Neues Reiserecht: Vor- und Nachteile im Gepäck

Potsdam, 27. Juni 2018 – Für Reisebuchungen ab 1. Juli 2018 gilt nach Umsetzung einer neuen EU-Richtlinie ein geändertes Pauschalreiserecht. Die neuen Regelungen weiten den Begriff der Pauschalreise aus und führen zur Sicherheit der Urlauber umfangreiche Informationspflichten für Veranstalter und Vermittler ein. Das neue Recht birgt aber leider auch Nachteile für Verbraucher.

Egal ob Reiseleistungen im Internet oder im Reisebüro gebucht werden: Machen Anbieter künftig in ihrer Werbung oder im Buchungsprozess nicht deutlich, dass Kunden separate Reiseleistungen und kein Pauschalpaket buchen, werden sie rechtlich gesehen zum Anbieter einer Pauschalreise. Das bedeutet: Sie müssen sich gegen eine Insolvenz absichern und Mängelansprüche der Urlauber regulieren. Zudem ist es ihre Pflicht, die Kunden vor Vertragsschluss mit umfangreichen Informationsblättern über ihre Rechte im Umgang mit Mängeln und zum Reiseinsolvenzschutz aufzuklären. „Durch diese neue Regelung werden Verbraucher gestärkt. Denn Pauschalreisende sind unter anderem durch den Insolvenzschutz deutlich besser abgesichert als Urlauber, die ihre Reise individuell zusammenstellen“, erklärt Sabine Fischer-Volk, Reiserechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg.

„Eine Fluggesellschaft, die auf ihrer Website ermöglicht, neben dem Flug noch eine Hotelunterkunft oder einen Mietwagen hinzu zu buchen, kann allein schon durch den Ablauf des Buchungsprozesses ungewollt zum Reiseveranstalter werden“, so Fischer-Volk. Da sich Internet-Seiten ständig ändern, rät sie Urlaubern, den Buchungsverlauf und den dazugehörigen E-Mail-Verkehr stets abzuspeichern. Das erleichtert später die rechtliche Einordnung erheblich.

Das künftige Reiserecht birgt jedoch auch Nachteile für Urlauber. Dazu gehört die Möglichkeit höherer Preisaufschläge nach Vertragsschluss. „Der Veranstalter kann den Preis bis zu 20 Tage vor Reiseantritt um bis zu acht Prozent statt den früheren fünf Prozent erhöhen“, warnt die Reiserechtsexpertin. Das gilt allerdings nur für belegbare Preiserhöhungen wie Beförderungskosten. „So kann der vormals erzielte Frühbucherrabatt schnell dahinschmelzen“, resümiert Fischer-Volk.

Kritisch sieht sie zudem, dass nach neuem Recht Ferienhäuser und -wohnungen, die ein Reiseveranstalter anbietet, nicht mehr unter das Pauschalreiserecht fallen. Das betrifft auch Tagesreisen unter 500 Euro pro Person, wie die eher preisgünstigen Kaffeefahrten.

Sabine Fischer-Volk schätzt, dass es nach dem neuen Recht für Verbraucher schwierig wird, zweifelsfrei zu erkennen, ob ihre gebuchte Reiseleistung unter den Schutz des für sie rechtlich vorteilhafteren Pauschalreiserechts fällt oder nicht. (vzb/wsw)


Bei Problemen nach dem bisherigen und auch dem neuen Reiserecht sowie bei Mängelansprüchen gegenüber dem Vertragspartner können sich Betroffene zur persönlichen Beratung an die Verbraucherzentrale Brandenburg wenden:

  • in den Verbraucherberatungsstellen, Terminvereinbarung unter 0331 / 98 22 999 5 (Mo bis Fr, 9 bis 18 Uhr) oder online unter www.vzb.de/termine,
  • telefonische Beratung unter 09001 / 775 770 (Mo bis Fr, 9 bis 18 Uhr, 1€/min a. d. dt. Festnetz, Mobilfunk abweichend) sowie
  • E-Mailberatung auf www.vzb.de/emailberatung