Stadtwald-Konzept in die Ausschüsse verwiesen

Bürgermeisterin Manuela Saß kündigt Bürgerbeteiligung bei der Umgestaltung des Werderaner Stadtwaldes an.

Konzeptstudie Stadtwald Werder (Havel). Quelle: Institut für kommunale Sportentwicklungsplanung An der Fachhochschule für Sport und Management Potsdam der Europäischen Sportakademie Land Brandenburg

Werder (Havel), 17. Dezember 2018 – Seit rund 50 Jahren wird in Werder (Havel) über die Gestaltung des Stadtwaldes diskutiert – das Konzept des Instituts für kommunale Sportentwicklungsplanung der Fachhochschule für Sport und Management Potsdam wurde auf der jüngsten Stadtverordnetenversammlung in die Ausschüsse verwiesen.

Der 1. Beigeordnete Christian Große 2016 entschuldigte die Verspätung des Entwurfes. Der Antrag der Stadtverordneten für ein Konzept datiert aus 2016 zur Haushaltsplanung 2017/18. „Das ist eine Konzeption – und unsere Aufgabe wird es als Verwaltung sein, ihren Beschluss – wenn sie ihn fassen – umzusetzen“. Der Stadtwald sei aufgrund seiner Lage in einer Trinkwasserschutzzone kein einfaches Gebiet, so Große. Bauliche Maßnahmen müssten je nach Planungen noch geklärt werden. „Selbst Versiegelung von bestimmten Wegen kann dann in bestimmten Teilen rechtlich nicht möglich sein“.

Bürgermeisterin Manuela Saß kündigte an, dass die Studie auch öffentlich der interessierten Bürgerschaft vorstellt werden soll, eine Beteiligung sei vorgesehen.
Das Konzept sieht vor, eine Stätte der Bewegung und Begegnung zu schaffen, die auf die Bedürfnisse der Bewohner Werders sowie die umliegende Bebauung Rücksicht nimmt.
Entgegen den traditionellen Sportanlagen, die häufig dem Schul- und Vereinssport vorbehalten seien und eher den Wettkampfsport fokussierten, sollen der Studie zufolge im Stadtwald kreativ gestaltete Sportstätten und Bewegungsräume entstehen.

Nachfolgend einige Auszüge aus der Studie:

Die Wege

Der Hauptweg (Am Fichtengrund) soll ausgebaut werden. Das beinhaltet eine LED-Beleuchtung und eine Gestaltung als barrierearme sowie für Pflegefahrzeuge befahrbare Strecke mit wassergebundener Wegedecke. Die Einfahrten sollten durch versenkbare oder Kipp-Poller geschlossen werden.

Für eine Durchwegung von der Stadt zum Großen Plessower See und dem Strandbad sollen zwei Nebenwege ausgebaut werden. Die Nebenwege und ein Rundweg sollten ebenso barrierearm errichtet werden. Sie müssen allerdings nur begehbar sein. Die Oberfläche kann ebenso wie der befahrbare Hauptweg in wassergebundener Wegedecke hergestellt werden.

Sowohl der Haupt- als auch die Neben- und der Rundweg(e) sollten mit Bänken und Abfalleimern ausgestattet werden.

Die kleineren untergeordneten Wege sollen ihren Charakter als Waldwege behalten. Tatsächlich würde es zum Teil reichen, Trampelpfade bestehen zu lassen und die Wege nicht freizuschneiden. Selbst umgestürzte Bäume müssen nicht entfernt werden, sondern können naturnah überwunden oder umgangen werden.
Vorhandene Steigungen sollten nach Möglichkeit mithilfe von Baumstämmen oder Holzbalken abgestuft und gesichert werden.
Diese Wege können die bisher voneinander getrennten Fernwege miteinander verbinden.

Die Pflanzen

Man sollte den Stadtwald landschaftspflegerisch betreuen (Kiefern, Buchen, Eichen). Des Weiteren sollte der Wald in einem natürlichen und lebendigen Zustand belassen werden. Aus diesem Grunde sollten Schäden, Totholz und umgestürzte Bäume nur entfernt werden, wenn sie stören oder Gefahren für Parkbesucher sind.

Bänke / Aussichtspunkte

Die vorhandenen Bänke sollten modernisiert, gesichert und regelmäßig kontrolliert werden. Die bestehenden Aussichtspunkte sollten freigeschnitten und das Angebot durch Zusätzliche im Nordosten erweitert werden.

Stellplätze

Es gibt bereits einen kleinen wilden Pkw-Stellplatz im Elsebruchweg. Ein weiterer Stellplatz könnte am Weg Am Stadtpark nahe der Deponie errichtet werden. Beide sollte man be- festigen und sichern.

Beschilderung

Ein wichtiger Aspekt für die Nutzung und die Erschließung des Stadtwaldes ist die Beschilderung. Nicht nur die verschiedenen Plätze und „Attraktionen“, sowie die Durchwegungen und Richtungen und die Routen zu den Wanderwegen sollten aus- geschildert werden. Die Beschilderung beinhaltet auch den Naturlehrpfad und Hinweisschilder an den Sport- und Bewegungsgeräten.

Laufstrecken

Der Stadtwald wird anlässlich des alljährlichen Baumblütenfestes als Austragungsort des Baumblütenlaufs genutzt. Darauf aufbauend werden die Wege als Laufstrecken ausgebildet und markiert. Markierungen können verschiedenartig erfolgen: Beschilderung oder je nach Belag Linierung oder Plaketten am Boden. Dadurch entsteht die Möglichkeit, je nach Bedarf verschiedene Längen zu gehen oder zu rennen und zu kombinieren.

Hundesport

Die derzeit starke Nutzung des Stadtwaldes durch Hundehalter sollte durch weitere Angebote ausgebaut werden. Die Hundewiese im Bestand wird vergrößert und eingefrie- det. Hinzu kommen dann noch Hindernisse und Elemente eines Hundeparcours. Darüber hinaus könnte sich auch der Hundesport in Form von Cani Cross auf den Laufstrecken etablieren.

Trendsport

Der Skatepark in der Freilichtbühne ist schlecht positioniert. Südlich der ehemaligen Deponie mit dem eingefriedeten Hundeplatz könnte eine Sportfläche für verschiedene junge und Trendsportarten entstehen. Das Gelände bietet gute Voraussetzungen für einen Pumptrack den Radfahrer (BMX) wie Skater gleichermaßen nutzen können. Darüber hinaus sollten Calisthenics-Elemente und Möglichkeiten für Slacklines angeboten werden.

Disc Golf

Mit Start nördlich des Hundeplatzes und einem Verlauf durch den gesamten westlichen Bereich des Stadtwaldes werden Körbe für einen Disc Golf Kurs angeboten. Je nach Nachfrage werden zunächst fünf Körbe errichtet, die sukzessive bis zu einem 18-Korb-Kurs erweiterbar sind.

Rodeln

Da der aktuelle Rodelberg auf einer wichtigen Verbindung liegt, die zu einem der Nebenwege umgestaltet werden soll, muss Ersatz gefunden werden. Richtung Wohngebiete, im östlichen Bereich, nahe dem Heldenhain liegt ein Hang, der zum Rodelhang umfunktioniert werden könnte. Er ist länger und breiter, hat mehr Gelände und einen längeren Auslauf. Um den Anstieg attraktiver zu gestalten wird für den Winter die Errichtung ein Mini-Schlepplift oder eine langstufige Treppe angeregt.

Ruhe

Die Ruhebereiche liegen in den tiefsten östlich gelegenen Bereichen des Parks. Hier befinden sich der Fischteich mit Zulauf aus einer natürlichen Quelle und der Heldenhain. Diese kontemplativen Orte dienen der Ruhe und Besinnung. Der Heldenhain bleibt als Ort der Mahnung und des Gedenkens erhalten, bedarf aber einer Qualifizierung.

Der Bereich um den Teich soll geordnet und bepflanzt werden. Der Zulauf und die Quelle wird ebenso wie der Uferbereich freigelegt und mit Feldsteinen gestaltet. Der Ablauf und die Umgebung werden mit Farnen, Buchen und Bambus bepflanzt. Beide Areale erhalten Bänke, Abfalleimer und Beleuchtung.

Kultur

Es wird vorgeschlagen die Freiluft- bühne als solche zu reaktivieren. Dieses Amphitheater ist ein Alleinstellungsmerkmal des Werderaner Stadtwaldes. Wichtig sind Beleuchtung, Abfalleimer und eine barrierearme und rollstuhlgerechte Zuwegung.

Naturlehrpfad

Da der Stadtwald als gesunder, natürlicher Wald nicht der forstwirtschaftlichen Nutzung untersteht, bietet sich als pädagogischer Aspekt ein Naturlehrpfad an. Er könnte auch geschichtliche Themen beinhalten.

Bewegung & Begegnung

Um beide Konzept-Teile zu kombinieren werden „Lichtungen“ ausgebildet. In diesen Waldlichtungen treffen verschiedene Bewegungselemente für unterschiedliche Zielgruppen aufeinander und erzeugen einen Begegnungsraum.
In jeder Lichtung wird ein generationsübergreifendes Spiel- und Bewegungsangebot geschaffen. Das Design der Spielgeräte korrespondiert mit dem Thema des Waldes, der sie umgibt. Die Nutzung von Holz als Hauptmaterial garantiert eine verspielte und naturnahe Haptik. Die Bewegungs- und Fitnessgeräte spiegeln in Design und Material ihre Funktionalität sowie die auf Simplizität ausgerichtete sportliche Effizienz wieder und bilden dadurch einen Kontrast zu den verspielten, hölzernen Spielgeräten.
Die exakte Lage der Lichtungen sowie der Geräte und der Ausstattung auf den Lichtungen richtet sich nach dem Baumbestand. Im Idealfall werden die Geräte in das Gelände eingebettet.

Das ausführliche und bebilderte Konzept können Interessierte hier nachlesen. (wsw)


Bürgerbeteiligung beim Projekt Stadtwald erwünscht

Werder (Havel), 6. Dezember 2018 - Die Umgestaltung des Stadtparkes oder Stadtwaldes - wie auch immer man die Grünanlage, die einst aus einem Tonabbaugebiet...

Konzept für den Stadtwald