Therme vor dem Zeitplan: Eröffnung vor Weihnachten möglich

Werder (Havel), 17. Juni 2020 – Es war warm am gestrigen Dienstagabend, auf dem Arno Franz Sportplatz schwitzte die 1. Männermannschaft des Werderaner FC, auf der Regattastrecke schlenderten zahlreiche Familien mit einem Eis in der Hand und genossen einen lauen, ja mediterran anmutenden Sommerabend. 

Und dieses Gefühl wird sich nun höchst wahrscheinlich schon ab Anfang Dezember ganzjährig in unserer Blütenstadt erleben lassen, wenn keine unvorhergesehenen Verzögerungen mehr eintreten. Aufgrund des derzeitigen Standes am Bau der Haveltherme schätze man die Wahrscheinlichkeit einer solchen Störung jedoch relativ gering ein. 

Die Corona-Krise habe das Team um Generalunternehmer Andreas Schauer gut gemeistert, erzählt er im vollen Sitzungssaal des Schützenhauses, in dem sich die Mitglieder des Badausschusses gestern Abend trafen. Natürlich gab es durch Corona auch Leistungsstörungen, wie z.B. Material, das durch die Grenzschließung nicht geliefert und Personal von ausländischen Subunternehmen, das nicht einreisen konnte. 

„Wir haben schnell reagiert und uns noch vor dem Shut-Down gekümmert, um sicherzustellen, dass es keine großen Verzögerungen im Ablauf gibt.“ Die entstandenen Corona-Mehrkosten, die z.B. durch den Ersatz der ausländischen durch inländische Arbeitskräfte und Fachfirmen und Hygiene-Maßnahmen entstanden sind, schätze Schauer auf rund 750.000 Euro. Eine schwerwiegende Verzögerung wichtiger Gewerke hätte nicht nur weitaus höhere Mehrkosten, sondern auch eine Gefährdung des vertraglich zugesicherten Eröffnungstermins nach sich gezogen.  

Wie mit den Mehrkosten verfahren werden solle, überlässt Schauer den Mitgliedern des Badausschusses. „Ich wünsche mir auch weiterhin eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Stadt als Bauherrr und hoffe auf eine solidarische Entscheidung mit dem Umgang der Mehrkosten seitens des Badausschusses.“

Einige Badausschussmitglieder konnten sich bereits am 15. Juni ein Bild über den Baufortschritt machen und wurden umfassend über die Attraktivierungsmaßnahmen, die zusätzlich zum vertraglichen Mindest-Standard verbaut wurden, informiert. Ein großer Kamin, teurere Fliesen, eine zusätzliche Ebene im Thermenbereich und ein Multifunktionsraum, der an den Sportbereich angegliedert sein wird, um z.B. von Vereinen genutzt werden zu können, sind nur einige von zahlreichen Verschönerungen. 

Diese Entscheidungen habe die Schauer & Co. getroffen, um die Attraktivität des Standortes langfristig für die Zukunft zu sichern. Die rund 4 Millionen Euro Investitionskosten hierfür kommen aus der eigenen Tasche des zukünftigen Betreibers, der die Therme nach Fertigstellung von der Stadt pachtet. 

Inbegriffen sind hier auch die Neuausrichtungen bei der Planung der Seesauna, die bis dato noch nicht genehmigt wurde. Nach vielen Gesprächen mit den zuständigen Behörden haben diese nun signalisiert, dass das neue, gemeinsam erarbeitete Szenario in Kürze eingereicht werden kann. Der ursprünglich geplante Saunasteg mit Pontons und Saunaaufbauten soll durch ein schiffbares Fahrgastschiff, das am Steg anlegen kann, auf ein Minimum überbauter Wasserfläche reduziert werden. Derzeit prüfe die Schauer & Co. ob ein altes Fahrgastschiff um- oder ein gänzlich Neues gebaut werden solle. Mit einer Reederei wurden erste Verhandlungen aufgenommen und die Stadt arbeite derzeit an einem Konzept für die von der Unteren Naturschutzbehörde geforderten Kompensationsmaßnahmen für den Stegbau.  

Selbstverständlich legte auch die Firma PST ihren Bericht vor. Bis dato wurden rund 12 Millionen Euro seitens der Stadt investiert. Einkalkulierte Puffer für verdeckte Baumängel wurden bis jetzt nicht angefasst, obwohl bereits Altlasten der Kristall Bäder AG durch die Schauer & Co. behoben wurden. Anhand einer Grafik mit vielen Balken erläuterte Herr Kulczak die Terminplanung des weiteren Baus. Grün bedeutet alles im Plan, orange bedeutet leichte Verzögerung, die jedoch keine Gefährdung des vertraglichen Öffnungstermins mit sich ziehen. Die Signalfarbe rot steht für einen kritischen Ist-Stand, in der Grafik ist diese  Farbe jedoch nur in der Legende zu finden. 

Geplanter Wohnungsbau 

Direkt neben der Therme würde die Schauer & Co. gerne Wohnungen bauen, um mit den integrierten Mikro-Appartements den zukünftigen Mitarbeitern mietgünstigen Wohnraum bieten zu können. „Wir haben zahlreiche duale Studenten, die wir auch an allen Standorten einsetzen möchten, die Unterbringung ist da ein echtes Problem.“ Ob das Grundstück von der Stadt gekauft oder gepachtet werde, sei nebensächlich, da man nicht beabsichtige, Wohnungen zu verkaufen. 

Die erforderliche B-Plan Änderung müsse natürlich im Bauausschuss erörtert und von der SVV beschlossen werden. Eine eher langfristige Planung, deren Umsetzung heute noch in den Sternen steht. 

„Aktuell fokussieren wir uns auf die Therme und deren Fertigstellung, arbeiten mit Hochdruck daran und sind guter Dinge, den Werderanern mit der Eröffnung ihrer Haveltherme im Dezember 2020 ein Weihnachtsgeschenk machen zu können“, freut sich Andreas Schauer.

Drücken wir also die Daumen, dass keine weitere Corona-Welle einen Strich durch diese Rechnung macht. (wsw)