzdem mit Begeisterung verfolgt: „Es ist schön, seine Sportlerkollegen kämpfen und dann hoffentlich auch gewinnen zu sehen. Und es gibt mir umso mehr Motivation, beim nächsten Mal selbst dabei zu sein.“

Neben dem Sport studiert Felix seit 2014 Bauingenieurwesen (Diplom) an der FH Potsdam und arbeitet zweimal die Woche in Babelsberg in einem Altersheim als Brandschutzwache. „Dies wird als Bereitschaftsdienst entlohnt, da es die Möglichkeit gibt, dort zu schlafen, welche ich nach einem langen Tag mit Studium und Training dankend annehme“, so der 23- Jährige.

Vor 18 Jahren ist Felix mit seinem Bruder und seinen Eltern von Potsdam nach Werder gezogen. Hier findet er u.a. am Wasser auf der Insel Entspannung. „Oft bin ich an trainingsfreien Tagen stundenlang mit meinem Fahrrad durch Werder gefahren. Ich kenne keine besseren Orte als die Friedrichshöhe und die Bismarckhöhe – von hier hat man einen fantastischen Blick über die Stadt.“ Rückhalt und Zuspruch findet der Dreispringer bei seiner Familie und seinem Freundeskreis, der zum größten Teil aus ehemaligen sehr erfolgreichen Sportlern besteht.

Doch Felix wünscht sich auch mehr Unterstützung vom Landesverband und dem Deutschen Leichtathletik Verband (DLV): „Mich zwingt keiner, das zu machen, was ich leidenschaftlich ausübe, und dass ich mit der Leichtathletik nicht reich werde, ist mir stets bewusst. Doch als der beste seiner Disziplin in ganz Deutschland würde es niemanden interessieren, ob ich morgen aufhöre oder weitermache. Ohne die Unterstützung meiner Eltern und meines Trainers, welcher ehrenamtlich arbeitet, könnte ich den Sport nicht ausüben.“

Fragt man Felix nach seinem Wunsch für die Zukunft, antwortet der junge Werderaner: „Ich hoffe, dass meine Eltern in zehn Jahren immer noch in Werder wohnen und ich nie die Bindung zu meiner Heimatstadt verliere. Ich denke dann wird der Leistungssport auch hinter mir liegen. Ich will bis dahin berufstätig sein, mich selbstständig machen und eine kleine Firma in Richtung Bauerhaltung leiten. Da wird es hoffentlich das eine oder andere Projekt in Werder geben. Doch vorher ist mein großes Ziel, 2020 nach Tokio zu Olympia zu fahren. Dafür werde ich alles geben. Danach muss ich meine Karten erstmal neu mischen.“ Wir wünschen Felix für seine sportliche und private Zukunft alles erdenklich Gute und von Herzen viel Erfolg. (wsw)

Fotos: privat