Über eine halbe Million Glasaale wurde heute von Werder aus in die Havel gesetzt

Werder (Havel), 23. März 2021 – Sie haben den Wert eines Einfamilienhauses und das Gewicht eines Lotus Elise Sportwagens: Heute trafen 3 Millionen Glasaale im Wert von 250.000 Euro per „Aal-Taxi“ im Land Brandenburg ein. Die insgesamt 932 Kilo schweren Glasaale wurden sorgfältig in 233 Styroporkisten verpackt und an Erwerbsfischer übergeben, die die ca. 7 cm langen Glasaale zwischen Berlin und Havelberg in die Havel und ihre Nebengewässer ausgesetzt haben.

Etwa 612.000 Aale starteten heute vormittag ihre Reise ab Werder (Havel). Bürgermeisterin Manuela Saß ließ es sich nicht nehmen, bei der Ausgliederung der zarten Tiere selbst mitzuhelfen. Gemeinsam mit Fischer Alexander Mai setzte sie einen Teil der Glasaale direkt am Wasserwanderrastplatz in die Havel und wünschte in diesem Zusammenhang dem ältesten Gewerbe der Stadt eine gute Saison und Petri Heil.

Die Besatzaktionen sind erforderlich, weil der natürliche Aufstieg von Jungaalen über die Elbe in der Folge von Industrialisierung und den Bau zahlreicher Schleusen und Wehre nahezu vollständig zum Erliegen gekommen ist. Dadurch wären große Teile des natürlichen Verbreitungsgebietes für den Aal nicht mehr erreichbar.

Die Fischereischutzgenossenschaft „Havel“ Brandenburg e.G. koordiniert das Pilotprojekt zur Wiederauffüllung des europäischen Aallaicherbestandes im Land Brandenburg seit 16 Jahren. Es ist europaweit das umfangreichste Aalbesatzprojekt und leistet den wesentlichen Beitrag zur Erfüllung der Besatzziele des Aalmanagementplanes für das gesamte Elbeeinzugsgebiet. Bislang wurden im Rahmen des Projektes 80 Mio. Jungaale im Wert von 12,9 Mio. Euro ausgesetzt. 80 % der Besatzkosten werden aus EU- und Landesmitteln gefördert. 20 % der Kosten, also 2,6 Mio. Euro, haben Fischer und Angler selbst getragen. An dem Projekt beteiligen sich landesweit über 80 Fischereibetriebe und der Landesanglerverband Brandenburg.

Die heutige Lieferung ist bereits die dritte Lieferung. Insgesamt wurden im März mehr als 10 Mio Glasaale von Fischern und Anglern in die Gewässer des Elbeeinzugsgebietes im Land Brandenburg ausgesetzt. Im Laufe des Jahres folgen weitere 2,2 Mio Satzaale (ca. 15 t), die derzeit in einer deutschen Aalfarm auf ein Stückgewicht von ca. 7g „vorgestreckt“ werden.

Der ESF (eel stewardship fund) der Initiative zur Förderung des Europäischen Aals e.V. hat die für den heutigen Besatz notwendigen Eigenmittel in Höhe von 40.000 Euro bereitgestellt.

Der Name Glasaal basiert darauf, dass die Aale durchsichtig wie Glas sind und man deren Herz, Wirbelsäule und Darmtrakt mit dem bloßen Auge erkennen kann. Die heute ausgesetzten Glasaale wurden in Flussmündungen an der französischen Atlantikküste gefangen, wo sie Jahr für Jahr in großer Zahl landeinwärts wandern. Bis dorthin haben sie auf ihrer ein- bis zweijährigen Wanderung bereits etwa 4500 km aus der Sargassosee im Golf von Mexico quer durch den Atlantik hinter sich gebracht. Der Aufstieg ins Binnenland birgt viele Gefahren durch zahlreiche Fressfeinde. Mit dem Fang und Transport in geeignete Gewässer lassen sich diese Risiken minimieren. Besatz gilt auch deshalb als effektivste Maßnahme zur Wiederauffüllung des europäischen Aalbestandes. Zielstellung ist, dass mindestens 40 % der ausgesetzten Aale nach ihrem 8- bis 15-jährigen Leben im Binnenwasser die Rückwanderung in die Laichgebiete antreten und erfolgreich zur Reproduktion des europäischen Aalbestandes beitragen. Alle Besatzgewässer haben deshalb einen freien Zugang zum Einzugsgebiet der Elbe. Der sich seit 2011 vollziehende Anstieg der Glasaalfänge an den europäischen Küsten spricht für eine Erholung des Aalbestandes und den Erfolg europaweit durchgeführter Besatzmaßnahmen. (wsw, lfv)