Platz ist in der kleinsten „Hütte“

Ein Wassergrundstück mit Häuschen direkt am See – für viele ist dies der Traum vom Wohnen! Doch die meisten Träume lassen sich nur schwer verwirklichen. Die Grundstückspreise in unserer Region steigen stetig an, der freie Platz wird immer weniger. Also müssen alternative Wohnlösungen her. In Kloster Lehnin entsteht zur Zeit Deutschlands größte TinyHaus-Siedlung. Wir haben Bauingenieur und Visionär Heiko Neupert am Klostersee besucht.

Kloster Lehnin, 17. Juni 2021 – TinyHäuser – Was putzig klingt, könnte das Wohnen (auf Zeit) der Zukunft bedeuten. Auf knapp 30 Quadratmetern befinden sich Bad, Küche, Schlafzimmer und Wohnbereich, also eigentlich alles, was man zum Leben braucht, und zwar direkt in der Idylle von Kloster Lehnin. 

Auf dem Campingplatz An der Reiherheide 2 in Kloster Lehnin sind nur noch wenige Dauercamper vor Ort, die Verträge sind bereits im letzten Jahr ausgelaufen. Anstelle von Wohnmobilen, Wohnwagen und Zelten ist der Platz geprägt durch rot-weißes Flatterband, das die knapp 70 Parzellen markiert, die verpachtet werden sollen. Zukünftig soll hier Deutschlands größte TinyHaus-Siedlung entstehen. Gut die Hälfte der Parzellen ist bereits verpachtet. Die zukünftigen Pächter kommen aus Werder, Potsdam, Berlin aber auch aus Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt.

„Etwa zehn Parzellen behalte ich selbst und werde diese mit verschiedenen TinyHäusern bebauen, die dann vermietet werden“, erklärt uns Heiko Neupert. Der 55-Jährige ist Bauingenieur und Patentinhaber des Sandsteins „Ytterstone“. Von 2003 bis 2006 war er mit seiner Firma in der Mielestraße in den Havelauen ansässig.

„Ich war früher viel auf Messen unterwegs, um den Sandstein zu präsentieren. Hierfür war ich auf der Suche nach einem TinyHaus, weil ich darin alle Einsatzgebiete für den Ytterstone präsentieren kann, u.a. die Fassadenverkleidung sowie Boden- und Wandbelag. Es ist ja wie ein großes Haus, nur eben in klein“, so Neupert weiter. „Doch die Preise für so ein TinyHaus waren ja enorm. Also habe ich mich dazu entschlossen, selbst eines zu bauen. So bin ich auf den Geschmack gekommen.“

Die Kosten für ein TinyHaus von Heiko Neupert belaufen sich in Abhängigkeit von der Ausstattungsvariante zwischen 25.000 und 100.000 Euro. Die Bauzeit beträgt zwischen drei und sechs Wochen. 

Das TinyHaus, das wir bei unserem Besuch besichtigen, ist 30 Quadratmeter groß bzw. klein und kostet etwa 65.000 Euro. Für den Preis erhält man ein vollausgestattetes Haus mit anderthalb Geschossen, Küchenzeile, einem Bad mit Dusche, einem separaten Schlafplatz und einem großzügigen Wohnbereich inkl. aller Möbel. Von außen wirkte das TinyHaus tatsächlich eher „tiny“, doch im Inneren begeisterte es mit seiner überraschenden Größe. Cleverer Stauraum unter der Treppe, hohe Decken und die stilvolle Verkleidung der Wände mit dem Ytterstone waren zudem Besonderheiten, die sofort ins Auge fielen. 

Die TinyHaus-Siedlung am Klostersee besteht aus rund 70 wassernahen Grundstücksparzellen und verfügt über einen Yachthafen sowie dem allen Pächtern zur Verfügung stehenden Badestrand am Klostersee. Ein kleiner Hundestrand und eine Slipp-Anlage runden das Angebot für Hundeliebhaber und Wassersportfreunde ab. Die Parzellen haben eine Grundstücksgröße zwischen 100 und 250 Quadratmetern, bei Bedarf können auch mehrere Parzellen zusammengelegt und gepachtet werden. Der Erwerb der Parzellen erfolgt ähnlich wie über Erbpacht.

Die Grundstücksparzellen sind ab 30.000 Euro zu erwerben, bei einer Laufzeit von 10 Jahren. Diese kann mit attraktiven Rabatten auch bis auf 99 Jahre verlängert werden. Alle Pachtgrundstücke werden bzgl. Wasser, Abwasser und Strom erschlossen. Bei Bedarf ist ein Internetanschluss z.B. für Entertainment- oder Home-Office-Anwendungen verfügbar, der bis zum Herbst auf Telekom-Hochleistungsglasfasernetze ausgebaut wird. Auch Solaranlagen auf dem Dach sind möglich.

Die Grundstücksparzellen können mit einem eigenen TinyHaus ausgestattet werden, gerne baut Heiko Neupert aber auch ein TinyHaus nach den Wunschvorstellungen der Pächter. Hierfür hat er in Damsdorf extra eine Halle angemietet, in der er bis zu sechs TinyHäuser parallel bauen kann. Zur Zeit ist er auf der Suche nach Firmen, die ihn dabei unterstützen. 

Wer den Wunsch hegt, auf ein eigenes Grundstück ein TinyHaus zu stellen, muss beachten, dass hierfür ein Bebauungsplan vorliegen muss. „Auf unserem Campingplatz werden die TinyHäuser auf Anhängern gebaut, sodass sie bei Bedarf auch den Standort wechseln können. Möchte man ein TinyHaus mit Fundament haben, das also dauerhaft an einem Ort steht und auch dauerhaft bewohnt wird, ist eine Baugenehmigung notwendig“, erklärt Heiko Neupert. „Ich möchte hier auf diesem Areal, idyllisch am Klostersee gelegen, die Vielfalt der TinyHäuser zeigen. Es gibt ja so viele verschiedene Anbieter, deshalb können Pächter, die sich für eine Parzelle entscheiden, natürlich auch TinyHäuser anderer Anbieter wählen.“ Besichtigungen sind nach vorheriger Terminvereinbarung möglich.

Übrigens gibt es auch TinyHäuser, die ausziehbar sind oder über zwei Vollgeschosse verfügen. Inwieweit das dann noch „tiny“ ist, liegt wahrscheinlich im Auge des Betrachters. Wer sich für ein kleines Haus entscheidet, entscheidet sich auch gleichzeitig für ein Leben im Einklang mit der Natur. Und da Heiko Neupert den Platz am Klostersee frostfest gemacht hat, können die Pächter auch das ganze Jahr über die Natur in vollen Zügen genießen. (wsw)