Schon bald bequem mit dem Rad über den Großen Zernsee

8,8 Millionen Euro soll sie insgesamt kosten und voraussichtlich ab 2022 befahrbar sein: Baustart für die Rad- und Fußwegbrücke über den Zernsee ist für Juni geplant

Potsdam – Werder (Havel) – Schwielowsee, 5. Februar 2021 – Jeder, der schon einmal mit dem Fahrrad nach Wildpark-West gefahren ist, kennt den nicht einmal anderthalb Meter breiten Steig aus bröckelnden Betonplatten entlang der Eisenbahnbrücke, den man nehmen muss, um über den Großen Zernsee zu gelangen. Zuvor muss man jedoch das Fahrrad erst noch die Treppen emporbuckeln. Doch schon bald soll das ein Ende haben!

Angekündigt wurde die Rad- und Fußgängerbrücke bereits für Ende dieses Jahres. Doch nach der notwendig gewordenen erneuten Ausschreibung ist nun geplant, den Zuschlag für das Bauprojekt bis Ende März 2021 zu erteilen. Damit könnten die Bauarbeiten vor Ort Ende Juni 2021 beginnen. Die Fertigstellung ist derzeit für Mitte 2022 geplant. Zuvor sind bauvorbereitende Schritte notwendig.

Wo Neues entstehen soll, muss meist Altes weichen – das Alte sind hierbei 314 Bäume, die gefällt werden müssen, davon elf Einzelbäume. Die restlichen Bäume sind als sogenannte „Feldgehölzfläche“ eingestuft. Die Baumfällungen und Gehölzarbeiten sind Voraussetzung für den Start des Baus im zweiten Quartal dieses Jahres. Diese Arbeiten werden in der vegetationsarmen Zeit vom 15. bis zum 27. Februar 2021 durchgeführt. Es wird aus Sicherheitsgründen zu Einschränkungen und zeitweiligen Sperrungen der Wegeverbindungen kommen, teilte die Landeshauptstadt Potsdam mit.

Als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für die Fällung der Einzelbäume werden insgesamt 21 Einzelbäume im Umfeld des Radweges gepflanzt, weitere neun Bäume in Wildpark-West. Weiterhin werden neben den Pflanzungen vor Ort Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im naturnahen Raum durch 1,1 Hektar Waldumbau in Ferch und 2,1 Hektar Waldrandumgestaltung in Ferch-Beelitz durchgeführt.

Bei der Planung und dem Bau von Brücken und Wegen spielen Umweltbelange eine besonders wichtige Rolle. So wird der Verlauf der Wegstrecke so angepasst, dass hochwertiger und empfindlicher Baumbestand geschützt wird. Es wird Anpassungen hinsichtlich Kurvenradien, Höhenlagen, Baustellengrenzen und des Baufeldes geben. Ein Bauzaun von circa 600 Meter wird Gehölzbestände schützen; für 65 Bäume ist Einzelbaumschutz vorgesehen.

Für eine besonders alte und schützenswerte Kastanie wird die Wegeführung in Höhe und Lage an den Wurzelbereich des Baumes angepasst. Zusätzlich wird ein System aus Stützen, das luft- und wasserdurchlässig ist, den Baum vor mechanischen Belastungen schützen. Weitere Maßnahmen sind zum Beispiel auch für die geschützte Zauneidechse während der Bauzeit vorgesehen, ebenso wie für Brutvögel, Fledermäuse, Biber und Insekten. Diese wurden als Voraussetzung für die geplanten Bautätigkeiten bereits eingeleitet.

Die Rad- und Fußwegbrücke über den Großen Zernsee ist ein gemeinsames Projekt der Landeshauptstadt, der Stadt Werder (Havel) und der Gemeinde Schwielowsee. Die neue Brücke soll parallel und südlich zur vorhanden Brücke der Deutschen Bahn AG verlaufen. Sie wird den heute vorhandenen und viel zu schmalen Gangsteg auf der Bahnbrücke ersetzen. Auch die Treppentürme wird es zukünftig nicht mehr geben.

Die Brücke wird als leichte Stahlkonstruktion aus einem dreifeldrigen Stahlüberbau mit einer Gesamtstützweite von 110 Metern bestehen. Es ist geplant, die Geh- und Radwege zur Brücke im Zweirichtungsverkehr in drei Metern Breite mit Beleuchtung auszubauen. Durch möglichst geringe Längsneigungen und Zwischenpodeste wird die Brücke von den Wegen aus barrierefrei erreichbar sein. Auf dem Brückenbauwerk wird die Nutzbreite vier Meter betragen; an zwei Stellen wird es Aussichtskanzeln mit Sitzmöglichkeiten als Ausweichstellen geben. Die circa ein Kilometer langen Wegeanbindungen nach Werder und Potsdam sowie zu den Ortsteilen Geltow und Wildpark-West der Gemeinde Schwielowsee sind ebenfalls Bestandteil des Gesamtprojekts.

Mit den Planungen für dieses umfangreiche Projekt wurde im September 2017 begonnen. Nach Abschluss der Entwurfsplanung konnte im Februar 2019 mit der Genehmigungsplanung aufgenommen werden. Die Genehmigung und damit das Baurecht liegen nach Klärung mit allen Beteiligten und den Lösungen für die vielfältigen Genehmigungserfordernisse seit September 2020 vor.

Gefördert wird das Projekt als eine wichtige Maßnahme im Rahmen des Stadt-Umland-Wettbewerbes (SUW) durch Fördermittel des Landes Brandenburg und der Europäischen Union mit Mitteln des „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) aus dem Förderprogramm für „Nachhaltige Entwicklung von Stadt und Umland (NESUR) – Infrastruktur“. Bei dem Förderprogramm sind bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten zuwendungsfähig.

Die übrigen Kosten sind anteilig durch Eigenmittel der beteiligten Kommunen zu decken. Derzeit wird von ca. 8,8 Millionen Euro Gesamtkosten ausgegangen, von denen ca. 6,5 Millionen Euro durch Fördermittel finanziert werden. In den Gesamtkosten enthalten sind neben den Baukosten und Kosten für die Wegeanbindungen auch Kosten für Planung und Baugrunduntersuchungen sowie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. (wsw, lp, wh)

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