powerbus-Erfolg übertrifft alle Erwartungen

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Werder (Havel), 16. Dezember 2017 – Nach knapp einem Jahr und einer gerade erst abgeschlossenen Fahrgast- und Einnahmeanalyse konnte am Freitag ein ausgesprochen erfreuliches Fazit des neuen powerbus-Konzeptes in Werder (Havel) gezogen werden. Bei einer Pressekonferenz im Schützenhaus konstatierte Hans-Jürgen Hennig, Geschäftsführer der regiobus Potsdam-Mittelmark GmbH, dass das Unternehmen im powerbus-Kernnetz (Linien 630-635) Fahrgaststeigerungen von fast 30 Prozent verzeichnen konnte.


Als am 1. Januar 2017 der neue Bustakt mit mehr Bussen und mehr Kilometern eingeführt worden war, habe man mit 5 bis 10 Prozent gerechnet, so Hennig. Die regiobus hatte zur Erfassung der Zahlen die kassentechnischen Einnahmen mit dem Vorjahr abgeglichen und die Tarifsteigerungen herausgerechnet. In den ersten zehn Monaten seien demnach 55.000 zusätzliche Tickets für den powerbus verkauft wurden. Eine erst am Montag abgeschlossene Kundenbefragung bestätigte das Bild: Demnach sind 92 Prozent der powerbus-Passagiere mit dem neuen Buskonzept „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. Rechnet man die „eher Zufriedenen“ hinzu, so beträgt die Quote sogar 98 Prozent.

„Wir müssen damit leben, dass man nicht alle Wünsche berücksichtigen kann“, stellte Hennig fest. Zum Start des neuen Konzeptes habe man versucht, Hinweise und Kritiken konstruktiv und zügig zu bearbeiten und in das Konzept einfließen zu lassen. Das Nutzerverhaltung habe sich verändert, so Hennig, so dass man immer wieder versuche, auf die neuen Gegebenheiten zu reagieren.

Rückgrat des neuen Buskonzeptes ist die Linie 631 von Werder (Havel) über Geltow nach Potsdam mit einem dichteren Takt und einer besseren Anbindung des Stadtbahnhofs Werder (Havel). Hier waren die Zahlen besonders überzeugend. Laut Hans-Jürgen Hennig wurde auf dieser Linie in den ersten zehn Monate eine Steigerung der Fahrgastzahlen von rund 50 Prozent erzielt. Auf der Strecke sollen kleinere Busse ab dem kommenden Jahr zunehmend durch Gelenkbusse ersetzt werden, im ersten Quartal soll mit sechs neuen Bussen begonnen werden. Hennig kündigte auch 18-Meter lange Busse an, um den Komfort zu erhöhen. Dafür müssten dann sukzessive auch die Bushaltestellen verändert werden, darauf hat die Stadt Werder (Havel) bereits reagiert und und dafür beispielsweise im kommenden Jahr 270.000 Euro eingeplant. Hennig kündigte zudem an, ab 2019 ältere Modelle auszumustern und erstmals Busse mit Hybridunterstützung einsetzen zu wollen. „Das sind Fahrzeuge der neuesten Technologie, getestet von TÜV und DEKRA wurde festgestellt, dass diese Busse dann mit geringerem Verbrauch fahren und die Euro6-Norm tatsächlich einhalten“.

Massive Zuwächse habe es auch im schnelleren und öfter verkehrenden Bus 633 vom Stadtbahnhof nach Glindow und Bliesendorf gegeben. Außerdem trügen die Bewohner der Havelauen als neue powerbus-Nutzer zum guten Bild bei.

Werders Bürgermeisterin Manuela Saß sieht die Zahlen als Beleg, dass gute ÖPNV-Angebote auch von Pendlern angenommen werden. „Die Steigerung im 631er könnte sicher sogar noch größer ausfallen, wenn die Verkehrsverhältnisse in Potsdam anders wären“, sagte die Bürgermeisterin. Mit einer besseren Kommunikation und einem partnerschaftlichen Miteinander ließe sich viel erreichen, wobei sich das Gesprächsklima mit Potsdams neuem Baubeigeordneten Bernd Rubelt verbessert habe, wie Manuela Saß betonte.

Werders 1. Beigeordneter Christian Große ergänzte, dass man auch für den Tunnelbau in Werder die Unterstützung von Partnern benötige. Die Bahnschranken am Stadtbahnhof würden zunehmend zum neuralgischen Punkt im städtischen Verkehrsnetz und Hindernis für den Busverkehr. Der im Landesnahverkehrsplan 2018 angekündigte dichtere Takt des RE1 sei zwar zu begrüßen, werde aber in Werder zu weiteren Schließzeiten und damit Staus auf der innerstädtischen Landesstraße 90 führen.  Er hoffe deshalb, dass die Planungen von Bahn, Land und Bund für den Tunnel beschleunigt werden können, sagte Christian Große.
Er bedankte sich ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit im Landkreis und mit regiobus: „Was wir erreichen wollten – mit erheblichem finanziellen Aufwand – haben wir erreicht“. Die Stadt Werder (Havel) beteiligt sich mit jährlich rund 200.000, der Landkreis mit 400.000 Euro an dem powerbus-Konzept. Große betonte, dass ohne powerbus und der Umstieg der Nutzer vom Auto auf den Bus “der Verkehr in der Stadt noch massiver” wäre. Besonders nachmittags zwischen 15 und 17 Uhr gibt es in der Innenstadt erhebliche Stauprobleme.

Die Verkehrsfachbereichsleiterin des Landratsamtes, Debra Reußner, sagte: „Der powerbus zeigt, das gut durchdachte ÖPNV-Konzepte ihr Ziel erreichen.“ Für eine weitere Optimierung der ÖPNV-Angebote bestehe großer Bedarf. Der Landkreis fordere deshalb vom Land, den Landesnahverkehrsplan 2018 nicht erst, wie geplant, ab 2022 umzusetzen. Im Zuge der Diskussionen um den Planentwurf beobachte sie ein Umdenken im Verkehrsministerium, sagte Debra Reußner. So gebe es auch Überlegungen, die Plusbuslinien der Landkreise vom Land finanziell zu unterstützen. (red/wsw)

Bei der Pressekonferenz im Schützenhaus: Hans-Jürgen Hennig, Geschäftsführer der regiobus Potsdam Mittelmark GmbH, Debra Reußner, Leiterin des Fachbereiches Sicherheit, Ordnung und Verkehr im Landratsamt PM, Werders Bürgermeisterin Manuela Saß und Christian Große, 1. Beigeordneter. Foto: wsw