Schule des Lebens sucht einen neuen Standort

Werder(Havel), 28.Februar 2022-

Werder (Havel) – „Am Anfang stand die Idee, einen Raum zu kreieren, in dem sich Kinder mit Erwachsenen zu verschiedenen Themen austauschen, lernen, sich gegenseitig inspirieren und wertfrei und ohne Angst entfalten können.” So lassen sich die Eindrücke zusammenfassen, die man bekommt, wenn man die Schule des Lebens besucht. Seit dem 20. August 2018 stellt sie eine alternative Form des Lernens für die Klassen 1 bis 10 in Werder dar.

Die Räume sind sehr offen gestaltet, klassische Reihen aus Tischen und Bänken gibt es nicht. Dafür aber Regale und Kisten, die mit gebastelten Werken der Kinder und vielem Lernmaterial, wie Buchstaben aus Holz und verschiedenen Bausteinen gefüllt sind. Das Fühlen und Anfassen beim Lernen spielt hier eine große Rolle. Während am Freitagnachmittag bereits Ruhe in die Räumlichkeiten eingekehrt ist, treffen wir uns mit Isabel Schmiga und Sven Holm zum Interview und sprechen über die Suche nach neuen Räumlichkeiten.

Isabel Schmiga ist Künstlerin und hat als Quereinsteigerin in der Schule mit angeschlossenem Hort angefangen und begleitet die Schüler*innen der Unterstufe bei den Themen Kunst, Schreiben und betreut in den Werkstattzeiten. Sie erklärt, dass es hier zwar Lehrer*innen mit dem zweiten Staatsexamen gibt, diese aber nicht als Lernbegleiter fungieren.

Die Kinder wählen frei aus den Angeboten und werden dabei nicht benotet. Zum aktuellen Zeitpunkt sind noch nicht alle Jahrgänge besetzt. “Wir bereiten die Schüler*innen auf den Abschluss in der 10. Klasse vor, der derzeit als sogenannte Nichtschülerprüfung erfolgt. Irgendwann soll der Abschluss bei uns auch abgelegt werden können. “, erklärt sie.

Die Hierarchie an der Schule des Lebens ist flach. Die Lernbegleiter stehen nicht wie bei klassischen Schulformen über den Schülern, sondern nehmen eine unterstützende Position im Lernprozess der Kinder ein. Ihre Aufgabe ist es den Kindern beim Reifen zu helfen und gute Bedingungen für das selbstmotivierte Lernen aus eigenem Antrieb zu schaffen. Während des Unterrichts verstehen sich die Begleiter als Selbstlernende und wollen das Lernen zusammen mit den Kindern erleben. Auf diese Weise wird eine Gleichwürdigkeit zwischen Schüler*innen und Lernbegleitern geschaffen.

Dass die Kinder Annahme und Bindung während ihrer Zeit in der Schule erfahren, hat hier eine hohe Priorität. Auch die Elternbeteiligung am Schulgeschehen der Schule des Lebens ist sehr wichtig und durchaus Teil des Konzepts. Natürlich ist auch den Eltern daran gelegen, dass schnellstmöglich neue Räumlichkeiten gefunden werden, die das Fortbestehen der Schule nachhaltig sichern. Der 51-jährige Familienvater Sven Holm ist einer der engagierten Eltern, die sich neben dem Leitungsteam bemühen die dringend benötigten Räumlichkeiten zu finden, damit die derzeit 34 und auch zukünftige Schüler*innen weiterhin einen Ort zum Entfalten haben. „Ich habe bereits viele Kontakte geknüpft, konnte bisher jedoch leider noch keinen Erfolg verzeichnen.“

Die Räume, in denen die Schüler*innen aktuell noch lernen, waren von Anfang an nur als Übergangslösung geplant. Einmal hat der derzeitige Vermieter das Mietverhältnis zwar schon aufgrund einer fehlenden Alternative verlängert, jedoch ist dies in Zukunft leider nicht mehr möglich. Grund dafür ist die Rücksicht auf die anderen Mieter des Bürokomplexes in der Mielestraße. Die Räumlichkeiten sind so gelegen, dass die Schüler*innen teilweise durch den Hausflur, vorbei an den Büros der anderen Mieter laufen müssen, um zu ihren Klassenräumen zu gelangen. Dabei ist es nicht immer einfach leise zu sein, um die Nachbarn nicht zu stören. Um den Schulbetrieb auch zukünftig zu sichern sucht das pädagogische Team nun schon seit einer Weile nach neuen Räumen, in denen

die Kinder bessere Bedingungen haben. Die Schule wünscht sich für die Zukunft ein Gebäude mit einem Außenbereich zum Spielen und genug Räumen, um Bildungsplätze für bis zu 80 Schüler*innen anbieten zu können.

“Es wäre ideal, wenn das Gebäude so groß ist, dass besonders
die handwerklichen Kurse von den anderen Fächern gut getrennt werden könnten. Aufgrund der aktuell eng beieinander liegenden Räume ist die Lernatmosphäre leider nicht optimal”, so Isabel Schmiga. Grundsätzlich muss das Gebäude genug Platz bieten und in näherer Zukunft verfügbar sein. Ohne eine offizielle Lernstätte würde die Schule aus der staatlichen Förderung herausfallen und müsste schließen. Die Schüler*innen wären gezwungen sich einen neuen Schulplatz zu suchen.

Wer der Schule des Lebens weiterhelfen kann, einen Tipp oder selbst passende Räumlichkeiten hat, kann sich unter finanzen@ schule-des-lebens-potsdam.de oder 0163-7446054 bei der Gründerin der Schule Andrea Tichy melden. Wir hoffen, dass schnell ein neuer Standort gefunden werden kann. (wsw)