Nur gemeinsam sind wir stark

Ein Jahresrückblick für 2020 aus Bliesendorf

Werder (Havel) OT Bliesendorf, 8. Januar 2021 – Im vergangenen Jahr ist viel passiert im Werderaner Ortsteil Bliesendorf. Eveline Kroll und Andreas Struck resümieren die vergangenen Monate:


Bis Mitte März 2020 verlief alles noch in geordneten Bahnen. So konnten wir bis März drei „Bliesendorfer Energiegipfel“ durchführen, die sehr wichtig für die Vorbereitung zur öffentlichen Beteiligung gegen die sieben beantragten Windkraftanlagen der Firma Notus energy waren. Als Stärkung  machte sich die BI-Bliesendorf bei herrlichem Sonnenschein am 1. März 2020 mit einer Glühweinwanderung zu den geplanten Standorten der beantragten Windräder in unserem Wald auf den Weg. Viele Interessierte aus den umliegenden Ortschaften, u.a. auch neue Mitstreiter aus Busendorf sowie Mitglieder des Waldkleeblatt Natürlich Zauche e.V. schlossen sich der Wanderung an. An der Bogendüne Renneberge wurden wir dann mit einem Glühweinstand belohnt. Bei interessanten Gesprächen versorgten uns die Resauer mit leckerem Glühwein und frischen Brezeln.

Die öffentliche Auslegung der Unterlagen zu den sieben 244 Meter hohen Windkraftanlagen der FA. Notus erfolgte dann vom 11. März bis zum 14. April. Die Abgabe der Einwendungen musste bis zum 14. Mai 2020 beim Landesumweltamt erfolgen. Durch die Einschränkungen in der Corona Pandemie war eine Einsichtnahme ab dem 17. März in den Rathäusern nicht mehr möglich. Die Stadt Werder (Havel) forderte deswegen eine Wiederholung der Auslegung der Antragsunterlagen, worauf vom Landesumweltamt bis fast zum Ende der öffentlichen Beteiligung keine aussagekräftige Antwort erfolgte. Wir haben gemeinsam trotzdem das Unmögliche möglich gemacht und unsere ganze Kraft mit vielen sehr fleißigen Helfern in dieses Beteiligungsverfahren unter erschwerten Bedingungen gelegt. Insgesamt wurden 1.400 Einwendungen gegen den Windpark beim Landesumweltamt abgegeben, wovon rd. 500 Einwendungen, sehr umfangreiche Einwendungen waren, die mit eigenen Argumenten die persönliche Betroffenheit schriftlich zum Ausdruck gebracht haben.

Vorgebracht wurden die öffentlichen Belange, die gegen das Vorhaben stehen wie u.a.: Daseinsfürsorge/Immissionsschutz, Gesundheitsgefährdung Infraschall, Brandschutz, Landschaftsschutz, Natur- und Artenschutz, Bodenschutz, Trinkwasserschutz sowie der Wald als wichtiges ökologisches System und Erholungsort. Bei der nun doch erfolgten zweiten Auslegung ab Ende Mai für einen Monat kamen nochmal rd. 100 Einwendungen und auch qualifizierte Nachträge dazu, die wir wieder persönlich dem Landesumweltamt übergeben haben. Wie viele Einwendungen per Post direkt an das Landesumweltamt versandt wurden, können wir leider nicht beziffern, aber wir gehen doch von einer großen Anzahlt aus. Beteiligt mit einer Einwendung in dem Verfahren hat sich als Umweltverein unser Waldkleeblatt – Natürlich Zauche e.V.  und  auch der BUND – Brandenburg. Dadurch sind die Umweltvereine in dem Verfahren klageberechtigt. Aufgrund eines Beschlusses der Stadtverordneten hat sich die Stadt Werder (Havel) in einer Stellungnahme ausführlich gegen das Vorhaben der FA. Notus ausgesprochen. Das Verfahren war somit am 27. Juli beendet und die Erörterung der Einwendungen sollte am 27.10.2020 stattfinden.

Von den zwölf genehmigten Windkraftanlagen in der Reesdorfer Heide der FA. Juwi, wo wir auch finanziell die Klage in 2019 unterstützt hatten, wurden fünf Windkraftanlagen aufgrund der Einigung mit den Recura Kliniken zurückgezogen. Der Klagegrund für die Recura Kliniken ist damit weggefallen, weil die Forderung des Abstandes von 3.000 Meter zu den Kliniken eingehalten wird. Die Klagen der Stadt Beelitz und unseres Waldkleeblatt Vereins für jetzt sieben Windkraftanlagen laufen weiter. Das ist sehr wichtig, da es sich ja um ein zusammenhängendes Waldgebiet mit unserem Wald handelt und wenn die erste Vorbelastung steht, wird es sehr schwierig sein, weitere Windkraftanlagen zu verhindern. 

Der Regionalplan Havelland-Fläming ist in Aufstellung und verursacht wieder viel Wirbel. Alle Windenergiefirmen machen derzeit Weißflächenkartierungen, d. h. sie suchen sich Flächen, die in Betracht kommen könnten. Und somit, auch nur 5 km von Bliesendorf entfernt, plant die FA. UKA zwischen Plötzin, Derwitz, Bochow und Göhlsdorf ein Windfeld für erstmal neun Windkraftanlagen mit einer voraussichtlichen Höhe von 250 Metern. Das Gebiet könnte sich auch auf 19 Windkraftanlagen ausweiten, wenn unser Windeignungsgebiet 24 „Bliesendorfer Heide“ sich in der Größe reduziert. Also sollen wir es jetzt von allen Seiten abbekommen. Daher haben wir als Waldkleeblatt Verein und BI-Bliesendorf die Neugründung einer Bürgerinitiative dort vor Ort unterstützt.

Die Regionalplanung selbst, möchte die Glindower Platte als hochwertiges Landschaftsbild erhalten und somit eigentlich auch das Gebiet vor der BAB 10, wo Notus vier Windräder in unserem Wald beantragt hat. Die zwei Windkraftanlagen, die Notus am Kolpinsee beantragt hat, wurden von der Forst, der Gemeinde Kloster Lehnin und vom Landesumweltamt abgelehnt. Das ist für unseren schönen Kolpinsee, der ja ein Flora,Fauna,Habitat (FFH-Gebiet) ist, ein großer Erfolg.

Entgegen zu den Planungen der Windenergiefirmen, möchte die Regionale Planungsgemeinschaft den Regionalplan mit anderen Kriterien aufstellen. Die Windeignungsgebiete sollen wegen der Akzeptanz und des Artenschutzes kleiner werden (Mindestgröße 25 HA) und könnten auch nur aus drei Windkraftanlagen bestehen. Die Abstandsregeln sollen aufgrund der Geräuschimmissionen ermittelt werden. Der Abstand zwischen den Windeignungsgebieten von 5 km soll bleiben. 

Unseren traditionellen 9. Aktions-Familienwandertag „Rettet unseren Wald“ mit Waldfest, der am 7. Juni stattfinden sollte, mussten wir wie auch alle anderen Veranstalter, leider wegen der Corona Beschränkungen absagen. 

Im Hintergrund der Pandemie laufen derzeit viele Gesetzesänderungen. Mit großer Sorge haben wir die Verabschiedung des Investitionsbeschleunigungsgesetzes gesehen, dass unsere Klagemöglichkeiten sehr erschweren könnte. Deswegen hat die Volksinitiative „Rettet Brandenburg“ vor dem Bundesrat am Tag der Abstimmung (vorher haben viele Mitstreiter das Gesetz aber bereits postalisch angemahnt) eine Mahnwache am 18. September mobilisiert. Es geht hier schließlich auch insbesondere um die Ausschaltung von Bürgerrechten. Wir wurden von den vorübergehenden/fahrenden Ministerpräsidenten sehr „hochnäsig“ behandelt, diese haben einfach  weggesehen.

Noch viel kritischer ist aber juristisch die EEG Novelle zu betrachten. Bereits jetzt liegt die „Nutzung erneuerbarer Energien zur Stromerzeugung im öffentlichen Interesse“ und NEU soll sein: „und dient der öffentlichen Sicherheit“. Das könnte als lebensnotwendige Versorgung für Deutschland betrachtet werden. Der letzte Stand ist, dass dieser Passus wohl nicht aufgenommen wird, da er nicht rechtssicher ist. Die Bundesinitiative Vernunftkraft e.V. hat zur EEG Novelle ein Rechtsgutachten anfertigen lassen, dass auch insbesondere beleuchtet, ob die Aushebelung des Artenschutzes durch den Passus „öffentliche Sicherheit“ dem Europäischen Recht entspricht. Wollen wir  hoffen, dass das nicht so durchkommt, denn eine grundlastfähige Versorgung ist derzeit ohne Speicher mit erneuerbaren Energien nicht möglich und wird es physikalisch auch wohl nie sein. 

Gefreut hat es uns sehr, dass das 2. Einheitspleinair am 3.10.2020 in Resau stattfinden konnte. Unser schöner Wald soll dadurch bekannter werden und neue Freunde finden. Begonnen haben wir den Tag mit der Besichtigung der Ausstellung der Nacharbeiten des 1. Pleinairs von 2019 im Gemeindezentrum. Danach erfolgte eine gemütliche Wanderung mit den Kunstinteressierten über die Monolithen „drei dicken Männer“ im Wald nach Resau. Dort erwarteten uns 14 lokale Künstler, die ihre tagsüber in freier Natur angefertigt Werke/Arbeiten im Garten von Kathrin König präsentierten. Der Tag klang gemeinsam mit den Wanderern, Künstlern und den Resauern bei vielen interessanten Gesprächen und einem Grillabend in herrlicher Natur aus. 

Am 25.10.2020 fand auf dem Dorfplatz in Göhlsdorf die Gründung und eine Infoveranstaltung der neuen BI Gegenwind Obstpanoramaweg statt. Gerne haben wir als Waldkleeblatt Verein und BI diese Veranstaltung mit Banner, Infomaterial und Redebeiträgen unterstützt. Von der Politik waren der Bürgermeister von Groß Kreutz Reth Kalsow und unsere Bürgermeisterin Manuela Saß anwesend, die beide die neue Bürgerinitiative gegen die Windräder unterstützen möchten, sowie die Ortsbeiräte der betroffenen Ortsteile.    

Am 27.10.2020 sollte der Erörterungstermin zu den sieben Windkraftanlagen der FA. Notus im Gildehaus in Caputh stattfinden. Auf der Grundlage des befristet eingeführten Planungssicherstellungsgesetzes des Bundes wegen Versammlungsbeschränkungen in Folge der Corona Pandemie, soll der Termin nun in Form einer Online-Konsultation stattfinden. Für Bürger, die kein Internetzugang haben, sollen die Stellungnahmen in gedruckter Form in den betroffenen Gemeinden ausliegen. Eine Bekanntmachung, wann die Konsultation und wie es genau stattfinden soll, ist noch nicht erfolgt. Eine Vertiefung der bereits erhobenen Einwendungen ist zulässig und erwünscht, aber der so wichtige persönliche Kontakt zu den Behörden während eines Erörterungstermins ist in dieser Form nicht möglich. Mehr wie abwarten können wir nicht.

Erst wurde der Erörterungstermin vom Landesumweltamt abgesagt und trotzdem kündigte die FA. Notus energy an, dass  am 08.11. ein Infotag zu dem Projekt Windpark (Dachsberg/Werder) im Gildehaus in Caputh stattfinden soll – das war schon sehr „frech“. Daher freut es uns sehr, dass auch dieser „schöne Tag“ aufgrund der Pandemie abgesagt werden musste. 

Sehr am Herzen lag uns auch in diesem Jahr so wie in den Vorjahren die Unterschutzstellung der Bogendüne Renneberge als Naturschutzgebiet. Nach achtjährigem Kampf um die besonders wertvolle Binnendüne in unserer Region lassen wir jetzt in der Endphase nicht locker. Wir hoffen, dass es in den nächsten Wochen voran geht, denn die Zeit der einstweiligen Sicherstellung läuft davon. Wir wünschen uns auch hier, weiterhin große Unterstützung der Stadt Werder (Havel).

Der „Weihnachtsgipfel“, der  am 03.12. bei Bratwurst und Glühwein im Freien die Gemeinsamkeit und die Kräfte der BI-Bliesendorf stärken sollte,  mussten wir leider absagen, wird aber unbedingt nachgeholt.

Unserem Leitspruch folgend „Nur gemeinsam sind wir stark“ wünschen wir allen Mitstreitern und Unterstützern für den Erhalt unserer Natur und Heimat ein Gesundes und Erfolgreiches Jahr 2021!

Für das ahr 2021 könnten wir uns folgende Veranstaltungen je nach den Beschränkungen durch den Pandemieverlauf vorstellen:

Sommerfest der BI-Bliesendorf im Garten des Gemeindezentrums

Nachholen des 9. Aktionswandertages evtl. im September

„Rettet unseren Wald“ mit Waldfest 

3. Einheitspleinair in Resau

Eveline Kroll & Andreas Struck