Regionaler, nachhaltiger und in den Höfen und Gärten

Die Ergebnisse der Online-Umfrage zur Zukunft des Baumblütenfestes ab 2021 wurden gestern im großen Saal der Bismarckhöhe präsentiert.

Etwa 80 WerderanerInnen haben gestern den Weg auf die Bismarckhöhe gefunden., Fotos: wsw

Werder (Havel), 11. Februar 2020 – Etwa 80 Werderanerinnen und Werderaner haben gestern Abend den Weg in den großen Saal der Bismarckhöhe gefunden, um die Ergebnisse der Online-Umfrage zur Zukunft des Baumblütenfestes ab 2021 zu erfahren. Alle Ergebnisse der Umfrage sind auch online einsehbar.


Insgesamt haben sich im Zeitraum vom 25. November 2019 bis zum 5. Januar 2020 5294 Personen aktiv an der Umfrage beteiligt, das entspricht ca. 23% der Werderaner Bevölkerung über 16 Jahren. „Die Ergebnisse sind ein Abbild der Menschen, die sich die Mühe gemacht haben, sich zehn Minuten Zeit für die Umfrage zu nehmen. Die Ergebnisse sind kein Abbild der Menschen, die nicht bereit waren, zehn Minuten ihrer Zeit zu ‘opfern’“, stellt Dr. Linus Strothmann fest. Der Referent für Einwohnerbeteiligung der Stadt Werder (Havel) hat in einer übersichtlichen Präsentation die Ergebnisse der Umfrage zur Zukunft des Baumblütenfestes präsentiert.

Die Ergebnisse der Online-Umfrage zeigen, dass wichtige Traditionen des Baumblütenfestes die blühenden Obstbäume (84%), der Verkauf von Obstwein aus der Region (83%) sowie das Feiern in den Gärten und Höfen (81%) sind. 17% zählen die Fahrgeschäfte ebenfalls zur wichtigen Tradition, 26% widersprechen und finden, dass die Fahrgeschäfte nichts mit Tradition zu tun haben. Am meisten stören die Teilnehmer der Umfrage der Alkoholmissbrauch der Jugendlichen, Gewalttätigkeiten und Drogenmissbrauch. Hier haben übrigens auch die Jugendlichen angegeben, dass sie den Alkoholmissbrauch ihrer Altersgenossen am störendsten finden. Die Umfrage-Teilnehmer finden Lärm und Straßensperrungen sowie die Schließung einiger Geschäfte zur Zeit des Baumblütenfestes grundsätzlich akzeptabel. Was jedoch gar nicht geht, sind überfüllt/dreckige Züge sowie eine erschwerte medizinische Versorgung.

Unter den eingegangenen etwa 2500 Freitextkommentaren findet sich hierzu folgender Kommentar: „(…) Die Häuser stehen hier auf der Insel sehr dicht beieinander! Es kommt so schnell keine Feuerwehr durch. Außerdem die med. Notfallversorgung für uns auf der Insel. Die Krankenwagen kommen so schnell nicht zu den Häusern bzw. zurück ins Krankenhaus. Es verstreicht kostbare Zeit, die evtl für das Überleben wichtig ist. Haben wir leider in der Familie erleben müssen. Famlienmitglied verstarb.“

Zusätzlich zu den Teilnehmern der Online-Umfrage gab es noch eine Kontrollgruppe. Als Kontrollgruppe wurden 250 Personen zufällig aus dem Melderegister gezogen. Diese bekamen die Umfrage in schriftlicher Form zugeschickt. 126 Personen haben teilgenommen. Um die Unternehmerperspektive mit einzubeziehen, wurde eine Umfrage unter Werderaner Unternehmen durchgeführt, an der sich 39 Unternehmen beteiligten .

Bürgermeisterin Manuela Saß zog am Ende der Präsentation folgende Schlussfolgerung: „Das neue Baumblütenfest in Werder soll ein Fest in Höfen und Gärten mit ergänzenden, dezentralen Angeboten werden.“ Diese Variante erhielt von den 5294 Umfrageteilnehmern die beste Bewertung. Die vier Varianten, die mit 0-5 Sternen bewertet werden konnten, waren:

V1 – Durchschnitt: 1,80 Sterne
Ein Baumblütenfest in Höfen und Gärten mit einem zentralen Festgelände AUSSERHALB der Innenstadt
(Dafür müssten in den kommenden Jahren ggf. zunächst Baurecht und Infrastruktur geschaffen werden.)

V2 – Durchschnitt: 2,30 Sterne
Ein Baumblütenfest, das in Bezug auf Bühnen und Fahrgeschäfte so bleibt, wie es in den letzten Jahren stattgefunden hat.

V3 – Durchschnitt: 2,80 Sterne
Ein Baumblütenfest in Höfen und Gärten mit ergänzenden dezentralen Angeboten
(z.B. Weinmarkt auf der Insel, kleine Fahrgeschäfte am Hohen Weg, Party für Jugendliche in der Bismarckhöhe etc.)

V4 – Durchschnitt: 2,35 Sterne
Ein Baumblütenfest in den Höfen und Gärten ohne größeres Festgelände, nur mit kleinen Bühnen

Unter denen, die eine andere Variante mit 5 Sternen bewerteten, war die Variante 3 jeweils die zweite „Wahl“. Diese Variante ist nicht nur die beliebteste, sondern gleichzeitig auch die am wenigsten unbeliebte Variante.

Wie die Variante 3 am besten umgesetzt werden kann, soll u.a. in den Workshops am 12., 13. und 14. Februar mit den Werderaner BürgerInnen diskutiert werden. Auf welche Flächen können Bühnen gestellt werden? Welche Fahrgeschäfte finden wo Platz? Wie können Anwohner der Insel entlastet werden? … Sie haben Vorschläge, Ideen oder Anregungen? Dann nehmen Sie an einem der Workshops teil und nutzen Sie Ihre Stimme!

Für die Zukunft wünschen sich die Werderaner ein Fest, das regionaler und nachhaltiger ist, wie die Umfrage zeigte. Die zehn beliebtesten Vorschläge für die Zukunft ab 2021 waren:

  • Mehrwegbechersystem
  • Bevorzugung regionaler Unternehmen
  • Einbeziehung hiesiger Gastronomen
  • gratis Trinkwasser
  • Regionalität als Grundsatz: bei Künstlern, bei Produkten, bei Angeboten
  • Zeiten wie bisher
  • Fest an Nachhaltigkeitsprinzipien ausrichten
  • Mindestpreise für alkoholische Getränke
  • Fest von Vereinen mit Stadt organisieren lassen
  • Fest von stadteigenem Betrieb organisieren lassen.

„Die Hälfte der Top-10-Vorschläge bezieht sich auf mehr Regionalität und Nachhaltigkeit“, so Bürgermeisterin Saß. „Das deckt sich mit den Vorstellungen für ein echtes und nachhaltiges Werderaner Baumblütenfest, die auch ich für die Zukunft habe.“ Und bereits in diesem Jahr sollen einige Vorschläge schon umgesetzt werden: „Was möglich ist, sollte man auch gleich tun.“

Was bereits jetzt durch die Stadt eingeplant wird:

• Mehrwegbechersystem
• Trinkwasserausgabestellen
• Ständevergabe priorisiert nach Regionalität, Nachhaltigkeit und passendem Angebot (keine „Ramschstände“)
• Selbstverpflichtung zum verantwortungsvollen Alkoholverkauf
• Mindestpreise für alkoholische Getränke
• Evaluation des neuen Konzeptes

Bürgermeisterin Saß lud die Werderaner dazu ein, an den Workshops teilzunehmen, die am 12., 13. und 14. Februar um 18 Uhr im Schützenhaus stattfinden (Anmeldung für einen der drei Workshops unter l.strothmann@werder-havel.de oder Tel. 03327-783 114). Dort sollen die Vorschläge aus der Umfrage mit den Einwohnern konkretisiert und mit Leben erfüllt werden. Es handelt sich um Wiederholungstermine mit jeweils demselben Ablauf, um möglichst vielen Werderanern die Teilnahme zu ermöglichen.

Die Workshops sind der letzte Schritt eines mehrstufigen Einwohnerbeteiligungsverfahrens zur Zukunft des Baumblütenfestes, das im November begonnen hatte. Nach den Workshops wird das komplette Einwohnerbeteiligungsverfahren dokumentiert. Die Dokumentation wird einer Fachagentur übergeben, die ein Basiskonzept für ein neues Blütenfest erstellt. Es soll danach diskutiert, überarbeitet und den Stadtverordneten zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

Im Anschluss möchten wir Ihnen noch ein paar der 2500 Freitextkommentare präsentieren:

„Die Stadt ist nur eine Kulisse für ein großes Besäufnis, das mit Werder eigentlich nichts zu tun hat.“

„Angebote können verändert werden, aber die Insel gehört zu Werder und der Rummel zum Fest. Möglicherweise eine Nummer kleiner, aber bitte keine NoGo Aerea ́s.“

„Das Baumblütenfest ist so beliebig geworden.“

„Wein sollte überhaupt nicht in Flaschen verkauft werden, nur Pfandbecher. Die Flaschen werden von vielen auf Ex geleert um vorzuglühen. Viele können die wirkung nicht einschätzen.“

„Üble Verräter aus der Stadtverwaltung enfernen! – Ratten weg! – Notfalls vergiften!“

„Noch bessere Anbindung der Plantagen (bspw. sollte der letzte Bus nicht schon um 17.00 Uhr fahren)“

„Extra Bereich für Kinder. Dort kein Alkohol; kreative Mitmachangebote. Baumblüte als Plattform für lokale Firmen und Organisationen, eventuell auch aus Potsdam.“

„Immer mal anders, ohne dass alle gleich durchdrehen und dann nach ein paar Jahren schauen, was sich bewährt hat.“

„Inselmarktplatz als wirklichen Markt für regionale Anbieter gestalten (ähnlich wie Schultzens Adventszauber auf dem Marktplatz damals). Bühne an der Regattastrecke mit täglich wechselndem Musikprogramm, damit alle Altersklassen in den Genuss dieser Lokation kommen!“

„Die schöne Insel sollte man nicht aus dem Programm ausschließen, da sie eine Perle dieser Region ist, natürlich muss man sie nicht überlaufen lassen.“

„Danke dass Sie eine Bürgerbeteiligung machen. Ich freue mich auf eine neue Ausrichtung des Festes weg von Saufgelage hin zu regional betonten, traditionellem Winzerfest mit Kultur.“

(wsw)