„Nazis wollen dich aus der Balance bringen.“

Mo Asumang präsentierte ihren Film "Die Arier" in der CvO

Uwe Mütz, Gerlinde Kuhlmann, Mo Asumang und Ines Lenius begrüßen die Schüler, Fotos: wsw

Werder (Havel), 12. September 2018 – Im Rahmen der „Aktionswoche für ein weltoffenes Werder“ freute sich die Carl von Ossietzky Schule am 6. September über ganz besonderen Besuch: Die deutsche Regisseurin, Fernsehmoderatorin, Schauspielerin, Sängerin, Synchronsprecherin und Filmproduzentin Mo Yaa akoma Asumang stellte ihren Film „Die Arier“ vor. Nach der herzlichen Begrüßung durch die Schulleiterin Ines Lenius, den stellvertretenden Schulleiter Uwe Mütz und Gerlinde Kuhlmann (Lehrerin für Geschichte, Deutsch und Politische Bildung) wendete sich Mo Asumang mit der Frage „Wisst ihr eigentlich, was das Wort Arier bedeutet?“ an die knapp 60 Schüler. Schüchtern meldete sich einer und antwortete: „Irgendwas mit deutsch, oder?“

Rund 50 Schüler der Carl von Ossietzky Schule und etwa zehn Schüler aus der Schule am Plessower See haben an der Veranstaltung teilgenommen, um genau diese Frage beantwortet zu wissen: „Was bedeutet eigentlich das Wort Arier?“ Seitdem Mo Asumang vor einigen Jahren von Neonazis eine Morddrohung erhielt und sich schon oft in ihrem Leben rassistischen Anfeindungen ausgesetzt sah, wollte sie selbst aktiv werden und ihre Angst vor den Neonazis loswerden. Im Fokus der Anfeindungen stand stets der Vorwurf, dass sie nicht arisch genug sei und deshalb „doch wieder nach Hause gehen sollte“. In ihrem Dokumentarfilm „Die Arier“, der 2014 gedreht wurde, begibt sich Mo Asumang auf eine Reise in die Naziwelt. Sie geht auf rechtsradikale Demonstrationen, trifft sich in Amerika mit Anhängern des Ku-Klux-Klans und mit dem Gründer der White Aryan Resistance.

Die geläufige Definition von „Arier“ beschreibt einen blonden, blauäuigen Menschen der germanischen Rasse. Wie weit entfernt diese Definition von der Wirklichkeit ist, konnten die Schüler in dem Film sehen. Die Arier haben ihren Ursprung im Alten Indien und im Alten Iran. Letzteres bedeutet wörtlich sogar „Das Land der Arier“. Auf ihrer Reise hat Mo Asumang den 2500 Jahre alten in Stein gemeißelten Beweis der Arier-Existenz im Iran gefunden: „Was für ein großer Moment für meine kleine Seele.“ Die Deutschen haben mit Ariern also rein gar nichts zu tun. Warum fällt bei Neonazis dennoch immer wieder dieses Wort als Rechtfertigung für Anfeindungen dunkelhäutiger Menschen? „Die Nazis haben ein Feindbild geschaffen, um ihren Hass zu verkaufen. Und dazu zählen einfach alle Menschen, die nicht in ihr Bild des blonden, blauäugigen Menschen passen“, so Mo Asumang.

Nach dem Film herrschte erst einmal schüchternes Schweigen und es dauerte einen Moment, bis sich die ersten Finger fragend nach oben reckten. Ein Schüler fragte zum Beispiel, ob Mo Asumang denn Angst hatte beim Besuch der Nazi-Demos und beim Gespräch mit den Mitgliedern des Ku-Klux-Klans. „Die meiste Angst hatte ich immer vor den Treffen. Ich habe mir ausgemalt, was alles passieren könnte, und da habe ich mich auch gefürchtet. Wenn die entsprechenden Personen dann vor mir standen, hatte ich jedoch keine Angst mehr. Sobald der Mensch vor mir steht, habe ich die Chance, aktiv zu werden und mit ihm zu reden“, antwortete die Regisseurin. Sobald man seinem Gegenüber Fragen stellt, regt man ihn zum Nachdenken an und vielleicht überdenkt er festgesetzte Strukturen in seinem Kopf dann noch einmal neu.
Die Schüler stellten bewundernd fest, wie Mo Asumang in ihrem Dokumentarfilm auch in den schwierigsten Situationen immer ruhig und gelassen blieb. Ob üble Beschimpfungen oder absurde Verschwörungstheorien – die Protagonistin des Films ist nie sauer, laut oder wütend geworden. „Nazis wollen dich aus der Balance bringen“, erklärt Mo Asumang ihre Contenance. „Sie wollen dich provozieren. Statt ruhig zu bleiben, sollst du wütend werden und durch deine Wut ihr böses Verhalten spiegeln. So entsteht eine Wut-Hass-Schleife, aus der es kein Entkommen gibt.“

Schaut man sich heute Nazi-Demonstrationen oder die aktuellen Bilder aus Chemnitz an, können diese Aufnahmen genauso gut auch in den 1930er-Jahren entstanden sein. Haben wir denn gar nichts gelernt aus der Vergangenheit? Doch, haben wir! Wir wissen heute, wohin blinde Wut und Fanatismus führen können und wir wissen auch, dass wir miteinander reden müssen. Immer und immer wieder. „Wenn man das Problem mit Rassismus lösen möchte, muss man bereit sein, etwas von seiner eigenen Kraft abzugeben“, schlussfolgert Mo Asumang. (wsw)