Rudern: Bundesliga macht Station an der Föhse

Hans-Jörg Dahl, Bürgermeisterin Manuela Saß, Sibylle Kumm-Kottke, Ulrike Hartmann und Klaus-Dieter Bartsch präsentierten das kommende Großereignis an Werders Regattastrecke: Die Ruderbundesliga gastiert am 9. Juni in der Blütenstadt. Foto: wsw

Werder (Havel), 24. Mai 2018 – Gleich drei Top-Ereignisse im Rudern erlebt die Blütenstadt Anfang Juni 2018. Am 2. und 3. Juni findet das jährliche beliebte und teilnehmerstarke German Masters statt. Am Mittwoch, dem 6. Juni, wird das Landesfinale  zum Bundeswettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ ausgetragen und das absolute Highlight wird schließlich der erste Besuch der Ruderbundesliga an der Regattastrecke am 9. Juni 2018 sein.

„Beim Fußball nennt man das englische Woche“, bemerkte die bekanntlich sportbegeisterte Bürgermeisterin Manuela Saß auf der gemeinsamen Pressekonferenz der Stadt und des Ruderklubs Werder 1918 e.V. gestern im Alten Rathaus. Auch der Ruder-Verein, der in diesem Jahr sein 100. Bestehen feiert, ist stolz, dieses große Event in der Blütenstadt zu bekommen. Dabei handelt es sich um den zweiten Renntag der Ruderbundesliga (RBL), die selbst mit großer Vorfreude darauf hinweist, dass die RBL erstmals in ihrer zehnjährigen Geschichte des „Ligazirkus’“ einen „Werderaner Renntag“ in der „Havel Arena“ austrägt. Die Teilnehmer der Pressekonferenz konnten sich da ein kleines Lächeln nicht verkneifen und bleiben beim eingeführten Namen „Regattastrecke“.

„Der Ruderklub wird in diesem Jahr 100 Jahre alt“, sagte Manuela Saß, „die Feier dazu wird aber erst Anfang Dezember zur damaligen Gründung stattfinden“. „Wir freuen uns außerordentlich, dass wir mit der Bundesliga ein bemerkenswertes sportliches Ereignis hier nach Werder bekommen – neben den ohnehin schon tollen Ruder-Veranstaltungen, die hier nicht nur den Sportlern Spaß machen, sondern auch den Gästen und Zuschauern“.

Christian Große, erster Beigeordneter, betonte ebenso, dass es ein Highlight werden wird. „Die Ruderbundesliga – wir hätten sie gern schon zur 700-Jahr-Feier hier bei uns gehabt, sind aber jetzt erfreut, sie zum 100. Jubiläum des Ruderklubs zu bekommen. Das wollen bestimmt auch viele Werderaner mal sehen“. Neben Brandenburg an der Havel sei die Regattastrecke eine der schönsten Strecken im Land Brandenburg, vielleicht sogar im Osten der Republik, so Große. Hier könne man auf den 350 Metern erleben, was man so auch bei olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften nicht sehen könne: „Achter im Sprint – das wird für alle ein beeindruckendes Erlebnis“. Bei den Damen treten neun Achter an, bei den Herren sind es 18.

Große dankte Werders Sportchef Klaus-Dieter Bartsch, denn auch die Organisation eines solchen Großereignisses sei ein „Highlight“. Er erinnerte zudem daran, dass die Initiative und der Beginn der Vorbereitungen dazu mal in einem Gespräch mit der verstorbenen Dr. Brigitte Ahrenholz kam. Die einstige Ruder-Olympiasiegerin war langjährige Vorsitzende des Ruderklubs. Der organisatorische und logistische Aufwand für den Ruderklub sei wirklich erheblich, so Große. Man müsse bedenken, dass das alles ehrenamtlich geleistet werde.

Klaus-Dieter Bartsch bezeichnete die German Masters am 2. und 3. Juni, die auch dank des  Engagement des Ruderklubs seit Jahren hier in Werder erfolgreich durchgeführt werden, als „Vorbereitung“ für die organisatorischen und logistischen Herausforderungen der RBL. Die Wettkampfbedingungen sind dank des neuen Start-Ziel-Hauses verbessert worden, so Bartsch. „Wir haben bereits die Seile im Wasser kontrolliert“, erläutert Bartsch, dass nach der Baumblüte, bei deren Abschlussfeuerwerk immer viele Boote in der Föhse ankern, manchmal etwas kaputt gehe. „In diesem Jahr ist nichts kaputt gegangen, wir können aufbauen“, freut sich Bartsch. Eine Algenbelastung sei bei der Kontrolle nicht zu erkennen gewesen. Im vergangenen Jahr musste die Havel-Ruderregatta im Herbst deshalb abgesagt werden.

Christian Große ergänzt, dass das neue Start-Ziel-Haus als Ersatzbau für die alte Holzhütte mit 350.000 Euro eine erhebliche Investition der Stadt in den Betrieb der Regattastrecke sei. Das Haus wird jedoch auch für andere Veranstaltung genutzt werden können, es verfüge über eine Plattform für die Kampfrichter, Beratungsräume, einem Zimmer für Ärzte und Mitglieder der Rettungsdienste sowie eine kleine Küche. „Der Außenbereich wird leider nicht ganz fertig werden“, so Große. Es sei momentan schwierig, Firmen zu bekommen. Innen sei der Zweckbau aber voll funktionsfähig. Die offizielle Eröffnung kündigte er für die Herbstruder-Regatta an.

Ein sehr großes Verkehrsaufkommen rund um die Insel sei natürlich zu erwarten. „Die Anwohner wurden von uns angeschrieben, darauf hingewiesen, dass es keine Parkplätze gibt und um Verständnis gebeten“, sagte Bartsch. „Da sind wir aber eigentlich geübt, weil wir das jährlich mit den German Masters und der Herbstruderregatta erleben. Wir danken den Insulanern für ihre Geduld“. Auf den Parkplätzen sind dann die Stellplätze für die Boote.
Hotels und Gewerbetreibende würden aber von den Veranstaltungen profitieren. Die Stadt stellt zudem Schlafplätze in den Sporthallen zur Verfügung. „Das wird eine tolle Veranstaltung“, kündigt Bartsch an und bittet alle Fans und Interessierten, mit dem Bus, dem Fahrrad oder zu Fuß zu kommen. „Es wird voll werden“. Zudem spielt der FC Viktoria am 9. Juni auch noch auf dem Arno-Franz-Sportplatz, informiert Bartsch in seiner Funktion als Vereinschef. „Dieses Spiel konnten wir nicht mehr umverlegen“. Aber auch das sei mit dem Ruderklub abgesprochen und logistisch vorbereitet.

Hans-Jörg Dahl, erfahrender Organisator und Kampfrichter bei Regatten, erläuterte, dass Werder nach Frankfurt die zweite Station in diesem Jahr der RBL sei. „Die Ruderbundesliga wurde gegründet, um den Vereinssport zu fördern“. Es sei besonders im Seniorenbereich schwierig, acht Leute für ein Boot zusammen zu bekommen. „Das ist eine Alternative auch für ehemalige Aktive oder neue Ruderer“, so Dahl. Es gebe in Deutschland rund 600 Rudervereine, ihn wundere immer, warum die Ärzte nicht viel mehr darauf hinweisen würden, dass Rudern nach Schwimmen eine der gesündesten Sportarten sein. Dahl selbst, Jahrgang 1937, holte rund 100 Siege für den Ruderklub der Blütenstadt, darunter den ersten Meistertitel für den Ruder-Klub im Vierer mit Steuermann und war viele Jahre Vorsitzender. Er bedankte sich im Namen des Vereins bei der Stadt Werder (Havel) für die besonders gute Zusammenarbeit und das neue Start-Ziel-Haus. In den 50er Jahren hätten die Wettkampfrichter beispielsweise auf einem W 50-Hänger gestanden. Seine Bitte am Rande: Er erhoffe sich zudem von den Freizeitkapitänen auf der Havel grundsätzlich mehr Rücksicht auf Ruderer.

In den Vorläufen werden bei der RBL in Werder die Zeitbesten ermittelt, dann werden die Boote je nach Zeiterfolgen eingestuft und messen sich dann im Achtel-, im Viertel-, Halb- und schließlich im Finale. „Jede der Mannschaften muss also mindestens viermal an den Start gehen“. Dem Zeitplan zufolge beginnt das Zeitfahren um 10 Uhr, 12 Uhr sind die Achtelfinale angesetzt, 12.45 Uhr die Viertelfinals, 15 Uhr die Halbfinals, im Finale dann – bei dem alle Boote nochmal aufs Wasser müssen – wird der Sieger ab 17 Uhr ermittelt. Ab 18 Uhr gibt es die Siegerehrungen.

Abends wird gefeiert: In der Pirschheide findet die so genannte offizielle „After Row“-Party der RBL statt. Zu der werden die Aktiven mit Shuttle-Bussen gefahren und in den frühen Morgenstunden wieder abgeholt – eine dankenswerte Aktion der Stadt Werder (Havel). Die Party ab 22 Uhr ist aber öffentlich, wer mag, kann mit den Ruderern feiern. Am nächsten Tag muss die Regattastrecke bis 10 Uhr geräumt sein. Denn, wie Ulrike Hartmann vom Ruderklub ergänzte, am folgenden Sonntag trägt dann auch noch die brandenburgische Ruderjugend ihre Rennen aus, um sich für den Bundeswettbewerb in München zu qualifizieren. „Die reisen auch schon am Samstag an und übernachten in Sporthallen, um sich die Ruderbundesliga anzuschauen – das sieht man ja nicht alle Tage“. Hartmann ist ebenfalls eine erfolgreiche ehemalige Ruderin, die inzwischen als Trainerin und Wettkampfrichterin tätig ist.

Einiges Gewusel ist also vor und auf der Insel zu erwarten, bei der RBL in Frankfurt (Main) waren immerhin zehntausend Zuschauer an der Strecke – die Stadt Werder (Havel) und der Ruderklub verlassen sich auf erfahrende Ordner, die schon an der Inselbrücke stehen werden. „Alle Aktiven haben im Vorfeld alle relevanten Informationen zu den Gegebenheiten erhalten“.

„Grundsätzlich ist so eine Veranstaltung ohne die Unterstützung der Stadt nicht möglich“, konstatierte Dahl abschließend. Zudem würde sich der Hauptsponsor Herbstreith und Fox mit 50 Prozent der Kosten für den Ruderklub sehr großzügig engagieren. Der Sponsor wird gemeinsam mit der Bürgermeisterin und der Baumblütenkönigin die Siegerehrung vornehmen.   (wsw)