„Vegane Bioprodukte sind eine echte Alternative zu herkömmlichen Produkten und kommen Tieren, Menschen und der Umwelt gleichermaßen zugute.“

Im Magna-Park werden zukünftig vegane Fisch-, Fleisch und Käsealternativen produziert. Wir haben mit Veganz-CEO Jan Bredack über die Standortwahl, den Produktionsstart und den Aufschwung veganer Produkte gesprochen

Veganz CEO und Vorstandsvorsitzender Jan Bredack, Fotos: Veganz

Auf rund 10.000 qm soll zukünftig im Magna-Park Europas größte Produktionsstätte für rein pflanzliche Käsealternativen entstehen. Herr Bredack, wo werden die Veganz-Produkte aktuell hergestellt?
Veganz liefert seine über 100 Produkte in über 50 Prozent der Europäischen Länder aus, doch bei der Herstellung bleiben wir unseren Wurzeln treu: Mit rund 60 Prozent werden mehr als die Hälfte unserer Produkte in Deutschland hergestellt, beim restlichen Sortiment findet die Produktion in unserer europäischen Nachbarschaft statt. Dabei achten wir auf eine sorgfältige Auswahl der Zutaten und eine schonende Verarbeitung. Zusatzstoffe werden nur dann verwendet, wenn sie technologisch wirklich notwendig sind, etwa um die Qualität und Haltbarkeit eines Produktes zu gewährleisten.

Warum haben Sie sich für den Standort in Werder (Havel) entschieden?
Die fertige Halle hat die optimale Größe und alle Voraussetzungen, die wir für einen schnellen Produktionsstart benötigen. Darüber hinaus war der Standortvorteil für uns maßgeblich: In Brandenburg, ganz in der Nähe von Berlin und gleichzeitig perfekt gelegen an der Autobahn, so dass unsere Logistiker die Produkte unkompliziert abholen können. Mit Sicht auf die Halle von der Autobahn haben wir sogar noch einen zusätzlichen Marketingeffekt.

Welche Produkte sollen im Magna-Park produziert werden? 
In unserer zweiten Produktionsstätte werden Käsealternativen produziert, jedoch nicht ausschließlich. Wir planen dort zusätzlich auch die Herstellung veganer Fisch- und Fleischalternativen.

Insgesamt planen wir drei Produktionslinien aufzubauen. Eine Produktion für vegane Käsealternativen mit umfangreichen Flächen zur Reifung unseres Veganz Cashewbert. In einer weiteren Produktionslinie werden unsere Fleischalternativen Veganz Soja Schnetzel, Veganz Soja-Medaillons und das Veganz Soja Granulat produziert. In der dritten Fertigungslinie entsteht eine Strecke für die Produktion unserer veganen Fischalternativen, wie dem Veganz Räucherlaxs.

Die zweite Produktionsstätte wird deutlich mehr Platz für Produktion und Distribution unserer Produkte bieten. Derzeit planen wir mit bis zu 75 Mitarbeiter*innen in den kommenden Jahren. Die Menge der produzierten Ware ist selbstverständlich abhängig davon, wie schnell wir beim Herstellen und Produzieren der Neuprodukte sein werden. Starten werden wir 2022 zunächst mit rund 60.000 Kg im Bereich Käsealternativen, rund 20.000 Kg im Bereich der Fischalternativen und 500.000 Kg im Bereich texturierte Fleischalternativen.

In diesem Jahr feierte ihr Unternehmen seinen zehnten Geburtstag. 2011 waren vegane Lebensmittel noch selten in den Regalen. Was hat sich in der letzten Dekade am Kaufverhalten der Kund*innen geändert und war von Beginn an abzusehen, welchen erfolgreichen Weg „Veganz“ gehen wird? 
Die Nachfrage der Kund*innen nach veganen und gleichzeitig nachhaltig produzierten Lebensmitteln wächst von Jahr zu Jahr. Bei unserer Unternehmensgründung war Veganismus noch ein Nischen-Thema, die Produktvielfalt in Deutschland gering, die Skepsis der Konsument*innen im Vergleich dazu jedoch relativ hoch. Innerhalb der letzten Dekade ist nicht nur ein gesteigertes Bewusstsein in der Bevölkerung für die Wichtigkeit des Klima- und Umweltschutzes zu erkennen. Die Akzeptanz und auch die Neugier nach rein pflanzlichen Alternativen zu den tierischen Pendants war noch nie so groß wie heute. Das liegt auch an der Pionierarbeit von Marken wie uns und starken Distributionspartnern wie dm und EDEKA, die schon vor Jahren erkannt haben, dass vegane Produkte in die Regale gehören. Auch die Fridays-for-Future-Bewegung und die Corona-Virus-Pandemie spielen hier sicherlich eine Rolle. Das zeigt sich zum Beispiel auch daran, dass der Sortimentsbereich bio-vegan von Jahr zu Jahr wächst und das Thema Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle bei der Kaufentscheidung spielt.

Vegane Bioprodukte sind eine echte Alternative zu herkömmlichen Produkten und kommen Tieren, Menschen und der Umwelt gleichermaßen zugute. Wir sind zuversichtlich, dass sich der Trend auch in Zukunft fortsetzt und sich der LEH dementsprechend einstellt. Vegane Bio-Produkte sind schließlich mittlerweile neben konventionellen Produkten in fast jedem Supermarkt zu finden.

Für Veganz stehen insbesondere die Punkte Nachhaltigkeit und Klima- und Umweltschutz im Fokus. Die Marke Veganz wollen wir als Synonym für fairen Handel mit ökologisch nachhaltigen und gleichzeitig tier(leid)freien Produkten etablieren.

Sie setzen nicht nur auf pflanzliche Lebensmittel, sondern auch auf Umweltschutz. Gibt es für die Veganz Produktionsstätte in der Unit 6 im Magna-Park ein spezielles Energiekonzept?
Unser Energiekonzept ist auf Autarkie, vom Stromnetz unabhängig, ausgelegt. Wir planen, die Energie über Photovoltaikanlagen zu gewinnen, diese in Wasserstoff zu speichern und die Energie bei Bedarf aus den Speichern abzurufen. Zudem wollen wir die Abwärme eines BHKW zur Erzeugung von Kälte für unsere Reifekammern nutzen. Gleichzeitig sparen unsere Produkte im Vergleich zu konventionellen Lebensmitteln erheblich CO2. Diese CO2-Ersparnis weisen wir sogar auf unseren Produktverpackungen aus.

Für wann ist der Produktionsstart geplant und wie viele Arbeitsplätze werden entstehen? 
Zum Start der Produktion im kommenden Jahr werden zunächst ca. 50 neue Arbeitsplätze geschaffen. Veganz investiert am Standort aber auch in Forschung und Entwicklung, wodurch neue Arbeitsplätze für hoch qualifiziertes Fachpersonal entstehen. Zudem werden wir die Produktionskapazitäten sukzessive erhöhen. Entsprechend wird sich die Anzahl der Arbeitsplätze in den kommenden Jahren voraussichtlich dann auch weiter erhöhen.

Welche Partner haben Sie für die neue Produktionsstätte an Ihrer Seite?
Die Veganz Group AG hat dieses Jahr unter anderem Brandenburg Kapital als weiteren Investor im vorbörslichen Private Placement dazugewonnen. Damit konnte die Eigenkapitalrunde von 11 Millionen Euro abgeschlossen und dementsprechend mit dem Aufbau der Produktion gestartet werden. Derzeit planen wir unseren Börsengang und erhoffen uns dadurch einen Bruttoemissionserlös zwischen rund 33 Millionen Euro und rund 43 Millionen Euro. Das Geld beabsichtigen wir primär für den Aufbau des neuen Produktionsstandortes und Investitionen in das weitere organische und anorganische Wachstum zu verwenden.

Vielen Dank für das Gespräch. (wsw)