Unfall in der Torstraße – Zeugen gesucht

Die Torstraße ist an den Wochentagen vormittags noch ruhig und leer. An den Wochenende ist das anders. Foto: wsw

Werder (Havel), 1. Juli 2018 – Es ist so ziemlich das Schlimmste, was man sich als Eltern vorstellen kann – das eigene Kind wird von einem Auto angefahren. In der Torstraße auf der Insel ist das einer Familie passiert – am Samstag, dem 16. Juni 2018. Die Familie sucht Zeugen, die den Vorfall beobachtet haben.

Sie waren Eis essen bei „Dolci e Gelati“, da es vor der Tür des beliebten Eisladens wie immer recht voll war und der Bürgersteig an dieser Stelle auch nicht so breit ist, ging die Mutter mit den beiden Söhnen auf die gegenüberliegende Straßenseite. Es war kurz nach 16 Uhr, als der Kleine sich noch einen Löffel für sein Eis holen wollte. Er ging über die Straße und holte sich den Löffel. Um zurück zu kommen, schaute er links-rechts-links, wie er es gerade mit den Eltern und seinem großen Bruder übt, der nämlich demnächst seinen Schulweg in die 2. Klasse eigenständig absolvieren soll. „Das ist ein ganz aktuelles Thema in unserer Familie, da arbeiten wir dran“, so der Vater Laszlo Böttger, der erst nach dem Unfall gerufen wurde. Vor dem Eisladen stand ein großer schwarzer SUV in der 2. Reihe, der Kleine zögerte. Andere Erwachsene kamen ihm über die Straße entgegen, um sich ein Eis zu kaufen. „Das nahm er als Anlass, auch loszugehen“. Aber da war der Funkstreifenwagen der Polizei mit rund 20 km/h schon ran und wollte an dem SUV vorbei. „Meine Frau konnte nur noch aufspringen und ‚Stopp, Stopp, Stopp‘ rufen. „Der Fahrer des Streifenwagens hat sie nur angeguckt. Das hat er mir selbst so gesagt. Mein Sohn berichtete, dass der Fahrer noch Gas gegeben hätte. Das stand der Fahrer daneben und hat es nicht abgestritten. Er stand bestimmt unter Schock und hat sich auch tausendmal entschuldigt“, so Laszlo Böttger. Er hätte keine Chance gehabt, so der Fahrer zu Böttger.

Er fragt, wer hat diesen Unfall gesehen und stellt sich als Zeuge zur Verfügung? „Zum Glück ist er ‚nur‘ 20 km/h gefahren“, berichtet er. Der kleine Junge ist mit dem Fuß und dem Bein unter den Reifen gekommen und auf der Straße aufgeschlagen. Rettungswagen, Feuerwehr, Hubschrauber, Polizei kamen schnell – „Meine Frau macht sich furchtbare Vorwürfe“. Der Junge kam ins Krankenhaus, ist inzwischen wieder zu Hause, das gequetschte Beinchen wird wöchentlich neu justiert und bandagiert. Ansonsten waren es „nur“ blutige Abschürfungen, an einem Zähnchen fehlt eine Ecke.

„Eigentlich müssten gerade ortskundige Polizisten super sensibilisiert sein für solche Fälle“. Sie müssten sehen, wenn an einer so neuralgischen Stelle viele Menschen sind, die Sicht durch große Autos versperrt ist –  und sich dann entsprechend vorsichtig nähern, meint der Vater. „Natürlich kann so etwas passieren. Nein. Es darf eigentlich nicht passieren. Ich mache ihm nicht den Vorwurf, dass es passiert ist – aber trotzdem muss ich sagen, als Polizist hätte er besser aufpassen müssen“. Und das ärgere ihn doch sehr, dass die Polizisten nicht Schritttempo gefahren sind – dann wäre nämlich nichts passiert.

Mehrfach hätten die Inhaber des Eisladens versucht, aus dem Bereich vor dem Geschäft eine Parkverbotszone zu machen. Da wäre einfach immer zu viel Gewimmel. Und die Wenigsten fahren wirklich mit 20 km/h über das historische Pflaster der Torstraße.

„Das war jetzt für mich der Anlass, damit mal an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagt der Laszlo Böttger. „Mein Kleiner geht hier auch auf der Insel in den Kindergarten. Die Mühlenstraße ist eigentlich Schrittgeschwindigkeit – aber wer hält sich denn daran? Und wie schmal der Bürgersteig gerade in der Mühlenstraße ist, weiß ja jeder.“ Er kennt natürlich die Tagesabläufe, man muss die Kinder holen, man muss zur Arbeit, man muss noch einkaufen und so weiter – man hat Druck. Dennoch ist seine Mahnung: „Man sollte sich die Zeit nehmen, bevor etwas Schlimmes passiert“.

Zudem regt er eine Diskussion zur Verkehrssituation auf der Insel an und will sich mit den entsprechenden Stellen der Stadtverwaltung in Verbindung setzen: Müsste die Einhaltung der vorgegebenen Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Insel auf 20 km/h öfter kontrolliert werden? Sollte man die gesamte Insel autofrei halten – vielleicht lediglich die Anwohner eine Einfahrgenehmigung erhalten? „Die Insel entwickelt sich zum Kiez mit vielen Kindern. Hier wird sich auch getroffen – an der Regattastrecke, an der Badestelle, in der Gastronomie. Viele Kinder, auch Fünf-, Sechs-Jährige streifen in ihrer Freizeit über die Insel“. Dazu kämen die vielen Touristen. Er hätte da schon mit verschiedenen Familien gesprochen, die das ähnlich sehen. (wsw)