Uni: Bronzeplastik zum Gedenkan an Stasi-Opfer

Einweihung der Bronzeplastik auf dem Uni Campus in Golm
Einweihung der Bronzeplastik auf dem Uni Campus in Golm

Zum Gedenken an die Opfer des Ministeriums für Staatssicherheit wurde am heutigen Freitag auf dem Campus Golm der Universität Potsdam eine Bronzeplastik eingeweiht. Bis 1990 befand sich dort die „Juristische Hochschule Potsdam“ des Ministeriums für Staatssicherheit, deren konspiratives Wirken spätestens mit dem Film „Das Leben der Anderen“ auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde.

Maßgeblichen Anteil an der Initiative hat die Landtagsabgeordnete Dr. Saskia Ludwig (CDU), die heute bei der Einweihung in Golm ihre Intention in ihrem Grußwort unterstrich. Dabei sagte sie u.a.: “Vor einem viertel Jahrhundert stand dort hinten eine hohe Mauer. Es war nicht die Berliner Mauer, die eine Flucht in die Freiheit unmöglich machen sollte. Nein, es war eine Mauer der Abschottung der Studierenden der Juristischen Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit. Die Nachbarn sollten nicht erfahren, was hier vor sich ging. Mittlerweile ist diese Mauer verschwunden und trotzdem wissen viele Studenten im Jahre 2016 nicht was bis vor 26 Jahren in ihrem Hörsaal gelehrt wurde. … Am Ort des Geschehens weist bis heute nichts darauf hin! Dieser Stein, diese Bronzeplastik, soll für die Studierenden ein Anstoß sein. Die individuellen Rückschlüsse und Bewertungen werden sicher unterschiedlich ausfallen. Aber genau darum geht es: Die Studierenden sollen sich selbst auf Spurensuche begeben. (Den Wortlaut ihrer Rede gibt es hier)

Bei der Einweihung zugegen waren u.a. die Verlegerin Friede Springer, der Präsident der Universität Potsdam, Prof. Oliver Günther, der Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat der Freien Universität Berlin, Prof. Klaus Schroeder und der Berliner Bildhauer, Maler und Grafiker Volker Bartsch.
Bartsch hat die von namhaften Spendern finanzierte Bronze gestaltet. Der Bronzeguss enthält u.a. folgende Aufschrift: „Hier und an den angegliederten Fachschulen wurden insgesamt etwa 30 000 Personen vor allem zur Überwachung und Bespitzelung der eigenen Bevölkerung aus- und weitergebildet.“

Hintergrund: Die Universität Potsdam nimmt ihr 25-jähriges Jubiläum zum Anlass, sich auch mit der Geschichte derjenigen Einrichtungen auseinanderzusetzen, deren Räumlichkeiten sie heute nutzt. Dazu gehört die berüchtigte „Juristische Hochschule Potsdam“ des Ministeriums für Staatssicherheit, an der in den Jahren 1951 bis 1990 unter dem Vorwand der Wissenschaftlichkeit Grundlagen für das Unrecht und die Grausamkeiten geschaffen wurden, welche die Stasi vielen Menschen widerfahren ließ. „In unserem Jubiläumsjahr möchten wir der Opfer dieser Untaten gedenken. Unser Dank gilt allen Spenderinnen und Spendern, die die Aufstellung der Bronzeplastik ermöglicht haben“, sagt der Präsident der Universität Potsdam, Professor Oliver Günther, der zur Einweihung sprach.
Im Verlauf des Jubiläumsjahres wird die Universität Potsdam weitere Gelegenheiten bieten, sich mit der Geschichte ihrer drei Standorte in Golm, Griebnitzsee und Am Neuen Palais zu beschäftigen. Im Projekt „Zeitzeichen“ entstehen Informationstafeln, die auf dem jeweiligen Campus aufgestellt werden. Hintergrundwissen hierzu vermittelt dann ein ergänzendes Internetportal.