Vorführung: Bild-Intarsien- und Klöppelkunst im Kunst-Geschoss

Im Rahmen der 3. Bestandsaufnahme Textilkunst und Kunsthandwerk im Kunst-Geschoss zeigt Martin Kleinschmidt aus Töplitz am Samstag zwischen 14 und 18 Uhr sein altes Bild-Intarsien-Handwerk / Auch der Werderaner Klöppelzirkel stellt sich und seine Arbeiten von 15 bis 18 Uhr noch einmal vor.

Sigrid Weinert (re) und die langjährig im Werderaner Klöppelzirkel tätige Eveline Heße. Der Zirkel stellt sein altes Kunsthandwerk erneut am kommenden Samstag im Kunst-Geschoss im Rahmen der Ausstellung 3. Bestandsaufnahme vor. Foto: wsw

Werder (Havel), 21. Februar 2019 – Waren es am vergangenen Wochenende die Klöpplerinnen, die ihre feine Kunst im Rahmen der 3. Bestandsaufnahme Textilkunst und Kunsthandwerk im Kunst-Geschoss vorführten, wird am kommenden Samstag Martin Kleinschmidt aus Töplitz zwischen 14 und 18 Uhr sein altes Bild-Intarsien-Handwerk vorführen.
Mit dünnen Holzblättchen verschiedenster Art entstehen dabei bildnerische Werke in Holz.
“Diese sehr interessante Technik ist heute, in Zeiten industrieller Produktion von Möbeln und dergleichen, völlig untergegangen und in Vergessenheit geraden“, wirbt Kurator Frank W. Weber für einen Besuch der Ausstellung in der Stadtgalerie. Auch der Werderaner Klöppelzirkel stellt sich und seine Arbeiten von 15 bis 18 Uhr noch einmal vor.

“Spitzenkunst” vom Klöppelzirkel

Die Klöpplerinnen um die Bliesendorferin Sigrid Weinert haben sich einer besonderen „Spitzenkunst“ verschrieben. Und wer dabei nur an altmodische Spitzendeckchen denkt, fehlt. Denn im Kunst-Geschoss sind zauberhafte Bilder von großer Zartheit zu sehen, sogar fragiler Schmuck aus feinstem Draht entsteht bei diesem alten Kunsthandwerk.  “Die Damen des Klöppelzirkels sind für ihre unkonventionellen Ideen bekannt. Die Beteiligungen bei den jährlichen Annaberger Klöppeltagen, in der “Hochburg“ dieses Handwerks, werden dort fortlaufend mit Preisen gewürdigt“, weiß Frank W. Weber. Ein Kunstwerk wurde sogar von einem Bild in unserem Wir sind Werder-Magazin inspiriert, berichtet Sigrid Weinert.

Beim Blick über die Schulter auf das Klöppelkissen wird schnell klar, dass man bei diesem Hobby konzentriert zu Werke gehen muss. Bis zu Hundert Fäden – die an den hölzernen Klöppeln hängen – müssen durch die geübten Hände zwischen den Nadeln auf der Vorlage ihren verbindenden Weg finden. Die Vorlage heißt „Klöppelbrief“. Und besonders mit ihren selbst gestalteten Klöppelbriefen und den daraus entstehenden Kunstwerken machte sich die Werderaner Gruppe einen Namen und erhielt viele Auszeichnungen.

Eveline Heße von der Werderaner Klöppelgruppe arbeitet während der Ausstellung im Kunst-Geschoss extra etwas langsamer. Ihr Kunsthandwerk erfordert höchste Konzentration. Foto: wsw
Sigrid Weinert zeigt ihre geklöppelten Schmuckstücke. Aus feinstem Draht entsteht individueller Schmuck. Foto: wsw
Susanne Mach klöppelt seit über 30 Jahren. Mit einem Kirschenpaar gab sie ihrer Tochter Melanie einen geklöppelten Glücksbringer mit in die Amtszeit als Kirschkönigin. Foto: privat

Auch die amtierende Kirschkönigin Melanie trägt ein kleines Kunstwerk als Glücksbringer an ihrer Schärpe. Mutter Susanne Mach klöppelte das schmückende Kirschenpaar. Mit einem besonderen Kunstwerk wurde sie sogar „Publikumsliebling“ bei den jüngsten Annaberger Klöppeltagen.

Susanne Mach, die seit 30 Jahren klöppelt, ist in dieser Ausstellung in Werder (Havel) zwar nicht vertreten, schaute aber am vergangenen Sonntag im Kunst-Geschoss vorbei, um Ingrid Weinert zu treffen. Die beantwortete geduldig alle Fragen der vielen Besucher. Auch die, wie sie eigentlich zu diesem Hobby kam. Sie war Anfang 40, erzählt sie, als sie über eine Annonce in der DDR-Zeitung „Wochenpost“ für 500 Mark zu der nötigen Ausstattung und zu diesem bleibenden und kunstvollen Zeitvertreib kam. Auch sie schloss sich seinerzeit zum Lernen in Potsdam einer Klöppelgruppe an, inzwischen leitet die 75-Jährige seit vielen Jahre den Zirkel und klöppelt noch immer jeden Tag.

Natürlich arbeiten die Zirkelmitglieder auch traditionell, sagt Ingrid Weinert und weist auf die ausgestellten Deckchen oder das Tuch um ihren Hals. „Aber besonders gern gestalten wir selbst“. Eigene Entwürfe zu bestimmten Themen werden dabei umgesetzt, um die Kreativität immer wieder zu fordern.

„Etwas Besseres als Werder kann uns gar nicht passieren“, schwärmt Ingrid Weinert von der Möglichkeit, hier in solchem Umfang ausstellen zu können. Obendrein ist sie dankbar dafür, dass Interessierte im Kunst-Geschoss auch keinen Eintritt zahlen müssten. Das sehe in Potsdam oder Berlin oft ganz anders aus. Dass ihr Hobby so gewürdigt wird, macht sie stolz. Bedankt hat sich die Gruppe bei der Stadt Werder (Havel) mit einer Arbeit, die nun in den Fundus der Stadtgalerie eingeht.

Schneidermeisterin Antje Heckel präsentiert sich und ihre Handwerkskunst zum ersten Mal in der "Bestandsaufnahme". Foto: wsw

Glitzernde Pailletten

Schneidermeisterin Antje Heckel stellt sich bei ihrer ersten Teilnahme an der “Bestandsaufnahme” glitzernd und funkelnd vor. Die von ihr genähte Herrenjacke ist über und über mit  Pailletten besetzt. Das Auftragswerk wurde vom Kunden für die Ausstellung noch einmal zur Verfügung gestellt. Aus ihrer Maßschneiderei kommen aber auch viele Arbeiten für den Glindower Carnevalsclub und speziell für das Tanzmariechen, die Zusammenarbeit mache ihr viel Freude, erzählt Antje Heckel.

Mit ihrer Handwerkskunst bewirbt sich Antje Heckel in diesem Jahr auch beim Designpreis Brandenburg 2019 in der Kategorie Industriedesign, Produktdesign (Schwerpunkt Handwerk). Mit diesem Preis würdigt das Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg alle zwei Jahre und nun bereits zum zehnten Mal herausragende Arbeiten, Projekte und Konzepte aus dem Designbereich. Zudem wird sich die Handwerksmeisterin auch erneut an den Europäischen Tagen des Kunsthandwerks vom 5. bis zum 7. April 2019 beteiligen. Sie lädt an allen drei Tagen zwischen 11 und 17 Uhr in ihr Atelier Am Plessower See 132 ein. Am Freitag gibt es einen Stoffverkauf, am Samstag und Sonntag werden Ostereier mit textilen Stickereien gestaltet. Weitere Informationen gibt es hier auf der Internetseite der Kunsthandwerkstage.

“Wir zeigen, was wir können”

Unter diesem Motto haben sich zur 3. Bestandsaufnahme Textilkunst und Kunsthandwerk 24 Einzelaussteller/innen und zwei Gruppen mit 18 Teilnehmerinnen angemeldet. Zu sehen sind Kunstwerke aus den Gebieten der Holz- und Tischlerarbeit, Keramik, kunsthandwerkliche Plastik, Kalligraphie, Porzellan, Stickerei, Weberei, Schneiderei, kunsthandwerkliche Collage, Glasarbeiten, Goldschmiedearbeiten, Filzen, Patchwork, Klöppeln und kunsthandwerklicher Puppenbau von Berufskünstlern, Semiprofessionellen und Amateuren aus der Stadt Werder (Havel) und den Ortsteilen oder von hier arbeitenden Einreichern. Ein Besuch lohnt sich! (wsw)


Die 3. Bestandsaufnahme Textilkunst und Kunsthandwerk
Die Ausstellung ist bis zum Sonntag, 10. März, jeweils Donnerstag, Samstag und Sonntag von 13-18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Goldschmiedekunst: Schmuck von Martin Rammelt. Foto: wsw
Keramik: Frühstücksservice von Gabriele Karele nach einer Idee von ARATORA. Foto: wsw
Feinste Goldschmiedekunst von dem Insel-Goldschmied Heinrich Groninger. Foto: wsw
Rose Trotte stellt diese beleuchtete Büste mit Achatscheiben aus. Foto: wsw
Die "Herzkönigin", eine bemerkenswerte Arbeit aus dem künstlerischen Puppenbau von Sandra Dahlmann. Foto: wsw
Eva-Luise Grützmacher mit einer Hommage an Gustav Klimt in Patchwork- und Applikationstechnik. Foto: wsw