Muckersche schenkt ihre Sammlung der Stadt Werder (Havel)

Heidemarie Garbe mit historischer Mehlbox, Foto: hkx

Werder (Havel), 20. August 2020 – In den zwölf Jahren ihres Bestehens haben mehr als 25.000 Gäste das Inventar der gemütlichen Muckerstube in Werder (Havel) bewundert. Sie haben das schöne alte Inventar bestaunt, sich von Heidemarie Garbe, der „Muckerschen“, mit Gerichten aus Omas Küche verwöhnen lassen und dazu ihren Geschichten aus dem alten Werder gelauscht. Zum Ende des vergangenen Jahres wurde das kleine private Heimatmuseum, bestehend aus einer Werderaner „Juten Stube“ und einer voll funktionstüchtigen Wohnküche im Stil des beginnenden 20. Jahrhunderts, leider endgültig geschlossen.

Mit 69 Jahren geht Heidemarie Garbe in den wohlverdienten Ruhestand, als Stadtführerin und Vortragskünstlerin in historischer Kleidung wird das Werdersche Original weiter zu erleben sein. Auch die Ausstattung der Muckerstube sowie des reich gefüllten Dachbodens wird nicht verloren gehen: Vom Vertiko bis zu Omas Beinkleidern, von den Sammeltassen bis zur Fischsülze-Form – Heidemarie Garbe schenkt die historischen Stücke, das Geschirr, die Möbel, Accessoires und Requisiten der Stadt Werder (Havel).

Der Schenkungsvertrag trägt das Datum 14. August 2020, demnächst sollen die Sachen abgeholt, inventarisiert und bei der Stadt zunächst eingelagert werden. Doch woher kommen all die schönen alten Dinge? Das Haus in der Brandenburger Straße 164, in dem sich die Muckerstube befand, hatten schon ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern bewohnt, erzählt Heidemarie Garbe. „Bei den alten Werderschen galt, dass nichts weggeworfen wird, was man nicht vielleicht noch gebrauchen kann.“

Als sie sich im Jahr 2007 mit ihrer lebendigen Heimatstube selbstständig machte, zeigte sich, wie viel Wahrheit darin steckt: Die Boden- und Schuppenfunde wurden Ausstattungsgegenstände und Aufhänger für Anekdoten. Und davon hat die Muckersche schon familienbedingt einige auf Lager. Viele der Antiquitäten hat sie schließlich selbst noch in Gebrauch im elterlichen Haus erlebt.

Ihre Urgroßeltern waren im Obstbau verwurzelt, ihre Großeltern in der Obstverarbeitung (Presserei und Kelterei), ihre Eltern betrieben den Obst- und Gemüsehandel Tobner in Glindow. Heidemarie Garbe selbst arbeitete nach einem Gartenbaustudium in der Obstproduktion und Obstvermarktung. Nebenbei interessierte sie sich für die Stadtgeschichte, führte bald Gäste durch Werders Altstadt. Die Leidenschaft machte sie mit 56 Jahren zum Haupterwerb.

Jetzt will sie etwas kürzer treten und freut sich, dass die Sachen, die ihre Vorfahren nicht wegwerfen konnten oder die in den vergangenen Jahren zusätzlich auch Gäste der Muckerschen vorbeibrachten, in gute Hände kommen: ob das Rasierzeug von ca. 1897, das Kaisers-Kaffee-Service, das ihre Großtante 1910 zur Hochzeit einbrachte, die Sammlung leerer Flaschen aus den historischen Werderschen Brauereien und Saftfabriken oder mit Patina überzogene Gartengeräte wie die besonders leichte Werdersche Harke.
Was wird damit passieren? Darauf antwortet Werders 1. Beigeordneter Christian Große: „Nach der durch den Umzug der Tourist-Information bedingten Schließung des Obstbaumuseums soll am neuen Standort der Tourist-Information auf dem Lindowschen Hof in den kommenden Jahren ein neues Stadtmuseum entstehen.“ Dazu solle die an der Straße stehende hinfällige Obstzüchterhütte restauriert und mit einem Ergänzungsbau versehen werden.

„Noch befinden sich die Planungen in den Anfängen“, so Christian Große. „Aber die umfangreiche Sammlung von Heidemarie Garbe eröffnet uns für die Konzeptionierung natürlich ganz neue Möglichkeiten für die Darstellung verschiedener Lebensbereiche in Werders Geschichte.“ Der 1. Beigeordnete dankt Heidemarie Garbe für ihre Arbeit und für die großzügige Schenkung an die Stadt. Die „Muckersche Sammlung“ werde auch nachfolgenden Generationen noch besondere Einblicke in die Werdersche Vergangenheit ermöglichen. (wh)