Nichts ist oder war selbstverständlich

Werder (Havel), 14. April 2020 – In den vergangenen Tagen wandelte sich unser Leben, nur ein Wimpernschlag und alles war ganz anders als zuvor – der Verzicht stellte sich ein und die Menschen besinnen sich auf das zurück, was wirklich wichtig ist – Familie, Freunde, Solidarität und Gesundheit. In unserer Konsumgesellschaft macht sich Angst breit, denn auch wenn im Moment alles still steht, muss und wird es nach einer Krise wie dieser weitergehen. Was macht das Leben in unserer Gemeinde aus? Neben den selbstlosen Ehrenämtlern bei Feuerwehr & Co., die schon immer für unsere Sicherheit sorgen, fühlen sich immer mehr Menschen berufen, anderen in diesen schweren Zeiten zur Seite zu stehen. Eine Entwicklung, die Mut macht und Hoffnung gibt, dass dieses Band des Zusammenhalts auch zukünftig ein Teil des Zusammenlebens aller sein wird. 

Besonders jetzt wird deutlich, wie sehr die Unternehmer, die unser Leben auch hier in Werder und Umgebung jeden Tag lebenswerter machen, darauf angewiesen sind, dass wir bei ihnen einkaufen. Brauchen wir wirklich den Apfel, der einmal um den Erdball verschifft wurde, um hier für Cent-Beträge in den Supermarktregalen zu landen? Wir leben in einem reichen Obstgarten, der zu jeder Saison frisches und leckeres Obst und Gemüse für uns bereithält, mit deren Kauf wir eine oder sogar mehrere Familien unterstützen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. 

Das Schlendern über den Markt oder das Stöbern in einem Hofladen sind wie ein Kurzurlaub, bei dem sich die kulinarischen Genüsse unserer Region entdecken lassen. Und das ganz ohne Anonymität, denn die Verkäufer geben den hausgemachten, handgepflückten Produkten ein Gesicht, verraten ein Rezept und bedanken sich nach dem Einkauf sogar mit einem Lächeln. Ist es nicht ganz wunderbar, dass wir schnell ein schönes Geschenk für den anstehenden Geburtstag kaufen und es sofort, schick verpackt in der Hand halten können? Und wenn der Kleiderschrank mal wieder voll mit “Nichts-zum-Anziehen” ist, lassen wir uns von der Verkäuferin unseres Vertrauens im Laden um die Ecke beraten, finden das perfekt sitzende Teil ohne zu mutmaßen, ob die Ware im virtuellen Warenkorb auch tatsächlich die richtige Größe hat und sind super gestylt für den abendlichen Restaurantbesuch. 

Auch in die leckeren Käsebrötchen, die schon seit Jahren in traditioneller Handarbeit täglich für uns frisch gebacken werden, möchten wir in Zukunft noch beißen und uns erinnern, dass sie uns schon als Kind so lecker geschmeckt haben. All diese und noch viele Dinge mehr sind nicht selbstverständlich, hinter all diesen Waren und Dienstleistungen stecken Menschen und deren Familien, die auch unter normalen Umständen keine Mühen scheuen, um das täglich Leben so abwechslungsreich und schön zu gestalten und die auch jetzt den Kopf nicht in den Sand stecken.  

Besonders diejenigen, die nicht zu den systemrelevanten Unternehmen gehören, reißen sich ein Bein aus, um zu überleben, sie suchen unermüdlich nach Wegen, um ihre Kunden nicht im Stich zu lassen und keiner weiß, wie lange dieser Kraftakt dauern wird. 

Hinter den Kulissen wird vielerorts fleißig gewerkelt, renoviert und aufpoliert, um beim Neustart in neuem Glanz zu erstrahlen, den Mitarbeitern auch weiterhin sichere Arbeitsplätze zu bieten und den liebgewonnen Kunden ein schöneres Ambiente, besseren, umweltfreundlicheren Service und neuen Mut mit in die Einkaufstaschen zu füllen. 

Und wer weiß, vielleicht hat das Ganze am Ende auch etwas Gutes – Denn warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. (wsw)