Rettungsplan für Werders Friedenseiche

Die prächtige Krone der Friedenseiche muss ab Freitag um etwa ein Drittel eingekürzt werden. Die Lichterkette, die die Eiche besonders im Advent geschmückt hatte, musste bereits abgebaut werden. Das nahe Licht könne sich negativ auf den Stoffwechsel des Baums auswirken. Foto: wsw

Werder (Havel), 25. Juli 2018 – Die Friedenseiche auf dem Markt in Werder (Havel) benötigt Hilfe, wie die Stadtverwaltung mitteilt. In den vergangenen Jahren sind in der Krone immer wieder Äste abgestorben. Die lange Trockenheit in diesem Jahr hat die Situation trotz intensiver Bewässerung weiter verschlimmert. Die Lebenskraft der Eiche lässt nach, erkennbar ist das auch an der lichter werdenden Belaubung. Ein Baumgutachten hat nun bestätigt: Ohne unterstützende Maßnahmen wird der alte Baum nicht mehr lange stehen.

Am Freitag, 27. Juli, werden deshalb umfangreiche Pflegearbeiten an der Eiche beginnen. Die prächtige Krone muss um etwa ein Drittel eingekürzt werden, um die „Transportwege“ innerhalb der Krone zu verkürzen, wie es im Gutachten des Sachverständigenbüros Roland Dengler heißt. Die Lichterkette, die die Eiche besonders im Advent geschmückt hatte, musste bereits abgebaut werden. Das nahe Licht könne sich negativ auf den Stoffwechsel des Baums auswirken.

Die Friedenseiche gehört zu den prächtigsten Bäumen in der Altstadt. Mit dem Markt bildet sie ein geschlossenes Ensemble, und das seit dem 19. Jahrhundert. Eine erste Eiche wurde nach dem deutsch-französischen Krieg am 12. März 1871 gepflanzt, als „Erinnerung an die großen Ereignisse“ und „aus Anlass des glorreichen Friedens“, wie es in einem in der Werder-Chronik veröffentlichten Verwaltungsbericht heißt. Sie war ein Geschenk des Petzower Rittergutbesitzers von Kaehne, vertrocknete jedoch. Unmittelbar darauf wurde eine neue Eiche „aus der Kämmerei-Forst“ gepflanzt – der heutige Baum.

In den 1990er-Jahren wurde der Marktplatz neu gepflastert, der Eichenstandplatz wurde dabei geschont. Doch seit den Trockenjahren 2003 und 2006 verschlechterte sich der Zustand des Baumes sichtbar. Historisch betrachtet ist es auch kein einfacher Standort für einen Baum, wie das Sachverständigenbüro herausarbeitete: Denn an eben dieser Stelle stand einmal das alte Rathaus der Stadt. Es wurde vor langer Zeit abgerissen, doch das Fundament wurde im Boden belassen und mit Abraum und Sand, später auch mit Humus aufgefüllt.

Umso wichtiger ist es, dass der schmale Bodenraum über dem alten Fundament Nährstoffe und Wasser an den Baum liefert. Im Gutachten werden jahreszeitliche Empfehlungen für Bodenverbesserungsmaßnahmen gegeben, die vom Fachbereich Grünflächen der Stadtverwaltung Werder in den nächsten Monaten schrittweise umgesetzt werden sollen.

Die gute Nachricht des Gutachterbüros: Die Eiche ist standsicher. Bei entsprechender Unterstützung werden ihre Zukunftschancen auf mindestens 15 bis 20 Jahre geschätzt. „Möglicherweise dauert die Reststandzeit noch länger an.“ Die Inselbewohner und Gäste würden es zu schätzen wissen. (hk/wsw)