Mit Sicherheit aus der Pandemie

Wir haben mit regiobus-Geschäftsführer Hans-Jürgen Hennig über die Folgen der Corona-Pandemie auf das Unternehmen und die freien Ausbildungsplätze für das kommende Ausbildungsjahr gesprochen

regiobus-Geschäftsführer Hans-Jürgen Hennig, Foto: regiobusPM

Potsdam-MittelmarkDie Corona-Pandemie hat innerhalb kürzester Zeit das gesellschaftliche Leben lahm gelegt, lediglich bei den Öffentlichen Verkehrsmitteln kamen Menschen noch auf engstem Raum zusammen. Hat sich die Fahrgastzahl innerhalb der letzten anderthalb Jahre verändert? Sind viele Pendler wegen Home Office o.ä. ausgeblieben?

Wir waren vor dem Beginn der Pandemie im vergangenen Frühjahr in der glücklichen Position, dass wir überdurchschnittliche Entwicklungen im Bereich der Fahrgastzahlen verzeichnen konnten. Wir hatten viele Maßnahmen in den Vorjahren auf den Weg gebracht, die die Attraktivität von regiobus als ÖPNV des Landkreises Potsdam-Mittelmark gesteigert haben.

Und dann kam Corona und wir sind sprichwörtlich mit 200 Sachen gegen die Wand gefahren. Innerhalb weniger Tage sind die Fahrgastzahlen zusammengebrochen. Es wird wahrscheinlich nicht überraschen, dass es Unterschiede zwischen den ländlichen und den städtischen Regionen gab. Die stadtnahen Gebiete verzeichneten im April 2020 eine Auslastung der Busse von gerade einmal 5 Prozent. Im ländlichen Raum waren es zumindest noch 15-20 Prozent. Kurzum: Es war dramatisch.

Bei vielen Fahrten – abgesehen von den Stoßzeiten früh morgens –, wurde nur ein bis gar kein Fahrgast transportiert. Im Großen und Ganzen haben uns im vergangenen Jahr Millionen Fahrgäste und natürlich auch entsprechende Einnahmen in Millionenhöhe gefehlt. Zum Glück sind die finanziellen Einbußen durch den ÖPNV-Rettungsschirm ersetzt worden.

Doch trotz allem hat sich der Landkreis schon früh entschlossen, das Angebot des ÖPNV auch in dieser Krisenzeit als sichere Konstante aufrechtzuerhalten. Auch wenn unsere Busse leerer waren, sind sie doch wie gewohnt gefahren. Dies ist auf viel positive Resonanz bei den Fahrgästen gestoßen. Hier möchte ich besonders Werder (Havel) hervorheben. Wir waren überrascht, wie viel positives Feedback und Dankbarkeit wir von den Fahrgästen der Blütenstadt erhalten haben.

Eine Studie der Charité hat ergeben, dass es keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen einem SARS-CoV-2-Infektionsrisiko und der Nutzung des ÖPNV gibt. Können Sie sagen, woran das liegt? Und welche Maßnahmen hat regiobus unternommen, um das Busfahren für die Fahrer und Fahrgäste möglichst coronasicher zu machen?

Wir hatten auch vor der Pandemie keine 100 %ige Auslastung der Platzkapazitäten, außer zu den Stoßzeiten im Berufs- und Ausbildungsverkehr. Die Auslastung der Fahrzeuge lag bei 40 Prozent. Während der Pandemie nutzten nur noch etwa 5 Prozent den Bus als Verkehrsmittel. Die Gefahr einer Ansteckung war also äußert gering. Dennoch investierten wir insgesamt 700.000 Euro in Corona-Maßnahmen.

Zunächst haben wir in unseren Lüftungsanlagen, die innerhalb kurzer Zeit die Luft nachweislich verbessern, spezielle Filter eingebaut. Zusätzlich wurden Pflichthalte eingeführt, um einen regelmäßigen Luftaustausch zu gewährleisten. Auch wenn an Haltestellen niemand ein- oder aussteigen wollte, waren unsere Fahrer dazu angehalten, alle Türen zu öffnen. Mit relativ vertretbarem Aufwand haben wir so gute Werte hinbekommen.

In der ersten schwierigen Phase, war unsere erste Maßnahme, dass wir die erste Tür geschlossen und somit den Kontakt zwischen Fahrer und Fahrgast reduziert haben. Zum Teil wurde von unserer Seite in dieser Zeit das Fahren ohne Fahrschein geduldet.

Wir waren einer der ersten Betriebe in Deutschland, die Schutzscheiben für ihre Fahrer installierten, und wir waren unter den ersten drei Betrieben Deutschlands, die zusätzlich Beschichtungen im Innenraum auf Kontaktflächen wie Haltestangen und Halteknöpfe anbrachten.

Des Weiteren haben wir in die Ausstattung unserer Büros investiert, mobiles Arbeiten von Zuhause aus ermöglicht und unsere Mitarbeiter mit Masken und Desinfektionsmitteln ausgestattet.

Von 440 Mitarbeitern sind in den zurückliegenden 15 Monaten nur vier an Corona erkrankt. Alle vier Mitarbeiter haben sich nachweislich nicht auf Arbeit angesteckt.

Hat sich die Pandemie auf Ihre Mitarbeiter- oder Flottenstärke ausgewirkt?

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark hat sich bereits zu Beginn der Pandemie festgelegt, dass der ÖPNV als wichtige Infrastruktur erhalten bleibt und die Busse wie zuvor weiter fahren. Wir mussten während der Pandemiezeit keine Mitarbeiter entlassen oder in Kurzarbeit schicken und auch keine Fahrzeuge verkaufen. Wir sind mit der kompletten Besatzung durch die Corona-Pandemie gekommen. Dies gab vor allem unseren Mitarbeitern die nötige Sicherheit in dieser schwierigen Zeit.

Vor gut einem Jahr hat regiobus angefangen, Aktivsauerstoff als langanhaltenden Schutz in den Bussen zu verwenden. Können Sie uns darüber etwas erzählen? 

Nach einer gründlichen Reinigung haben wir auf allen Kontaktflächen ein bestimmtes Mittel aufgebracht, man könnte es mit einem Lack vergleichen, wobei es natürlich kein richtiger Lack ist. Das Wirkprinzip ist folgendes: Unter Einwirkung von Licht, wenn der Bus also tagsüber unterwegs ist, findet ein Zersetzungsprozess statt, der Aktivsauerstoff freisetzt. Dieser Aktivsauerstoff beseitigt mögliche an den Flächen haftende Viren und Bakterien. Nachweislich erwiesen ist, dass er auch Covid-19-Erreger bekämpft. 

Seit einiger Zeit unterstützt uns das Magdeburger Fraunhofer Institut dabei, die Wirksamkeit dieses Mittels zu belegen. Wir möchten die Ergebnisse abwarten und dann entscheiden, ob wir die Prozedur in Hinblick auf die nahende Herbst-/Winterzeit wiederholen.

Regiobus wurde im vergangenen Jahr zum Top-Ausbildungsbetrieb gekürt. Gibt es für das Ausbildungsjahr 2021/2022 noch freie Stellen und wenn ja, was erwartet die Bewerber*innen bei einer regiobus-Ausbildung?

Wir haben schon einige Bewerbungen für das neue Ausbildungsjahr, freuen uns aber lebhaft über weitere Interessenten. Wir suchen zum Beispiel für unsere Werkstatt in Potsdam Babelsberg noch Kfz-Azubis. Die Werkstatt wird perspektivisch nach Werder in die Havelauen verlegt. Azubis aus Werder könnten demzufolge vielleicht schon das letzte Ausbildungsjahr an dem neuen Standort in der Blütenstadt absolvieren. Auch Azubis als Berufskraftfahrer suchen wir noch für unseren Betriebshof in Werder.

Wir haben uns nach der Auszeichnung im letzen Jahr auf den Lorbeeren nicht ausgeruht und sind weiterhin bestrebt, aus unseren Auszubildenden gute Mitarbeiter zu rekrutieren. Dieses Erfolgsmodell hat sich in den letzten Jahren bewährt und unsere Azubis bleiben auch nach ihrer Ausbildung sehr gerne bei regiobus. (wsw)