Start der Freiland-Erdbeersaison auf dem Obsthof Kolkwitz-Löggow in Glindow

Tamara Thierschmann und Kerstin Kolkwitz, Fotos: wsw

Werder (Havel) OT Glindow, 15. Juni 2021 – Während sich der sonnige Junidonnerstag von seiner besten Seite zeigt, sitzen wir unter einer Schatten spendenden Eiche. Vor uns stehen zwei köstliche Erdbeerkuchen, der frische Kaffee dampft in der Tasse. Ein gut gefüllter Korb voll duftender Erdbeeren lädt zum Naschen ein.

Wir sind auf dem Obsthof von Kerstin und Christian Kolkwitz-Löggow in Glindow und lassen uns gemeinsam mit Bürgermeisterin Manuela Saß, Baumblütenkönigin Tamara Thierschmann und Dr. Reinhard Schmidt vom Werderschen Obst- und Gartenbauverein den selbstgebackenen Kuchen und die Erdbeeren aus eigener Ernte schmecken. Die Früchte sind süß, saftig, knallrot und ihr aromatischer Duft macht Appetit auf mehr!

Der Grund unseres Besuchs ist der offizielle Start der Freiland-Erdbeersaison in Werder (Havel). „Es war gar nicht so leicht, einen geeigneten Hof für den Saisonstart zu finden“, verrät Dr. Reinhard Schmidt. „Nicht mehr viele Mitglieder unseres Vereins bauen Erdbeeren an. Umso mehr freuen wir uns, dass wir nach 2019 bereits zum zweiten Mal auf dem Obsthof Kolkwitz-Löggow zu Gast sein dürfen.“

Erst vor rund zehn Jahren haben Kerstin Kolkwitz und Christian Kolkwitz-Löggow mit dem Obstbau als Haupterwerb angefangen. Zu dem aktuell etwa 11.000 m2 großen Hof hat das Paar vor Kurzem eine ebenso große Fläche auf der gegenüberliegenden Straßenseite gepachtet. „Wir möchten gerne unsere Erdbeerpflanzen – immerhin 20.000 Stück an das Zahl – auf das neue Land umsetzen, damit sich der Boden ein paar Jahre erholen kann“, erklärt Christian Kolkwitz-Löggow. Perspektivisch ist auch ein Hofladen geplant, in dem neben den Erdbeeren auch die hofeigenen Pfirsiche, Pflaumen, Quitten, Sauerkirschen, Zucchini, Gurken, Tomaten, Kräuter, Rhabarber und grüne Bohnen angeboten werden sollen.

Seit sieben Jahren verkaufen Kerstin und Christian Kolkwitz-Löggow ihre Ware in der Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg. „Die ersten Erdbeeren verkaufen wir da schon beim Auspacken“, lacht Kerstin Kolkwitz, die selbst auf einem Obsthof groß geworden ist. „Wir sind in Kreuzberg eine tolle Werbung für die Blütenstadt.“ Angefangen haben die beiden mit einem Tapeziertisch, heute misst der Stand gute 12 Meter in der Breite. Immer samstags und dienstags fährt das Paar mit seinem vollgepackten Transporter in die Hauptstadt. „Montag und Freitag stehe ich den ganzen Tag auf dem Feld und pflücke die Erdbeeren sowie das andere Obst für den Verkauf“, so Kerstin Kolkwitz weiter.

Bei einem Rundgang über den Hof fragen wir uns, wie zwei Menschen alleine diese viele Arbeit eigentlich schaffen. Doch Hilfe von außen möchten die beiden nicht. Die Ernte der empfindlichen Erdbeeren ist nicht einfach, die Früchte bekommen schnell Druckstellen. „Ich pflücke dann doch lieber alleine, ehe ich Zeit dafür aufwende, jemand anderen anzulernen”, gibt Kerstin Kolkwitz zu. Bei 20.000 Erdbeerpflanzungen braucht es auch eine gewisse Routine, die die Obsthof-Besitzerin einfach innehat.

Von Januar bis März steht das Ehepaar Kolkwitz-Löggow nicht in der Markthalle, genug zu tun gibt es aber zu jeder Zeit. „Ich habe in den ersten drei Monaten des Jahres fast mehr gearbeitet als in der Saison“, erinnert sich Christian Kolkwitz-Löggow. Seine Frau entgegnet: „Dafür konntest du aber Mittagsschlaf machen!“ „Aber nur, wenn ich ihn vorher bei dir beantragt habe“, kontert der Obstbauer schmunzelnd. Bei den beiden stimmt einfach die Harmonie. Und das ist – neben den unglaublich leckeren Erdbeeren – wahrscheinlich die wichtigste Zutat ihres Erfolgsrezeptes. (wsw)

Stadthelden kaufen lokal

Bereits im Januar kann man in unseren Supermärkten Erdbeeren kaufen. Diese sehen zwar aus wie Erdbeeren, schmecken jedoch meist nach wenig. Doch leider gibt es immer wieder Verbraucher, die auch bei eisigen Temperaturen einen Erdbeerkuchen essen möchten. Dies hat jedoch fatale Folgen für die sonnigen Herkunftsregionen der Erdbeeren.

Die meisten Erdbeeren kommen aus dem trockenen Süden Spaniens. Erdbeeren zählen jedoch zu den Früchten, die viel Wasser benötigen. Wer selbst schon einmal auf dem Balkon oder im Garten Erdbeerpflanzen hochgezogen hat, weiß, wie durstig Erdbeeren sind. Ungefähr 300 Liter Wasser werden für die Herstellung von einem Kilo Erdbeeren verbraucht. (Quelle: WWF)

In Deutschland kann der Wasserbedarf zu einem großen Teil aus „grünem Wasser“ (Niederschläge) gedeckt werden, in Spanien sieht die Bewässerung anders aus. Dort muss für die Bewässerung „blaues Wasser“ aus Bewässerungsanlagen zugeführt werden – gespeist aus Grundwasserreserven, die immer weiter zur Neige gehen. Schätzungsweise 70 Prozent der gebohrten Brunnen sind illegal und sorgen für einen dramatisch sinkenden Grundwasserspiegel. (Quelle: Naturfreunde.de)

Erdbeeren aus Spanien werden in unseren Märkten nur deshalb jederzeit so günstig angeboten, weil auf Kosten von Mensch und Umwelt gespart wird. Das mag vielleicht ökonomisch attraktiv sein, nachhaltig ist es nicht und einen faden Beigeschmack haben die spanischen Erdbeeren sowieso.