Neu aufgelegt: Die „Sprüche der Werderschen“

Das Buch von Dr. Baldur Martin ist erhältlich für 15 Euro beispielsweise in der Buchhandlung Hellmich oder im Kartenhaus im Werderpark.

Hella und Baldur Martin. In den Händen hält Werders Chronist das letzte Büchlein der ersten Auflage der „Sprüche der Werderschen“ und ein Exemplar der neuen Auflage, die soeben erschienen ist. Foto: wsw

Werder (Havel), 27. Oktober 2018 – „Das Land muss im April sauber sein“, „Beim Obstwein schmeckt das nächste Glas immer am besten“ oder „Lieber zwei Brettertore hintereinander als Fremde auf dem Hof“ oder auch „Der Berliner amüsiert sich, der Werdersche kassiert.“ – Wer den Werderschen „aufs Maul“ schaut, erkennt ihren Charakter. Mit Leidenschaft und Ausdauer hat das Werders Ortschronist Dr. Baldur Martin getan. Sein Büchlein „Sprüche der Werderschen“ ist soeben in einer neuen Auflage erschienen. Dunkelrot mit goldfarbener Prägung unterscheidet es sich nur in einer kleinen Farbnuance von der Ersterscheinung. Erhältlich ist es für 15 Euro beispielsweise in der Buchhandlung Hellmich oder im Kartenhaus im Werderpark.

Anlass für die Neuauflage war, dass die Erstauflage von 1997 komplett vergriffen ist. Die Bücher würden bereits völlig überteuert auf entsprechenden Online-Portalen verkauft, wie Martin bei der Buchvorstellung vor der Presse berichtete.

„Wer zur Blüte spazieren geht, hat kein Land hinterm Haus“

„Ich habe 40 Jahre lang Sprüche gesammelt“, sagte Baldur Martin. Aber die Werderschen hätten ihm seit 1962 natürlich nicht 500 Sprüche erzählt. „Aber ein Stichwort oder ein Teil eines Spruches haben sie mir oft gegeben, woraus ich dann einen Spruch gemacht habe“, betonte Martin. Einen Lieblingsspruch hat er nicht – „Und wenn, dann würde ich ihn nicht sagen“.

Baldur Martin wohnt seit vielen Jahren am Hohen Weg. Das war seinerzeit nur Obstland, erzählt er. Sein Nachbar, ein Steinsetzer, stammte aus einer alten Obstzüchterfamilie. Und die zogen wie viele Obstzüchterfamilien im Sommer in den Garten. „Das war üblich, die Werderschen wohnten im Winter in ihren Häusern oder Wohnungen. Am 15. April zog man „aufs Land“. Dort blieb man bis zum 15. Oktober“. Und so traf man sich an den die Grundstücke trennenden Johannisbeersträuchern auch mal auf einen abendlichen Schwatz. Der Nachbar hatte jedenfalls einige Sprüche der Werderschen auf Lager – Baldur Martin merkte sie sich, schrieb sie auf und forschte weiter.

1997 kam dann das Buch mit den Sprüchen heraus – die 2000 Exemplare waren schnell vergriffen, das Interesse nicht nur der Werderaner war riesengroß. 800 Stück sind es jetzt in der Neuauflage – vielleicht schon eine Idee für ein Weihnachtsgeschenk? Zur Einleitung des Buches charakterisiert der Autor die Werderschen. Obwohl kein Werderaner – Baldur Martin stammt aus dem Erzgebirge – fiel ihm das damals schon nicht schwer. Die Bauern rackern sich auf dem steinigen Boden dort genau so ab, wie man es hier mit dem Sandboden muss. „Ich kann die Werderschen verstehen“. Baldur Martin war es übrigens auch, der vor vielen Jahren wohl als Erster in einem Zeitungsbeitrag die Begriffe „Werderscher“ und „Werderaner“ definierte.

„Lobe die Verwaltung, denn du weißt nie, wie du sie brauchen wirst“

Obstkulturen, Sippe, Hof, Land, Wetter, Umgang, Obrigkeit oder Tiere – die Vielfalt der Sprüche ist groß, manche sind etwas deftig, aber so sei es eben und besonders die seien beliebt, so Martin. Er zitierte schmunzelnd „Wer über’n Holzzaun steigt, hat schnell einen Splitter im Arsch.“ In den knappen Lebensweisheiten der Altvorderen versammeln sich auf jeden Fall Erfahrung, Scharfsinn und viel Mutterwitz.

Musste Baldur Martin seinerzeit einen Kredit für die Finanzierung des Buches aufnehmen – in welcher Höhe, verriet er bei der Vorstellung des neuen Sprüche-Bändchens nicht – konnte er diesmal Sponsoren gewinnen. Der Druck war aufwändig in der Vorbereitung. Die digitalen Dateien der Erstauflage waren nicht mehr lesbar – die G & S Druck- und Medien GmbH musste das gesamte Buch aufwendig Seite für Seite hochauflösend scannen. Die Qualität ist hervorragend, Schriftbild und auch die schwarz-weißen Illustrationen von Jenny Wahnsiedler haben nichts eingebüßt.

Die damals 21-Jährige Jenny Wahnsiedler kannte Baldur Martin, weil sie in der Klasse seiner Tochter war. Er sprach die talentierte Zeichnerin an, ob sie Lust auf die Illustration des Buches hatte. Sie setzte die Aufgabe – ihr Erstlingswerk – im Stile Heinrich Zilles treffend und wirkungsvoll um. Jenny Wahnsiedler, die auch viele Kleider für Werders Baumblütenköniginnen entwarf, hat zuletzt 50 Entwürfe aus verschiedenen Jahrhunderten gemacht, wie Martin am Rande der Buchvorstellung berichtete. „Nach diesen Entwürfen haben wir die Kostüme für den großen Umzug zum 700. Jubiläum bestellt“.

„Zehn Fischer sagen weniger als ein Schulmeister“

Der Austausch mit seiner Frau Hella, die ihm nicht nur bei der Sprüche-Sammlung hilfreich zur Seite stand und steht, sei wichtig, sagte Martin. „Im Alter braucht man ein zweites Gedächtnis“, schmunzelte der 78-Jährige dankbar zu seiner Frau hinüber, die auch den „Schriftkram“ für ihr erledige. (wsw)


Dr. Baldur Martin hatte noch weitere Neuigkeiten: Ein weiteres Heft der „Heimatgeschichtlichen Beiträge“ soll demnächst und wie immer vor Weihnachten erscheinen. Der lang erwartete Band 6 der Werder-Chronik zu den Themen Dienstleistungen und Industrie sei bereits in der Schlusskorrektur. Elf Autoren haben für dieses Buch geschrieben. Und Band 7 zu Kultur, Sport und Bildung soll im Frühjahr 2019 erscheinen, so Martin.

„Werder in der Anekdote“ ist Titel eines Benefiz-Vortrages im Scala Kulturpalast in Werder, mit dem Dr. Martin den geplanten Kauf und den Erhalt des Kinos durch den Betreiber und den Förderverein unterstützen möchte. Er schätze die Arbeit des engagierten Betreibers Gösta Oelstrom sehr hoch ein, sagte Martin und wolle das unterstützen. „Bemerkenswertes, Wahres und Unwahres“ sei der Untertitel seines Vortrages, der sicher viele Werderaner in das Kino locken würde. Die Einnahmen des Abends gingen ohne Abzüge direkt an das Kino. Beginn des Vortrages am Freitag, dem 7. Dezember 2018 ist um 19 Uhr.

Die Sponsoren der Neuauflage „Sprüche der Werderschen"

Christine Berger, Sandokan
Hans u. Käte Gentz, privat
Angelika Thierschmann, privat
Artur Brauner, Werderpark
G&S Druck und Medien GmbH
Karina Eggert, mobiler Pflegedienst
Havel Apotheke, Dr. Andrea Lorenz
Katrin Schneider, Edeka
Glina Whisky Destillerie & Schultzens Siedlerhof, Günter Schultz, Siedlerhof