Neue ehrenamtliche Schlichterin

Werder (Havel), 17. Dezember 2018 – Wiebke Rüdiger ist neue „Schiedsperson“ für Werder (Havel). Die Neubesetzung wurde nötig, da der langjährige Schlichter Klaus-Peter Werda sein Ehrenamt zum Ende des Jahres niederlegt. Für die ordnungsgemäße Durchführung von Schlichtungsverfahren ist es jedoch notwendig, dass zwei berufene Schiedspersonen dieses Ehrenamt ausführen. Die Berufung erfolgt durch das Amtsgericht, nachdem die Schiedspersonen von der Stadtverordnetenversammlung gewählt wurden.

Die Kemnitzerin Wiebke Rüdiger hatte das Ehrenamt bereits von 2011 bis 2015 ausgeübt – hat also bereits Erfahrung als Schiedsperson.
Wir wünschen ihr alles Gute in den kommenden fünf oder mehr Jahren bei dieser wichtigen Tätigkeit!

Und was macht eigentlich so ein Schlichter? Nachfolgend noch einmal der Beitrag über Dr. Friedrich Anders, ebenfalls Schlichter in Werder (Havel), den wir in unserem Magazin 2/2017 veröffentlicht haben. (wsw)

Friedrich Anders, Schlichter in Werder (Havel). Foto: wsw

Zank am Gartenzaun
Herr Schlichter, was spricht er?

Die Zweige des Apfelbaumes hängen über den Gartenzaun, die Mülltonne steht immer an der falschen Stelle, die Treppe wird nie geputzt, der Lärm vom Nachbarn scheint unerträglich oder der Typ drei Häuser weiter beleidigt die Oma immer wieder – es gibt unzählige Ursachen dafür, dass sich in der Nachbarschaft gestritten oder die persönliche Ehre verletzt wird. Wenn es dann ausartet, keiner der „Streithähne“ mehr so richtig die Ruhe bewahren kann und auch schon mal das Ordnungsamt oder gar die Polizei vor der Türe steht, dann gibt es Möglichkeiten, diesen Konflikt zu beenden, die ohne eine Gerichtsverhandlung auskommen. Ein Schlichter muss her. Ein Vermittler und Mediator, der neutral ist. So lautet dann auch die Empfehlung des Ordnungsamtes. Aber jeder kann auch selbst einen Schlichter anrufen. Dr. Friedrich Anders ist so ein Schlichter. 2013 zog er in die Blütenstadt. Als er im Amtsblatt las, dass die Stadt Werder (Havel) die Schiedsstelle zum Januar 2016 neu besetzen will, bewarb er sich. Gemeinsam mit Klaus-Peter Werda besetzt er seitdem und für fünf Jahre das Amt der Schiedstelle. Friedrich Anders für Werder, Klaus-Peter Werda für alle Ortsteile.

Natürlich hat er sich das vorher gut überlegt, so ein Ehrenamt kann zeitaufwendig sein. Aber Friedrich Anders erkannte in dieser Aufgabe auch die Möglichkeit, seine neue Heimatstadt kennenzulernen: „Orte der Stadt, die Straßen und natürlich auch die Menschen. Was bewegt die Werderaner?“ Und nicht zuletzt, sagt Anders, „kann ich der Gemeinschaft etwas geben“. Und das nicht nur die fünf Jahre. „Es gibt Schlichter, die machen das 20, 25 Jahre“, weiß er. Er arbeitet in Berlin, seit fast 15 Jahren als Referent und Projektleiter bei der Stiftung Deutsche Wirtschaft, zudem als Lehrbeauftragter an der Universität Potsdam, hat Geschichte in Bonn und Berlin studiert und hat gern und viel mit Menschen zu tun. „Das ist hilfreich und Voraussetzung“, lächelt er.

Unaufgeregt berichtet er über die Schlichter-Tätigkeit, die er trotz des Einsatzes seiner Freizeit so wichtig findet, denn: „Wir können viel dabei erreichen und die Gerichte haben einfach andere Dinge zu tun“. Außerdem kümmert sich seine Frau während seiner Schichtertätigkeit um die Kinder. Durch das Brandenburgische Schlichtungsgesetz ist festgeschrieben, dass in bestimmten zivilrechtlichen Streitigkeiten vor Erhebung einer Klage beim Gericht eine Verhandlung vor einer Schiedstelle stattgefunden haben muss. Erst wenn diese Verhandlung erfolglos war, ist die Klage überhaupt zulässig. „Streitigkeiten kommen in allen Teilen Werders vor“, kann sich Friedrich Anders nicht festlegen, ob es in der Blütenstadt Straßenzüge gibt, in denen besonders oft und heftig am Gartenzaun oder von Küchenfenster zu Küchenfenster gezankt wird. „Egal, in welchem Alter, egal in welcher sozialen Stellung“.

Er scheint prädestiniert für diese Aufgabe: er ist ein freundliches Gegenüber, strahlt Ruhe auch in den Gesten aus. Eine wichtige Voraussetzung, als Schlichter akzeptiert zu werden, der immer sachlich bleibt und sich von der Emotionalität des Konfliktes nicht mitreißen lässt. Anders, der natürlich eine entsprechende Schulung absolviert hat und an das Schiedsgesetz gebunden ist, hat schon erlebt, dass zu Beginn einer Schlichtungsverhandlung Schimpfworte fallen. Ausschreitungen dagegen seien selten. In seinem ersten Jahr gab es über 15 Fälle für die Schiedsstelle. Dazu kommen noch die so genannten „Tür- und Angel-Fälle“. Dabei reiche dann schon die persönliche Beratung am Telefon aus. Eigentlich ein Hinweis auf die Kompetenz des Schlichters. „Oft ist stelle ich fest, dass der aktuelle Anlass gar nicht die Ursache des Problems ist“. Dann hilft nur noch, die Parteien – die übrigens einen Beistand mitbringen können, zum Sprechen zu bringen und zu reden. Bis zu zwei Stunden ist das möglich bei den Treffen, mehr als zwei Gesprächsrunden gibt es nicht. Schiedspersonen müssen keine Juristen sein und erteilen auch keine Rechtsauskünfte. „Ziel ist immer, einen für beide Parteien akzeptablen Vergleich zu erzielen. Der wird protokolliert. Und der ist dann auch bindend für beide Parteien. Sollten die Festlegungen nicht eingehalten werden, kann das Protokoll als vollstreckbarer Titel genutzt werden“. Sollte sich herausstellen, dass das Verfahren erfolglos ist, erhält der Antragsteller eine entsprechende Bescheinigung für das Amtsgericht. Nur damit kann
er dann Klage gegen den Antragsgegner erheben.

Aber wünschen wir uns nicht alle eigentlich eine harmonische, stressfreie Nachbarschaft? Friedrich Anders hat so eine, wie er sagt. Der Glückliche. (wsw, Beitrag aus unserem Wir sind Werder-Magazin 2/2017)


Informationen: ordnungsrecht@werder-havel.de oder schiedsstelle.werder-havel@gmx.de Telefon: 03327 783 349