Vielstimmig in den Advent

Der Gemischte Chor Glindow ist am 9. Dezember in der Kirche Maria Meerestern und am 16. Dezember in der Glindower Kirche bei Adventskonzerten zu erleben

Der Gemischte Chor Glindow bei einer Probe. Foto: wsw

Werder (Havel), OT Glindow, 4. Dezember 2018 -„Gloria in Exelsis Deo“ – vielstimmig singt der Chor dieses beeindruckend schöne Lied – und nicht erst beim Refrain ist die Gänsehaut garantiert.
Wir durften in Glindow bei einer Probe des Gemischten Chores lauschen, geübt wurden auch die Lieder für die kommenden Adventskonzerte am 9. Dezember in der Werderaner katholischen Kirche Maria Meerestern und am 16. Dezember in der Glindower Kirche. Beginn ist jeweils 15 Uhr.

Chorgesang geht direkt ins Herz – das darf man getrost glauben – allein beim Lauschen in dem Glindower Klassenraum fiel der Stress des Tages wie von selbst ab, staunende innere Ruhe stellte sich ein. Und die Vorstellung, wie die Konzerte dann erst in den Kirchen klingen – wunderbar.

Auf die Adventskonzerte freuen sich aber nicht nur die stillen Genießer. Das Besondere an diesen beiden jeweils rund anderthalbstündigen Adventskonzerten ist, dass neben den liebevoll vorbereiteten Moderationen traditionell auch zum Mitsingen von einigen bekannten Liedern eingeladen wird.
Dafür wird es wieder entsprechende Textvorlagen geben, wie die stellvertretende Vereinsvorsitzende des Chores, Dorothea Gaida, ankündigt. Sie gehört zu den wirklich langjährigen Mitgliedern des Chores, der vor zwei Jahren sein 40. Jubiläum feierte.
Wilhelm Gottschalk, der Chorgründer, war bereits ihr Musiklehrer in Glindow, mit 14 Jahren trat sie in den Chor ein. „Noch immer sind zehn Gründungsmitglieder dabei“, kann sie stolz berichten.
Und Carsten Schaefer, Chormitglied und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, ergänzt, dass die Sängerinnen und Sänger immer mit Freude zu den montäglichen Proben kämen. Der Zusammenhalt sei groß, man begegne sich familiär: „Man kennt sich, fragt, wie es geht. Bei Problemen wird man aufgefangen“. Dazu trugen auch die jährlichen Chorwerkstätten in Vorbereitung auf die Konzerte, gemeinsame Grillfeste und andere gemeinsame Feierlichkeiten bei. „Eben wie in jedem Verein ist es ein schönes Miteinander, da sind bei über 40 Jahren auch tiefe Freundschaften entstanden“.

Zur Zeit gibt es 65 Mitglieder zwischen 18 und 87 Jahre, darunter auch Ehepaare, wie die Vorsitzende des Chorvereins, Thessa Tzschoppe, sagt. Sie stammen größtenteils aus Glindow, aber auch aus Berlin, Potsdam, Jeserig, Lehnin oder anderen Orten der Region. „Aktiv singen aber nicht alle“, schränkt sie ein. Denn dann wäre das Platzproblem im Probenraum noch größer. Ein größerer Raum wäre dennoch wünschenswert. Der Kunsthof, in dem auch verschiedene Schulveranstaltungen stattfinden, wäre ideal. „Im weiten Raum singen zu können, wäre einfach wichtig“, erläutert Carsten Schaefer, denn es gebe ja die Aufführungen in Kirchen, und die hätten eine besondere Atmosphäre. Die könne man in einem Klassenraum nicht herstellen, für den sie dennoch sehr dankbar seien. Irgendwo müssen sie ja proben.

Sigmar Wilhelm vom Ortsbeirat kennt die Sorgen. „Wir wünschen uns sehr, dass es uns gelingen kann, dem Chor zu helfen“, sagt er und verweist auf die schöne und für den Ortsteil so wichtige Tradition des Chorgesanges – nicht nur für die Glindower. „Der Chor bereichert viele unserer kulturellen Höhepunkte“, weiß Wilhelm. „Denken wir nur an das jährliche Abschlusskonzert des Kirsch- und Ziegelfestes“. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Stadtverwaltung sei man aktiv auf der Suche, eine Lösung könne man aber noch nicht präsentieren. Auch er favorisiere den Raum im Kunsthof. In Glindow gibt es derzeit keine anderen geeigneten Räume, längere Fahrwege wären für die teilweise betagten Sängerinnen oder Sänger sehr beschwerlich.

Die Doppelnutzung des Saals im Kunsthof für Kita, Chorproben und Veranstaltungen bedarf der Zustimmung der Bauaufsicht Potsdam-Mittelmark, so die Stadtverwaltung Werder (Havel). Dafür sei ein Umnutzungsantrag beim Landkreis zu stellen. Die Hoffbauerstiftung hat hierfür noch bauliche Vorarbeiten zu leisten, um Auflagen des Gesundheitsamtes zu entsprechen. „Wir sind sehr daran interessiert, dass der Glindower Chor vernünftig proben kann. Von der Stadt sind insgesamt vier Alternativen zum Proben vorgeschlagen worden, die leider für den Chor alle nicht gangbar waren“.

Chorleiter Jan Wysujack. Foto: wsw

Chorleiter ist seit Anfang 2016 Jan Wysujack. Der junge Pädagoge – derzeit im Referendariat in Rheinsberg – kommt aus Berlin zu den wöchentlichen Proben. Alle drei unserer Gesprächspartner an diesem Probenabend in Glindow bezeichnen ihren Leiter übereinstimmend als ein „großes Glück“ für den Chor. Er bringe mit seinem Feingefühl, seinem Engagement, seinen Ideen und seinem Können die Sängerinnen und Sänger immer weiter. „Und er singt auch selbst noch“, erzählt Schaefer, „im Universitätschor Campus Cantabile und bei den vocal-concertisten Berlin“. Wysujack, Jahrgang 1990, soll dem Chor recht lange vorstehen, hoffen Tzschoppe, Gaida und Schaefer im Namen aller Chormitglieder. Und das will er wohl auch, wie Schaefer berichtet. Wysujack hoffe, nach seinem Referendariat in der Gegend bleiben zu können.

Als sich Chorgründer Wilhelm Gottschalk nach 32 Jahren von der Chorleitung zurückzog, übernahm Anne Mitzscherling, eine junge und engagierte Musikstudentin. Ihr folgte nach dreieinhalb Jahren die Musikpädagogin Kathleen Valeske. Sie übergab dann an Wysujack.

Nachwuchs ist übrigens immer willkommen, besonders auch männliche Stimmen. In diesem Jahr seien bereits fünf neue Frauen dazugekommen. Neue Bewohner oder auch Besucher, die sich nach Konzerten meldeten. „Ein größeres Lob können wir nicht bekommen“, sagt Schaefer. Jeder kann mitmachen, jeder wird genommen. (wsw)