Viele Einsätze für Werders Feuerwehren – auch wegen der Trockenheit

Dr. Winfried Ludwig, der das Dankeschön-Fest in Fichtenwalde mit organisierte, fordert die Politik auf, keine Windkraftanlagen in Wäldern zuzulassen

So sahen die Werderaner Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr den Brand in Fichtenwalde aus der Luft. Foto: Patrick Plönnig

Werder (Havel), 17. August 2018 – Werders Feuerwehren sind im ersten Halbjahr dieses Jahres bereits knapp 200-mal ausgerückt. Knapp 80-mal kam es zu Brandeinsätzen, häufig waren Feuer aufgrund der langanhaltenden Trockenheit entflammt, informierte der stellvertretende Stadtwehrführer Stephan Kranig. Bis einschließlich Juli gab es fast 240 Einsätze. Eine der schwierigsten Einsatzlagen war der Großbrand bei Fichtenwalde am letzten Juli-Wochenende, wie Werders Stadtsprecher Henry Klix berichtet.

Die Freiwilligen Feuerwehrleute aus Werder (Havel) waren demnach die ersten am Einsatzort. „Das lag daran, dass die Alarmierung zunächst unter dem Stichwort ,Autobahn‘ für unseren A9-Abschnitt erfolgte“, so Stephan Kranig. Wenige Minuten später seien die Kameraden aus Fichtenwalde eingetroffen, innerhalb kurzer Zeit auch die Brandschutzeinheit des Landkreises und weitere Wehren.

An der Bekämpfung des Großbrandes waren 35 Feuerwehrleute aus Werder und den Ortsteilen an drei Einsatztagen beteiligt. „Das war schon eine besondere Lage“, so Stephan Kranig. Zwar habe es in den 2000er-Jahren schon einmal einen großen Waldbrand am Dreieck Potsdam gegeben. „Die Ausdehnung auf 50 Hektar, die Bedrohung einer Ortslage und die Munitionsbelastung ergaben aber diesmal eine Gefahrensituation, die wir so zum Glück nicht oft erleben.“

Werders Feuerwehren könnten sich in solchen Lagen auf gut ausgebildeten Mannschaften verlassen, sagte der stellvertretende Stadtwehrführer Sebastian Schenk. Zurzeit absolvierten 13 neue Kameradinnen und Kameraden ihre Truppmannausbildung 1. Der Feuerwehrnachwuchs ist willkommen. „In den kommenden Jahren wird uns eine ganze Anzahl von Kameraden altersbedingt verlassen“, so Sebastian Schenk.

Die Mitgliedergewinnung sei kein Selbstläufer mehr, die Feuerwehrführung müsste die Leute aktiv ansprechen, um das Interesse zu wecken, so Sebastian Schenk, der als Ortswehrführer der Plessower Wehr auf diesem Weg selbst acht neue Leute geworben hat. Eine wichtige Quelle des Nachwuchses seien auch die Jugendfeuerwehren, ergänzt Stephan Kranig. Nicht zuletzt seien es Unternehmer und Selbstständige, die die Einsätze der Ehrenamtlichen durch Freistellungen ermöglichten.

Werders 1. Beigeordneter Christian Große bedankte sich für die hohe Einsatzbereitschaft der mehr als 150 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren von Werder (Havel). Aufgabe der Stadt sei es, die Ausstattung der Feuerwehren auf einem hohen Niveau zu halten. So würden allein in die Anschaffung neuer Feuerwehrfahrzeuge bis zum Jahr 2020 mehr als 2 Millionen Euro investiert.

Was wäre, wenn …

Mahnende Worte zum Großbrand in Fichtenwalde kommen von Dr. Winfried Ludwig,
Stadtverordneter der Spargelstadt Beelitz und Vorsitzender Waldkleeblatt – Natürlich Zauche e.V., der sich gegen die Aufstellung von Windrädern im Wald einsetzt. Er wohnt selbst in Fichtenwalde und hat das Drama aus erster Hand erlebt und auch das bewegende Dankeschön-Fest vom vergangenen Wochenende mit organisiert. „Ohne den Einsatz von (freiwilliger) Feuerwehr, technischem Hilfswerk, Polizei, Bundeswehr, Johannitern und … und … und gäbe es Fichtenwalde vielleicht nicht mehr“, sagte Ortsvorsteher Tilo Köhn (Wählergemeinschaft Gemeinsam für Beelitz) dabei in seiner Ansprache. In den vier dramatischen Tagen seien die Feuerwehrleute teilweise bis zu 16 Stunden hintereinander im Einsatz gewesen.

Ludwig stellt die Frage: „Nachdem Fichtenwalde mit 3 000 Einwohnern fast abgebrannt wäre, wann handelt die Politik endlich und verhindert den Bau von Industrieanlagen in Wäldern? Sicher, Windräder haben mit dem Brand in Fichtenwalde nichts zu tun. ABER sie stellen eine weitere Gefahrenquelle dar“.
Wie Eveline Kroll, Ortsvorsteherin von Werders Ortsteil Bliesendorf und ebenfalls aktiv gegen die Aufstellung von Windrädern im Wald, feststellt, würde es Fichtenwalde wohl nicht mehr geben, wenn dort die geplanten Windkraftanlagen bereits stehen würden. „Windkraftanlagen haben zwar eine eigene Löschanlage, doch was passiert, wenn brennende Rotorblätter weggeschleudert werden?“ Auch sonstige Teile würden umherfliegen. Die Feuerwehr dürfe dann nicht in den Gefahrenbereich, 500 Meter sei der Sperrkreis um jedes brennende Windrad, die Windräder müssten kontrolliert abbrennen. Geplant sei, dass die Windräder in 300 Meter Abstand zueinander errichtet werden. Eine schlimme Vorstellung, so Kroll.

Das Windeignungsgebiet 24 (WEG 24) Bliesendorfer Heide im Regionalplan Havelland-Fläming mit bis zu 50 Windrädern betrifft weite Teile der Region Werder (Havel). Die Windräder sollen über 200 Meter hoch werden. Fichtenwalde liegt zwischen dem WEG 24 und dem Windeignungsgebiet 25 – Reesdorfer Heide. (wsw)