Tunnelprojekt im Ausschuss vorgestellt

Statt der Deutschen Bahn AG wird die Stadt Werder (Havel) selbst die Baulastträgerschaft für den neuen barrierefreien Fuß- und Radwegtunnel am Bahnhof übernehmen.

Eine Lösung für das Tunnelprojekt scheint jetzt gefunden. Foto: wsw

Werder (Havel), 15. November 2018 – Seit vielen Jahren kämpft Werders Stadtverwaltung an einer Lösung für das „Projekt Tunnel“. Nun scheint man wieder ein großes Stück weiter gekommen zu sein. Gestern Abend stellte Frank Schmidt, Dezernatsleiter Planung beim Landesbetrieb Straßenwesen, den Vorschlag im Bauausschuss von Werder (Havel) vor. Demnach wird als erstes die Autobahnbrücke im Kemnitzer Bereich für die Umleitung des Verkehrs erneuert, dann der Tunnel für die Radfahrer und Fußgänger gebaut um schließlich mit der Unterführung an der jetzigen Schranke zu beginnen.
Zuvor gab es Anfang der Woche ein Gespräch zwischen Bauministerin Kathrin Schneider und Bürgermeisterin Manuela Saß.
Der Bahnübergang in Werder ist laut Landesangaben der am stärksten frequentierte Bahnübergang im Landesstraßenbereich. Die Schrankenanlage ist täglich bis zu elf Stunden geschlossen.

Im Hintergrund gab es seit längerer Zeit viele Bemühungen der Verwaltung. Im September hatte die Bürgermeisterin in einem offenen Brief Brandenburgs Verkehrsministerin Schneider aufgefordert, „den Tunnel zur Chefsache“ zu machen. Anfang der Woche gab es nun ein Gespräch zwischen Ministerin Kathrin Schneider und Bürgermeisterin Manuela Saß. Dabei wurde vereinbart, dass statt der Deutschen Bahn AG die Stadt Werder (Havel) selbst die Baulastträgerschaft für den neuen barrierefreien Fuß- und Radwegtunnel am Bahnhof übernehmen wird.

Das Land könne neben ihrem Anteil die Stadt Werder bei dem auf acht Millionen Euro teuren Bau auf diese Weise mit Fördermitteln unterstützen, erläuterte am Abend im Bauausschuss Christian Große, 1. Beigeordneter. Die Bahn würde entlastet, sie hatte eine finanzielle Beteiligung an diesem Tunnel abgelehnt. Gleichzeitig wird die Stadt bei den Planungen für die Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes und auch beim Bau eines zweiten Parkhauses in der Nähe der Luisenstraße vom Land unterstützt. Für den geplanten Kraftfahrzeugtunnel im Verlauf der L 90 bleibt es jedoch bei der gesetzlichen Drittelfinanzierung von Land, Bund und Bahn.

„Für die Verkehrsteilnehmenden in Werder ist das eine gute Lösung. Allen, die mit dem Rad fahren oder zu Fuß gehen, steht zukünftig der neue Tunnel unter dem Bahnhof zur Verfügung, Autos und LKW werden, wo sich heute noch die Bahnschranken befinden, durch einen zweiten Tunnel geleitet. Jetzt kommt es darauf an, die Planungen zügig zu Ende zu bringen, damit die Umsetzung Anfang der 20er Jahre starten kann“, kündigte Ministerin Schneider an.

„Ein Ende der langen Wartezeiten an der Bahnschranke ist das wichtigste verkehrspolitische Thema in Werder (Havel). Stadt und Land haben die Hürden, die von der DB Station & Service AG  zuletzt gesehen wurden, beseitigt, damit endlich mit dem Planfeststellungsverfahren begonnen werden kann. Das Mobilitätskonzept der Stadt kann nun weiter entwickelt werden. Die Havelauen können endlich zu einem zeitgemäß angebundenen Stadtteil von Werder werden“, sagte Bürgermeisterin Saß.

In Vorbereitung auf das Planfeststellungsverfahren hatte sich gezeigt, dass der Platz für einen neuen Tunnel am Bahnübergang nur für Kraftfahrzeuge ausreichen wird. Deshalb wird wie berichtet ein zweiter Tunnel unter dem Bahnhof für Fußgänger und Radfahrer gebaut, der zukünftig auch den barrierefreien Zugang zum gegenüberliegenden Bahnsteig ermöglicht. Auch bei Besucherandrang, wie beispielsweise beim jährlichen Baumblütenfest, können die Besucherströme dann besser und sicherer geleitet werden.

Wie Frank Schmidt gestern bei der Vorstellung sagte, handele es sich um ein anspruchsvolles Projekt. „Eine Unterführung ist nicht einfach ein Loch unter der Straße“, bezog er sich auf den Tunnel an der L90. Die dortigen Häuser müssten neu erschlossen werden, jeder Eigentümer müsse auf sein Grundstück kommen. Zudem befinde man sich im Grundwasserbereich – entsprechende bauliche Vorkehrungen müssten beachtet werden. Gebaut werden könne nur unter Vollsperrung. Die Deutsche Bahn hätte im Bauzeitraum nur zwei Gleise in Betrieb. Viele Voraussetzungen müssten vor Baubeginn erfüllt sein – alle seien bauzeitbestimmend. Eine Voraussetzung ist beispielsweise die Umleitung. Dafür müsse, bevor es überhaupt mit dem Tunnel losgeht, die Brücke über die Autobahn im Kemnitzer Bereich neu gebaut werden.

Ebenso kompliziert sei die Situation der in diesem Bereich befindlichen Radwege – alle müssten in die Planungen einbezogen werden. Unter anderem deshalb wird auch der Tunnel für die Radfahrer und Fußgänger noch vor der Unterführung der Gleise errichtet.

„Wir haben keine Lösung für den vorhandenen Tunnel gefunden“, so Schmidt. Das Bauwerk stamme aus 1930, aus Stampfzement errichtet. Zwar hätte es Instandsetzungen gegeben, dennoch sei dieser Tunnel nicht „zukunftsträchtig“, stellte Schmidt fest. Der neue Tunnel, der nun nach hinten versetzt am Ende der Gleise neu errichtet werden soll, solle eine Breite von neun Metern haben, kündigte er an. Auch er stellte noch einmal fest, dass man trotz intensiver Gespräche mit der Bahn keine Lösung gefunden hätte. Die Bahn wird sich nicht finanziell an diesem Bau beteiligen.

Hatten wir heute genau vor einem Jahr berichtet, dass der Tunnelbau 2022 begonnen werden soll, kündigte Schmidt gestern an, dass mit Entwurfsplan dafür im 1. Quartal des kommenden Jahres zu rechnen ist. Die Planungen seien aber dann schon recht detailliert, so Schmidt. Er wisse aber, dass nach den rechtlichen Vorschriften dann noch alle Behörden, Verbände und Bürger beteiligt werden müssen. „Das kann ein oder auch drei bis vier Jahre dauern“. Allein die Bahn brauche drei Jahre Vorlaufplanung für die während der Bauzeit entstehenden Bahnpausen aufgrund des fehlenden Gleises. Er könne sich beim besten Willen nicht auf ein Jahr der Eröffnung festlegen. Allein die Bauzeit für den Tunnel veranschlagte er mit fünf Jahre. Christian Große versicherte, dass die Beteiligung 2019 starten solle. Die Stadt wolle das Projekt mit aller Kraft anschieben.

Eigentlich war ein Tunnel für Fahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger im Bereich des jetzigen Bahnübergangs geplant. Da es jedoch trotz aller Bemühungen nicht möglich war, die nötigen Flächen in diesem Bereich durch die Stadt Werder (Havel) aufzukaufen, mussten die Planungen verändert werden. (wsw)

Bebauungsplan nicht erforderlich

Weder ein B-Plan noch eine so genannte Veränderungssperre sind für den Tunnelbau erforderlich. Das bestätigte Frank Schmidt gestern im Bauausschuss. Anja Spiegel von der SPD-Fraktion Werder (Havel) hatte im Frühjahr die Bürgermeisterin für Verzögerungen beim Tunnelbau verantwortlich gemacht, weil sie keine Veränderungssperre über das Planungsgebiet des Tunnels gelegt habe. Sie warf der Bürgermeisterin damals vor,  nicht reagiert zu haben, nachdem in einem entsprechenden Gespräch Frank Schmidt eine Veränderungssperre „dringend empfohlen“ hätte.
Das habe er nie gesagt, so Frank Schmidt gestern auf entsprechende Nachfrage.
Die Bürgermeisterin hatte wie hier berichtet auf die Vorwürfe reagiert. „Hätte eine Veränderungssperre der Kommune auch nur ansatzweise zur Beschleunigung beigetragen, so wäre sie längst durch die Stadtverordneten verabschiedet worden“, so Saß. Es gab keine behindernden Neubauprojekte in allen der Stadt bekannten Trassenvarianten für den Tunnel, informierte die Bürgermeisterin. „Auch in der aktuell diskutierten und nunmehr dritten Planungsvariante stehen keine Neubauten im Weg.“ (wsw)

Stehen an geschlossenen Schranken - in Werder (Havel) ein leidiges Problem. Foto: wsw