Sehen, was Fontane gesehen hat

Fotoausstellung „Fontane+“ in der Petzower Dorfkirche bis 22. September

Werder (Havel) OT Petzow, 8. August 2019 – Die Werderaner Fotografin Andriotta A. Wodak zeigt noch bis 22. September 2019, sehr detailreiche monochrome Fotografien aus der Petzower Region. Die Schinkel-Kirche in Petzow wurde für ihr Fotoprojekt als Zentrum gewählt und mit einem Zirkelschlag von etwa 1500m ein Kreis auf der Karte geschlagen. Innerhalb dieses Gebietes hat sich die Fotografin in unzähligen Exkursionen bewegt.

Ihr Markenzeichen ist die schwarz/weiß Fotografie, die sich auf Kontrast und Form reduziert und damit die Bildinformationen unabgelenkt an den Betrachter weiter gibt. Ihre Arbeiten sind frei jeglichen neuzeitlichen Einflusses, Sinnbild einer natürlichen Ungestelltheit und Ausdruck ihrer inneren Haltung. Das Bewusstsein der Vergänglichkeit aller Dinge und ein sanfter Unterton von Melancholie und Traurigkeit bewirken Kontemplation und Sensibilität beim Betrachten ihrer Fotografien. Auf Collage ähnlichen Hängeflächen zeigt sie uns scheinbar zusammengehörende Details einer Region, die wir mit heutigen schnellen Fortbewegungsmitteln nur noch schwer zu Gesicht bekommen. Sie nimmt damit auf ihre Art den Faden zu Theodor Fontane auf, der akribisch Details aus historischen Aufzeichnungen, Geschichten und Sagen, Hinweisen, Unterwegs-Gesprächen und damit lokales Erfahrungswissen sammelte. Mit der Veröffentlichung der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ erhob er die karge Landschaft der brandenburgischen Streusandbüchse zur deutschen Kulturlandschaft.

Die Fotografin stellt auch Fontane selbst in Frage, der sich oftmals nur „gehörtem“ und „gesagtem“ bediente und viele Beschreibungen mit eigenen Augen nicht gesehen und erlebt hat. „Das Beste ist fahren … fahren nur nicht laufen“ schreibt er an seine Frau Emilie. Zu Fuß hat er in den seltensten Fällen mehr als fünf Kilometer zurückgelegt. Fontane hatte seine Begründung darin, dass seine Raumverdichtung durch schnelle Verkehrsmittel durchaus in die weitläufige märkische Sandwüste passe. In solchen Äußerungen zeigt sich der moderne großstädtische Tourist, der er vorwegnehmend zu seiner Zeit schon war.

Viele der in der Ausstellung gezeigten fotografischen Motive sind heute so alt, dass Fontane sie vor 150 Jahren selbst wahrgenommen und erlebt haben könnte. Nur hat die Fotografin, für die Petzow seit ihrer Kindheit magische Anziehung ausübt, den Ort und die Umgebung immer wieder neu erwandert, erkundet, entdeckt, erspürt, gesehen und in Fotos und Gedanken festgehalten. In der Ausstellung wurde bewusst auf die Benennung des Motivs und seiner Lage verzichtet, um die teils schwer zugänglichen Objekte auch zukünftig ungestört in ihrem natürlichen Umfeld zu belassen.

Insgesamt zeigt sich die Kirche in Petzow in einem sehr festlichen, dem 200. Jahr Fontanes würdigen, Gewand. Die Oppenheimer Zeichnerin und Plastikerin Carmen Stahlschmidt hat eigens für den Raum bis zu sechs Meter lange, handgezeichnete Banner geschaffen, die ebenfalls die Themen Fontanes am Schwielow wiedergeben und frei im Kirchenraum von der Decke hängen.

Die Ausstellung „Fontane+“ ist bis zum 22. September immer Samstag und Sonntag von 12 bis 17 Uhr zu besichtigen, als Steigerung des Genusses empfiehlt sich eine Besteigung des Kirchturmes mit dem Rundblick in die märkische Landschaft am Schwielow. (f.w.)