Tagespflege in Werder & Groß Kreutz

Werder(Havel), 13.Februar 2023- Ist Ihnen auch schon aufgefallen, das die kleinen Bollerwagen, in denen Tagesmuttis oder Tagesvatis ihre kleinen Schützlinge spazieren fahren, immer seltener im Stadtbild zu sehen sind?!

Das liegt daran dass die Zahl der Tagespflegepersonen in den letzten Jahren rasant abgenommen hat. Waren es vor zehn Jahren noch 38 sind es heute noch gerade mal elf in Werder, und auch in Groß Kreutz ist ein starker Rückgang zu verzeichnen. Das liegt zum einen an den gestiegenen Auflagen des Jugendamtes Potsdam Mittelmark und zum anderen an den, in den letzten Jahren stark ausgebauten Kitaplätzen in der Stadt. Die Tagespflegepersonen haben heute zunehmend Probleme, ihre Gruppen auszulasten und das sorgt für finanzielle Ängste.

„Wir betreuen maximal fünf Kinder, meist zwischen null und drei Jahren, und erhalten unsere Entlohnung für jedes Kind einzeln“, erzählen uns die zehn Kollegen, die wir bei ihrem Stammtisch treffen. Die Arbeit erfolgt dabei auf Selbstständigenbasis- die Anzahl der Kinder ist dabei gedeckelt. Befinden sich nur drei anstatt fünf Kinder in der Betreuung, reicht die Entlohnung meist nicht einmal aus, um die Kosten zu decken. Der Arbeitsaufwand bleibt jedoch der selbe. Umso wichtiger ist es für die Pflegepersonen, dass die Gruppen möglichst ausgelastet sind und eine verlässliche Planung für finanzielle Sicherheit sorgt. In der Regel findet der Wechsel in eine Kita ab dem dritten Lebensjahr statt. Grundsätzlich dürfen Kinder bis zum sechsten von den Tagespflegepersonen betreut werden. Die Entscheidung, wie lange ein Kind in diesem kleinen Rahmen betreut werden soll, ist ganz individuell und kann je nach Typ unterschiedlich ausfallen.

In den Gruppen geht es sehr familiär zu, es wird gemeinsam gespielt, gebastelt und es werden Ausflüge unternommen. Und das Schöne: dabei kommt kein Kind zu kurz, denn die Tagesmütter und -väter kennen ihre Schützlinge genau und wissen, wer welche Bedürfnisse hat und können individuell darauf eingehen. Hier haben die Kinder eben nur eine Bezugsperson, die auch nicht wechselt und das schafft Vertrauen.

Gerade für Kinder, die vielleicht etwas ruhiger und schüchterner sind, ist das perfekt. Schließlich ist der Rahmen einfach überschaubarer und innerhalb der Gruppen gibt es weniger Gerangel um Aufmerksamkeit. Sogar die Sprachentwicklung kann von den kleineren Gruppen profitieren. „Das ist wirklich das Schönste an unserer Arbeit. Wir können uns voll und ganz auf die Kinder einstellen und bauen eine sehr innige Bindung auf. Besonders die kleinsten Kinder benötigen noch viel Nähe und fühlen sich in kleineren Gruppen einfach sicherer“, sind sich alle einig. Davon profitieren natürlich auch die Eltern, denn der Austausch findet täglich statt. So wird an kleinen Herausforderungen gemeinsam gearbeitet oder die Freude über einen neuen kleinen Meilenstein geteilt.

Die Betreuung der Kinder findet in den meisten Fällen bei den Tagespflegepersonen zu Hause statt. Und der Tag beginnt hier früh, denn auch um das leibliche Wohl der kleinen Raupen wird sich hier natürlich selbst gekümmert. Es gibt täglich frisch gekochtes Essen und der Alltag ist altersgemäß an den einer Familie angelehnt. Frühstück, Mittagessen und Vesper – also Vollpension. Übrigens sind Tagespflegepersonen natürlich auch ausgebildet, besuchen im Jahr zwei Fortbildungen und absolvieren regelmäßig einen Erste-Hilfe-Kurs für Kleinkinder. Die meisten der Tagesmuttis und -vatis haben jahrelange Erfahrung und gestalten abwechslungsreiche Tage für die Kinder.

Nach einem Kennenlernen wird der Vertrag zwischen den Eltern, der Pflegeperson und der Gemeinde geschlossen. Die Elternbeiträge entsprechen dabei genau dem gleichen Satz wie in einem Kindergarten und sind nicht etwa höher. „Viele Eltern denken, dass die Betreuung bei uns teurer ist. Dem ist aber nicht so. “ Das Angebot der Tagespflege ist ein gleichrangiges Angebot zur Kita. Wer sich für einen Platz in einer Tagespflege interessiert, kann sich entweder bei der Stadt oder direkt bei den Pflegepersonen um einen Platz bewerben. Eine Liste aller „Mini-Kitas“ finden Sie auf den Seiten der Stadt Werder (Havel). (wsw)

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