„Schule des Lebens“ soll im August starten

Die Initiatoren der Schule des Lebens mit ihren Kooperationspartnern. Foto (3): wsw

Werder (Havel), 28. Mai 2018 – Gestern war wohl einer der heißesten Sonntage im Mai – dennoch kamen über 50 Interessierte in die Mielestraße 2, um sich die Räumlichkeiten der „Schule des Lebens“ anzuschauen und sich informieren zu lassen.

Die Initiatoren konnten gestern gleich mehrere gute Nachrichten verkünden. So hat die Schule von der GLS-Bank die Zusage über die Finanzierung des Kredites für die ersten drei Jahre des Schulbetriebes sowie für den Erwerb eines Grundstückes im Werderaner Ortsteil Glindow erhalten. Andrea Tichy vom Trägerverein Schule des Lebens Potsdam e.V. und zuständig für Finanzen: „Wir haben die mündliche Zusage erhalten. Jetzt werden die Verträge gefertigt. Ich denke in einer Woche können wir unterschreiben. Damit haben wir den ersten Meilenstein geschafft.“ Mit dem Käufer sei man jetzt über den Kaufpreis einig, sobald die Bauvoranfrage beschieden sein, würde der Kaufvertrag unterschrieben.

Die Schule des Lebens hat ihre Räumlichkeiten in der Mielestraße 2.

Vier Kooperationspartner vorgestellt

Außerdem stellte der Trägerverein Schule des Lebens Potsdam e.V. die ersten vier Kooperationspartner vor. Das sind der Traumfänger e.V. in Werder, das wissenschaftliche Mitmachmuseum Extavium in Potsdam, die Kampfsportschule Kazoku-Budo-Dojo in Werder sowie die Schwimmschule Potsdam.

Von großen Schwierigkeiten waren die vergangenen Wochen für die Initiatoren geprägt, aber auch von großen Erfolgen, wie Nadine Arndt, Vorstandsvorsitzende des Trägervereins Schule des Lebens Potsdam e.V. berichtet: „Diese vier Partner helfen uns die geforderten Ziele des Rahmenlehrplans im Sport und in Naturwissenschaften erfüllen zu können. Trotz enormer Bemühungen haben wir weder Zeiten in einer Turnhalle in Werder bekommen, noch war es möglich, uns in einen Fachraum für Nawi, also in ein Chemielabor einmieten zu können. In der Kampfsportschule und im Traumfänger haben wir tolle Bewegungsräume. Das Extavium ist alles andere als eine Notlösung für den Nawi-Unterricht. Hier wird Chemie und Physik im Alltag vermittelt. Das entspricht voll unserem Konzept einer Schule mitten im Leben.“ Zudem könnten dort alle rahmenlehrplanrelevanten Experimente durchgeführt werden.

In der benachbarten Kampfsportschule würden auch die zehn Judoregeln gelten, eine davon laute „Sorge dafür, dass Dein Partner wächst, nur dann kannst Du selbst wachsen“. Auch das gehöre zum demokratischen Miteinander an der Schule des Lebens. Die Freiheit der Schüler, das zu lernen, wann sie wollen, mit wem sie wollen und wo sie wollen, hätte ja Grenzen – nämlich da, wo die Freiheit eines anderen beschnitten würde. Wo die anfange und aufhöre, könne man nicht vorgeben – das sei genau der Prozess, den die Kinder hier täglich erleben würden.

Die Erfolge der Partnersuche seien auch Beleg dafür, dass es möglich sei, andere Wege zu finden. Das Gute an dieser Erfahrung sei, dass man aufgrund der engen Grenzen, die durch die Vorgaben des Ministeriums gesetzt wurden, quer denken musste. Das sei auch etwas, was man den Schülern mitgeben wolle: andere Lösungen finden, alternative Lösungen finden, nicht beim ersten ‚das geht nicht‘ aufgeben, sondern quer zu denken.

Alle Kooperationspartner bieten den Informationen zufolge darüber hinaus Projekte an, die die Schüler der demokratischen Schule frei wählen und gestalten können.
Bernd Neumann, Vorstand des Traumfänger, einem Werderaner Verein für Tanz, Sport, Spaß und Kreativität: „Wir erhoffen uns von der Partnerschaft neue Kursteilnehmer und wir wollen Jugendliche in die Verantwortung bringen, indem sie selbst jüngeren Schülern Kurse geben und sogar ihre C-Lizenz machen können.“ Nadine Arndt: „Genau so etwas wollen wir unseren Schülern ermöglichen. Dass sie sich im wahren Leben ausprobieren und Erfahrungen – vielleicht für ihren späteren Beruf – sammeln können.“

Die Schwimmschule Potsdam stellt mit Steffen Ulbricht den Trainer für den Schwimmunterricht und gestaltet eine Projektwoche am Glindower See. Der Schwimmunterricht wird in der Geltower Schwimmhalle stattfinden. Auch hier gelte, dass es dabei vorrangig um Erfahrungen, Spaß und Spiel im Wasser geht. Aber auch die Techniken werden vermittelt.

Genehmigung durch das Ministerium erst im Juni

Der Mietvertrag über die neun Räume mit einer Fläche von 347 Quadratmetern beginnt am 1. Juni. Noch steht der Bescheid über die Nutzungsänderung aus.
Mit der Genehmigung für den Schulbetrieb kann der Trägerverein nach Rücksprache mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport erst im Juni rechnen.

Freie Plätze

Seit Mitte Mai laufen die Elterngespräche für die Auswahl der ersten Schüler. Im Oberschulbereich für die Jahrgangstufen 7 und 8 gibt es noch freie Plätze.
Auf der Suche ist der Trägerverein nach einem Sonderpädagogen bzw. einer Sonderpädagogin sowie nach Menschen, die ihren Bundesfreiwilligendienst oder ein Praktikum absolvieren wollen.

Bürgen gesucht

Unterstützung braucht der Verein in Form von Bürgschaftsgebern. Die ersten drei Jahre werden freie Schulen in Brandenburg nicht bezuschusst und müssen einen Kredit aufnehmen. Gesichert wird das 500.000 Euro-Darlehen durch viele Kleinbürgen. Die Schule des Lebens Potsdam braucht 167 Unterstützer, die für je 3000 Euro bürgen. Möglich sind aber auch geringere Summen. (wsw)


Die Schule des Lebens Potsdam ist eine freie demokratische Schule und soll ihren Betrieb im August 2018 aufnehmen. Der Verein hat die Genehmigung einer Oberschule mit integrierter Grundschule als Ersatzschule in freier Trägerschaft beantragt. Begonnen wird mit zehn Kindern der Jahrgangsstufe 1 bis 3 und zehn Jugendlichen der Jahrgangsstufe 7 und 8. In den ersten vier Jahren wird pro Jahr um je zehn Schüler aufgestockt. Bei Vollauslastung lernen später 150 Kinder und Jugendliche an der Schule.

Die Schule des Lebens Potsdam lehnt sich an das Konzept der 1968 gegründeten Sudbury Valley Schule in den USA an. Als Mutter aller Demokratischen Schulen gilt Summerhill in England, das 1921 von A.S. Neill gegründet wurde. Mittlerweile gibt es weltweit mehr als 200 Demokratische Schulen. 14 sind es in Deutschland. Die bekanntesten sind die Kapriole in Freiburg und die Netzwerkschule Berlin. Hinsichtlich der Gestaltung der demokratischen Prozesse ist jede dieser Schulen anders. Gleich ist: In einer Demokratischen Schule bestimmen die Kinder und Jugendlichen was sie wie und wann lernen möchten.