Vom Mississippi in die Havel

In den letzten Tagen haben Angler in den Havelgewässern zwischen Werder (Havel) und Brandenburg (Havel) mehrfach Forellenbarsche gefangen – zu suchen haben die Fische, die ursprünglich aus Nordamerika kommen, bei uns allerdings nichts!

Foto: Manuel Dürr

Werder (Havel), 17. September 2021 – Viele kleine und große Angler werden am Wochenende bestimmt wieder ihr Equipment zusammensuchen und an einem der vielen Plätze entlang der Havel ihr Angelglück versuchen. Auf der Fang-Wunschliste stehen Hecht, Zander, Rotfeder, Plötze und Co. Doch leider beißen in letzter Zeit auch Fische, die in unseren heimischen Gewässern nichts zu suchen haben.

In den letzten Tagen haben Angler in den Havelgewässern zwischen Werder (Havel) und Brandenburg (Havel) mehrfach Forellenbarsche gefangen. Diese ursprünglich aus Nordamerika stammende Fischart mit dem wissenschaftlichen Namen Micropterus salmoides gehört nicht zur heimischen Fischfauna Brandenburgs. “Zur Zeit können wir noch nicht sagen, wie sich der Forellenbarsch auf unsere heimischen Fischarten auswirken wird”, verrät uns Lars Dettmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverband Brandenburg/Berlin e.V., am Telefon. Und weiter: “Die uns gemeldeten Fänge sind die Erstnachweise im Havelgebiet. Der Landesanglerverband Brandenburg und der Landesfischereiverband Brandenburg/Berlin beobachten das Auftauchen des Forellenbarsches in den Havelgewässern mit Sorge.”

Doch wie gelangte der Forellenbarsch überhaupt in die Havel? “Forellenbarsche werden im Zoofachhandel und von verschiedenen Fischzuchten als Besatz für Aquarien und Gartenteiche angeboten. Doch wenn die Halter der Tiere überdrüssig werden, stellt sich die Frage: Wohin mit ihnen? Töten möchte die Fische keiner, also ist der naheliegende Weg der in das Gewässer nebenan”, ärgert sich Lars Dettmann. So sei in einer Potsdamer Reuse auch schon mal ein Piranha gefunden worden.

In der Havel findet der Forellenbarsch ein wahres Schlaraffenland vor. Die regelrechten “Fressmaschinen”, wie Lars Dettmann sie beschreibt, sind klimatisch bestens an unsere Gewässer angepasst und nicht sehr anspruchsvoll, was ihr Biotop angeht. Die unterschiedlichen Größen der drei bislang gefangenen Jungfische von 10 bis 25 cm deuten darauf hin, dass es sich um unterschiedliche Jahrgänge und damit bereits um Nachkommen von illegal ausgesetzten Forellenbarschen handeln könnte.

Mit ihrem Ausbreiten beeinträchtigen sie natürlich auch die heimischen Fischarten. In welchem Umfang dies erfolgt, ist jedoch noch unklar. International wird der Forellenbarsch als Plage geführt. “Von zehn Neozonen – das sind Tiere, die sich in einer bestimmten Region der Erde angesiedelt haben, obwohl sie dort nicht zu Hause sind – packt es eine Art, sich zu etablieren”, erklärt Lars Dettmann.

Fressfeind Nummer 1 für den Forellenbarsch ist der Kormoran. Der Forellenbarsch erreicht in unseren Breitengraden Längen von bis zu 70 cm. Während Jungfische sich auch von im Wasser lebenden Insekten und kleineren Fischen ernähren, stehen bei größeren Forellenbarschen neben Fischen auch Frösche und kleine Wasservögel auf dem Speisezettel. Wie weit daraus Probleme für die heimische Tierwelt im und am Wasser entstehen, lässt sich derzeit schwer abschätzen. Es ist jedoch zu befürchten, dass insbesondere der heimische Zander verdrängt werden könnte.

Ein Beispiel für ein erfolgreich angesiedeltes Neozon ist die Schwarzmundgrundel. “Das sind kleine garstige Fische, die ursprünglich aus dem Kaspischen Meer kommen und sich bei uns in Massen breit machen”, so der Geschäftsführer des Landesfischereiverband Brandenburg/Berlin e.V. Wegen ihrer Fortpflanzungs-Effektivität tritt die Grundel gegenüber vielen heimischen Arten als Nahrungs- und Raumkonkurrent auf.

Was sollten Angler in Bezug auf den Forellenbarsch beachten? “Wir bitten Angler und Berufsfischer, uns weitere Fänge von Forellenbarschen zu melden. Fangmeldungen, möglichst mit Foto und Angaben zum Fangort und der Größe der gefangenen Exemplare, sollen bitte per E-Mail an info@lfv-brandenburg.de geschickt werden. Weiterhin bitten wir darum, gefangene Exemplare nicht wieder zurück in das Gewässer zu setzen. Forellenbarsche sind schmackhafte Speisefische”, so Lars Dettmann. “Ich befürchte, dass der Forellenbarsch hier bei uns noch eine Rolle spielen wird und höchstwahrscheinlich keine gute”, wagt er abschließend noch einen Blick in die Glaskugel. (wsw, lfv)