Summ, summ, summ – Bienchen summ herum!

Auf einem 2,7 Hektar großen Acker haben 150 Inselschüler Saatgut für Wildkräuter und Blumen verteilt.

Kleine Löcher buddeln, mit Saatgut füllen und dann mit Erde bedecken, damit die Vögel die Samen nicht wegfuttern - Die Kinder haben ihre Aufgaben mit großer Sorgfalt erledigt, Fotos: wsw

Werder (Havel) OT Töplitz, 10. April 2019 – Als wir gestern um kurz vor 10 Uhr vor dem Göttiner Ortseingang ankommen, tummeln sich dort bereits viele aufgeregte Schülerinnen und Schüler der Inselschule Töplitz. In ihren Händen befinden sich kleine Tütchen mit Saatgut für Wildkräuter und Blumen, das auf einem großen Acker verteilt, zu einer schönen Blühwiese heranwachsen und zahlreichen Insekten als Nahrungsquelle dienen soll.

Der 2,7 Hektar große Acker gehört Bauer Eckard Hennig. Die Töplitzer Bauern Schramm und Hennig schaffen in Zusammenarbeit mit der Jagdgenossenschaft Töplitz und dem Forum Natur Brandenburg schon länger mit Blühflächen Rückzugs- und Nahrungsflächen für Insekten, Niederwild und die Vogelwelt.

Hennigs betreiben einen Vierseitenhof mit Milchkühen in vierter Generation. Seit zehn Jahren ist dem Hof eine überregional bekannte Käserei angeschlossen, die von der Tochter, Daniela Hennig, betrieben wird. Bauern seien heute viel pauschaler Kritik ausgesetzt, sagt Daniela Hennig. „Das liegt zum Teil auch daran, dass wir viele Dinge tun, ohne großartig darüber zu reden.“ Doch wenn es sich um so ein tolles Projekt handelt, sollte man natürlich darüber reden. Unterstützt wird das Projekt vom Forum Natur Brandenburg e.V. und Töplitzer Jagdgenossen. „Wir würden uns freuen, wenn unser Beispiel im Sinne des Wortes Schule macht“, so Daniela Hennig.

Als Daniela Hennig von ihrem Sohn, der die erste Klasse der Inselschule besucht, von einem Bienenprojekt der Schule erfuhr, bot sie der Schule an, das Projekt gemeinsam etwas größer anzulegen. Der Acker ihres Vaters war hierfür ideal. Und so konnte es, als alle 150 Schüler der Inselschule Töplitz am vereinbarten Treffpunkt ankamen, auch gleich losgehen. Werders Bürgermeisterin Manuela Saß begrüßte die Aktion, bei der die Schüler viel über die heimische Flora und Fauna lernen und etwas für den Natur- und Klimaschutz tun könnten.

In Klassen unterteilt, eroberten die Schülerinnen und Schüler mit ihren Saatguttüten den kahlen Acker und hörten interessiert zu, wie sie die Samen am besten in der Erde verteilen. Mit Feuereifer buddelten die kleinen Hände Löcher für das Saatgut. Bauer Hennig streute danach weitere heimische Wildkräutersamen mit der Drillmaschine aus.

Die Inselschüler werden jetzt ihren Wildblumenacker bis zum Herbst betreuen und die Veränderungen in Projekten dokumentieren. Die Projekte werden dann bei einer Veranstaltung in der Turnhalle vorgestellt und die besten drei sollen prämiert werden.

Auch die Kindergartenkinder aus Töplitz haben sich den Artenschutz auf die Fahne geschrieben. Im Mai wollen sie im Ort Blühstreifen anlegen.

Die Stadt selbst ist auch im Insektenschutz aktiv. So seien eine Reihe von Straßen in den Ortsteilen und Außenbereichen in das Projekt „ökologische Randstreifenpflege“ aufgenommen worden. Es läuft erfolgreich seit vier Jahren. Die Straßenränder werden nicht mehr regelmäßig gemäht, sondern unter ökologischen Gesichtspunkten bewirtschaftet.

Voraussichtlich in diesem Jahr werde die Stadt einen zweiten Versuch starten: In zwei innerstädtischen Straßenabschnitten der Phöbener Straße und der Straße An den Havelauen sollen statt robuster Rasenmischungen Blühstreifen an den Straßenrändern ausgesät werden.

Auch bei den Bauern Hennig und Schramm ist es in diesem Jahr nicht mit dem Blühacker vor dem Göttiner Ortseingang getan: Insgesamt wollen die beiden in diesem Jahr 15 Hektar Blühflächen anlegen. (wh, wsw)