Rot und süß und riesengroß

Werder (Havel) OT Glindow, 27. Mai 2020 – Die Sonne scheint und aus den Reihen glänzen uns dicke, saftige Erdbeeren an. Auf dem Feld von Heiko Wels in Glindow wurde gestern die offizielle Erdbeer-Freilandernte eröffnet.

„Die kalten Temperaturen der letzten Woche haben uns zwar noch einmal ein wenig zurück geworfen, aber die ersten Werderaner Freiland-Erdbeeren sind ab heute frisch und fruchtig zu haben“, erzählt Heiko Wels. Es sind die frühen Sorten Daroyal, Cherry und Alllegro, die uns aus den gefüllten Körben anlachen. Die Erdbeeren, die zu den Sammelnussfrüchten zählen, können auf dem Feld der Familie Wels in der Glindower Ziemensstraße in zwei Wochen auch wieder selbst geerntet werden. „Eigentlich wollten wir damit schon zu Pfingsten starten, aber die Früchte brauchen einfach noch einen Moment.“

Im gesamten Land Brandenburg werden auf ca. 360 Hektar von rund 70 Betreibern Erdbeeren im Freiland angebaut. „Die Zahl der Produzenten und der Anbaufläche an regionalen Erdbeeren ist in den letzten Jahren leicht rückläufig“, erzählt Dr. Reinhard Schmidt, der Vorsitzende des Obst- und Gartenbau e.V. Werder (Havel). Zu unsicher sei der Erfolg und es mangele an Erntehelfern. Und auch die Selbstpflücke sei nicht mehr ganz so gefragt, wie noch vor ein paar Jahren und Spätfröste machen den Bauern zu schaffen.

Zwar blieben die Erdbeeren in diesem Jahr verschont, aber u.a. Pflaumen, Äpfel, Kirschen, Stachel- und Johannisbeeren haben unter den Frösten der vergangenen Wochen, die auf der Glindower Platte nachts teils bei -7°C lagen, schon gelitten.

Zu Gast bei der offiziellen Eröffnung war neben dem 1. Beigeordneten Christian Große auch die amtierende Baumblütenkönigin Meike Löbe. Bei ihrem ersten offiziellen Termin im Amt strahlte sie mit der Sonne um die Wette und freute sich, die ersten Erdbeeren selbst pflücken und verkosten zu können.

Schon gewusst?

Vom Wald in den Garten
Erdbeeren gehören bereits seit der Steinzeit fest zum Speiseplan des Menschen. Ihre Geschichte zeigt, dass die unscheinbaren roten Früchte schon früh große Reisen gemacht haben. Denn schon mit der Entdeckung Amerikas kamen die ersten ausländischen Erdbeeren nach Europa. Die amerikanische Scharlach-Erdbeere wurde ein beliebtes Sommer-Obst und verdrängte die heimische Walderdbeere aus der Küche.

Die „normale“ Gartenerdbeere schließlich entstand um 1750 in Holland aus Kreuzungen zwischen der amerikanischen und einer chilenischen Erdbeerart. Doch damit war bei der Erdbeerzucht das Ende noch lange nicht erreicht. Inzwischen sind 1000 Sorten bekannt. Nur 15 bis 20 davon sind im Handel verbreitet. Ein guter Grund also, selbst Erdbeeren anzubauen. (wsw)