Reaktionen der Obstbauern zur Absage des Baumblütenfestes

Werder (Havel), 12. September 2019 – Die Reaktionen aus der Bevölkerung auf die Absage der Blütenfeste in den kommenden beiden Jahren sind zwiegespalten: Einige begrüßen die Entscheidung als mutigen Schritt hin zu einer Neugestaltung des Baumblütenfestes, das sich wieder an den traditionellen Werten des Festes orientiert. Der Großteil der Kommentare in den sozialen Netzwerken spricht allerdings eine andere Sprache.

Von einer Demonstration am 19. September vor dem Bürgerhaus auf der Insel ist dort ebenso die Rede wie von einem durch die Werderaner Bürger organisierten Baumblütenfest. Besonders die zu erwartenden Verluste für die zahlreichen Obstbauern sind ein Thema. Wir haben einige Obstbauern nach ihrer Meinung gefragt.

Das sagen unsere Obstbauern

Bettina Lindicke: „Gerade in diesen Wochen, in denen wir das Ausmaß der Blütenfröste ganz genau sehen – nämlich immense Ausfälle bei Äpfeln und Pflaumen, ist diese Nachricht nicht gerade eine freudige. Unser Obsthof ist auf die Einnahmen aus dem Obstwein-Verkauf angewiesen. Aber wir sehen auch eine Chance für Werder. Wir haben unseren Stadtgarten am Hohen Weg seit Jahren auch schon vor dem offiziellen Baumblütenfest geöffnet und planen ganz fest auch für 2020 für unsere Kunden ein echtes Fest unter blühenden Bäumen. In welchem Rahmen wird sich zeigen.“

Marcel van Dam: „Wir werden im kommenden Jahr trotzdem normal unseren van Dam’s Kirschenhof in Plessow öffnen. Es ist immer herrlich, wenn die Leute zu uns auf die Plantage kommen und Wein, Wurst und die Natur genießen.“

Marcel Lehnst: „Ich persönlich finde es schade für die Obstbauern, die viele Stände auf der Baumblüte haben. Wir haben eh vor einiger Zeit schon beschlossen, mit unseren Ständen nicht mehr auf der Insel zu sein und nur noch auf unserem Hof etwas zu machen. Und das werden wir auch weiterhin tun. Wir hatten ja auch schon Ausgaben und rechnen fest mit dem Baumblütenfestertrag.“

Bernd Lorenz: „Die Ankündigung war für uns ein Schock. Nun gilt es, sich neu zu sortieren. Zurück zu den Wurzeln, zurück zum Familienfest unter blühenden Bäumen. Klasse statt Masse. Unser Blütengarten wird wie gewohnt zur Baumblüte öffnen.“

Doreen Schultz: „Was sollen wir sagen? Wir sind genauso geschockt wie der Rest der Stadt. Auf jeden Fall werden wir uns etwas für unseren Schultz’ens Siedlerhof für diese Zeit überlegen.”

Heidis Obstweine: „Schweren Herzens haben wir den jetzigen Stand zur Vergabe des Baumblütenfestes für die nächsten Jahre zur Kenntnis genommen. Wir hoffen aber weiterhin, dass die Verantwortlichen um unsere Bürgermeisterin Frau Saß alles mögliche versuchen werden, ein solches traditionsgebundenes und zu Werder gehörendes Volksfest zu realisieren. Auch wenn wir erst seit zwei Jahren mit unserem Stand auf dem Karfunkelberg vertreten sind, wollen wir auch in der kommenden Baumblütenfestwoche um den 1.5.2020 für unsere Gäste am Start sein. Wir drücken die Daumen, dass sich doch noch eine Lösung findet.“

Angelika Thierschmann: „Natürlich werden wir unseren Hof öffnen. Wir hier im Außenbereich sind ja wahrscheinlich ein bisschen weniger betroffen. Andererseits, wenn die Medien das publik machen, dass es kein Fest gibt, verirrt sich ja auch kein Besucher mehr auf die Höfe. In abgeschwächter Form wird es sicherlich auf den Obsthöfen und in den Außenbereichen ein Baumblütenfest geben. Ich befürchte nur, wenn das Fest jetzt für zwei Jahre abgeblasen ist, dass es bestimmt danach nicht wieder neu belebt wird. Doch die Baumblüte ist Werder, das Fest gehört einfach dazu! Ich finde die Entscheidung furchtbar und schade, dass es einfach so entschieden wurde. Wir werden auf jeden Fall etwas machen, in welcher Form ist noch unklar.”

Uwe Leo: „Wir waren geschockt über die Nachricht und hätten uns gewünscht, dass man uns eher Bescheid gibt, damit wir Obst- und Weinbauern darauf anderes hätten reagieren können. Andererseits sehen wir das auch als Chance für eine Veränderung zum Positiven. Wir werden trotzdem unseren Garten aufmachen und unseren leckeren Wein unter die Leute bringen.”

Petra Lack (Werder Frucht GmbH): Wir sind auch schockiert, dass das Baumblütenfest nach 140 Jahren in den kommenden zwei Jahren ausfallen soll. Wir sehen es als Imageschaden für unsere Stadt und finden es sehr schade, dass vorher niemand über die Entscheidung informiert bzw. in die Entscheidungsfindung einbezogen wurde. Ich glaube, die Folgen für die Obsthöfe und letztendlich für uns und unsere Stadt auch in der Außenwirkung sind noch gar nicht abzuschätzen und überhaupt nicht zu unterschätzen. Gerne bringen wir uns in entsprechende Aktivitäten ein, um das Werderaner Baumblütenfest ganz schnell wieder in einem würdigen Rahmen begehen zu können.

Hier haben wir die gemeinsame Pressemitteilung der Stadt Werder (Havel) mit dem Obst- und Gartenbauverein veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem, dass es vom Obstbauverein keinerlei Pläne für eine Demonstration gegen die Festabsage gebe. (wsw)