Wenn der Traum vom Eigenheim zum Albtraum wird

Bei vielen Familien steht ein Eigenheim ganz oben auf der Wunschliste – so auch bei Miriam Schremser und Denny Grothmann. Das Paar lebt in Schmergow und wollte sich dort seinen Traum von den eigenen vier Wänden verwirklichen. Doch leider kam alles anders … / Wir haben mit dem Paar und dem Bauträger gesprochen.

Denny Grothmann und Miriam Schremser, Foto: wsw

Groß Kreutz OT Schmergow, 12. April 2021 – Es sollte die Krönung ihres gemeinsamen Glücks werden: Miriam Schremser und Denny Grothmann wollten sich mit einem Eigenheim ihren großen Traum erfüllen. Doch leider wandelte sich der Traum von den eigenen vier Wänden zum Albtraum, aus dem bisher kein Erwachen in Sicht ist.

Wir treffen Miriam und Denny in ihrer 3-Zimmer-Wohnung in Schmergow. Denny ist nur wenige Häuser entfernt aufgewachsen, seine Mama ist Kindergärtnerin im Ort. Die Liebe zu Denny hat Miriam im Jahr 2014 von Frankfurt am Main ins beschauliche Schmergow ziehen lassen. Dem sympathischen Paar war schnell klar: die gemeinsame Zukunft soll ein Eigenheim besiegeln. 2015 bezogen die beiden die Wohnung, in der wir uns zum Interview treffen. „Miriams 19-jähriger Sohn lebt hier bei uns, ihre Tochter und ihr anderer Sohn kommen regelmäßig zu Besuch“, erklärt Denny. Die Familie komplett machen die Hunde Maja und Odin sowie Kater Finn. So gemütlich die Wohnung im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses auch ist, der Platzmangel wurde schnell zur Belastung. Als ihr Vermieter, Egon Fürst, ihnen einen Teil des Grundstückes, auf dem das aktuelle Wohnhaus steht, zum Verkauf anbot, stellten Miriam und Denny auf eigene Kosten eine Bauvoranfrage. 2018 startete dann das Projekt Hausbau.

Ganz bewusst haben sich Miriam und Denny für einen kleinen Bauträger aus der Region entschieden, der ihr Traumhaus auf dem 1400 Quadratmeter großen Grundstück realisieren sollte. „Wir haben uns viele Bauarten angeschaut und uns dann für ein massives Holzhaus entschieden“, so Denny. Der 41-Jährige ist gelernter Zimmermann und der Baustoff Holz faszinierte ihn schon immer. 

Eine Hausbaufirma war schnell gefunden und der Erstkontakt wurde hergestellt. „Das erste Treffen mit dem Bauträger fand Ende August 2018 statt. Wir waren uns gegenseitig sofort sympathisch“, erinnert sich Denny. „Relativ schnell haben wir dann den Vertrag unter Dach und Fach gebracht.“ Zusätzlich zu dem angesparten Eigenkapital von 50.000 Euro sollte ein Kredit in Höhe von 235.000 Euro den Traum vom Haus möglich machen. Ein Teil des Geldes wurde für das Grundstück veranschlagt und der Rest sollte in den Hausbau gesteckt werden. „Wir haben uns für einen ganz klassischen 1,5-Geschosser entschieden mit etwa 140 Quadratmeter Wohnfläche, einer überdachten Terrasse und Balkon. Nichts außergewöhnliches. Es sollte einfach nur ein schönes Haus für uns als Familie werden“, erklärt Miriam. Die 37-Jährige arbeitet in Werder (Havel) in der Sprint-Tankstelle und während der Hauptsaison noch zusätzlich auf dem Spargelhof in Klaistow.  

Doch heute, drei Jahre nach dem ersten Treffen, ist die Bodenplatte das einzige, das auf dem Grundstück den Bau eines Hauses erahnen lässt. „Hier war das Bad geplant, dort das Wohnzimmer – hier haben wir zu Miriams Geburtstag Kaffee getrunken und Kuchen gegessen – und an zwei Hausseiten sollte eine Veranda vor Regen und Sonne schützen“, erklären Denny und Miriam, als wir uns gemeinsam die Bodenplatte ansehen. „Und hier sollte die Küche stehen, die auch schon zu 50 Prozent angezahlt war. Den Vertrag mit dem Küchenstudio haben wir kündigen und eine Vertragsstrafe von 25 Prozent des Gesamtpreises in Kauf nehmen müssen.“ 

Im Januar 2019 stellte die Baufirma den Bauantrag, der im August 2019 genehmigt wurde. Die Baugrube wurde in Eigenleistung ausgehoben, so Miriam und Denny, und im September 2019 offiziell abgenommen. „Die Vorarbeiten sowie der Bau der Bodenplatte verzögerten sich jedoch, da laut Bauträger die angefragten Firmen keine Kapazitäten hätten. Wir haben dann angeboten, uns selbst um das Auffüllen und Verdichten zu kümmern, die Kosten hierfür sollten dann mit der Gesamtsumme des Hauses verrechnet werden“, so Miriam und Denny. „Im Oktober 2019 haben wir mit den Erdarbeiten und mit dem Verdichten begonnen. Anfang November kam dann eine Firma, welche die Bodenplatte einschalte, und am 13. November 2019, pünktlich zu meinem 40. Geburtstag, wurde der Beton für die Bodenplatte gegossen. Insgesamt belief sich die Rechnung hierfür auf 25.000 Euro. Versprochen wurde uns, dass bis Ende 2019 zumindest das Erdgeschoss steht“, so Denny. Und Miriam ergänzt: „Wir sollten für das bestellte Holz und für die Fenster eine Anzahlung leisten, insgesamt belief sich diese auf 40.000 Euro. Das erschien uns erstmal nicht ungewöhnlich, da das Holz für das Haus im Ausland bestellt wurde.“

Seitdem ruht der Bau. „Wir wurden vom Bauträger immer wieder hingehalten. Erst waren Lieferverzögerungen die Ursache, dann schlechtes Wetter und im Jahr 2020 war es dann die Corona-Pandemie.“ Denny und Miriam fühlen sich machtlos. „Wir haben im April 2020 dann einen Anwalt eingeschaltet. Schließlich hatten wir ja auch schon Kosten. Zusätzlich zum Grundstückskauf und der Anzahlung kamen ja noch die Architektenleistung sowie die Statik und die Bodenplatte hinzu. Insgesamt haben wir bereits mehr als 160.000 Euro investiert. Erst später haben wir erfahren, dass das Geld für die Architektenleistung sowie für das Bodenplattenpaket gar nicht angekommen ist.“ Auf Anraten seines Anwaltes setzte das Paar dem Bauträger eine Frist bis zum 18. Mai 2020, da war die erste Coronawelle vorüber, die Grenzen waren wieder offen. Doch trotz Fristsetzung regte sich weiterhin nichts auf der Baustelle.

Anfang 2021 zogen Miriam und Denny nach nun fast drei Jahren den Schlussstrich. „Wir haben uns mit dem Bauträger darauf geeinigt, dass er uns einen Teil der nicht erbrachten Leistungen zurückzahlen sollte. Doch trotz schriftlicher Bestätigung ist dies nicht erfolgt. Unser Geld ist weg und der Bauträger mittellos“, erklärt Denny. Das Paar habe dann erfahren, dass noch weitere Familien ähnliche Erfahrungen mit dem Bauträger gemacht haben. Sie haben daraufhin ein Strafverfahren eingeleitet. 

„Wir sind beide keine Großverdiener. Die finanzielle Belastung ist für uns wirklich riesig. Die Bank hat glücklicherweise im vergangenen Jahr die Zahlung der Zinsen gestundet und uns angeboten, nochmal nachzufinanzieren. Voraussetzung ist, dass wir genau dieses geplante Haus bauen – egal wie. Wir würden selbst das Holz bestellen, eine Firma haben wir bereits gefunden. Doch die etwas über 110.000 Euro, die noch auf dem Kreditkonto sind, reichen natürlich nicht für alle Arbeiten. Mehr als 50.000 Euro können wir jedoch nicht mehr aufnehmen“, erklären Denny und Miriam. Liebe Freunde der beiden haben daraufhin Ende Februar eine Spendenaktion ins Leben gerufen, mit dem Ziel 50.000 Euro zu generieren. Mit dieser zusätzlichen Summe könnte es das Paar trotz aller zurückliegender Widrigkeiten dennoch schaffen, seinen Traum vom Eigenheim Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir haben auch mit dem Bauträger gesprochen. Mehrmals im Gespräch versicherte er uns, dass er Miriam und Denny nie etwas Böses wollte, die drei sogar sehr gut befreundet waren. Laut seiner Aussage habe man sich bereits wieder zu einem Gespräch zusammengesetzt.

Neben der Corona-Pandemie, die maßgeblich als Ursache für die aktuelle Situation vom Bauträger benannt wurde, dürfe man auch nicht vergessen, dass der Bau eines Holzhauses besonderen Anforderungen unterliegt. Ebenso beurteilt er die zeitliche Einordnung der Geschehnisse etwas anders, als es das Paar aus Schmergow schildert.

„Am 17. Dezember 2018 haben wir den Werksvertrag über die Gesamtleistung des wunderschönen Blockhauses beschlossen. Grundsätzlich beinhaltet der Werksvertrag immer eine Vorauszahlung, diese Vorauszahlung setzt sich aus einer Anzahlung für die Fenster und einer Anzahlung für den Holzbausatz zusammen“, erklärt der Bauträger am Telefon.

„Mit Überschlag der Bauzeit hatten wir vereinbart, dass das Haus Ende 2019 fertig sein soll. Weiterhin stand im Vertrag die Erstellung des Bauzeitenplanes erfolge nach Erteilung der Baugenehmigung. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich jedoch nicht, dass es bei der Bauvoranfrage, die Miriam und Denny zuvor gestellt hatten, gewisse Fragezeichen gab, die es noch zu klären galt. Es ging unter anderem um die Feuerwehrzufahrt. Die Baugenehmigung kam schlussendlich erst Ende August 2019, nach etwa neun Monaten und so planten wir die Fertigstellung des Hauses für Ende Mai 2020“, so der Unternehmer weiter. „Die Produktion der einzelnen Bauteile für ein Holzhaus startet erst mit dem grünen Bescheid der Baubehörde. Anders als bei einem Haus aus Stein kann man nicht einfach im Nachhinein ein paar Steine versetzen, die Bauteile werden extra auf Maß produziert. Darüber hatte ich die Bauherren aber informiert.“

Nachdem die Bodenplatte im November 2019 fertig gestellt wurde, musste diese laut Bauträger noch vier Wochen aushärten: „Der Übergang vom Beton zum Holz ist beim Bau eines Holzhauses das größte Problem. Um Schimmelbildung vorzubeugen, die schlimmstenfalls den Rückbau des kompletten Hauses zur Folge haben würde, muss die Bodenplatte vier Wochen stehen und richtig aushärten. Zeitlich waren wir dann schon kurz vor Weihnachten. Wir hatten dann gemeinsam überlegt, ob ein LKW die erste Holzlieferung bereits liefern sollte, entschieden uns dann aber dagegen. Hätte man die ersten Blockebenen gesetzt, hätten wir eine Art Wanne erzeugt, die sich bei Regen und Schnee wie ein Bassin gefüllt hätte. Das hätte man nicht abdichten können.“

Auch im Januar ließ das Wetter einen Bau des Hauses nicht zu, man einigte sich auf einen Baustart für März 2020. „Und dann kam Corona. Die Grenzen waren dicht. Und damit rechnet ja keiner“, erklärt der Bauträger. „Im Vertrag steht jedoch, dass sich der Bau verzögern kann, wenn aufgrund von behördlichen Maßnahmen eine Lieferung nicht möglich ist. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich durch die Pandemie in eine finanzielle Schieflage geraten bin. Ich konnte Denny und Miriam zwar eine spätere Lieferung gewährleisten, jedoch die Erfüllung des gesamten Werkvertrages nicht mehr sicherstellen. Darüber hatte ich die beiden ebenfalls informiert. Die ausländischen Mitarbeiter hatten sich in der Coronazeit anderweitig Jobs gesucht, um über die Runden zu kommen.“

Laut Bauträger wurde der Vorschlag, den Werkvertrag in einen Liefervertrag, umzuwandeln, von den Bauherren abgelehnt. „Ich möchte mich ganz klar gegen den Vorwurf wehren, ein Verbrecher zu sein. Ich habe immer meine Hilfe angeboten und werde es auch weiterhin tun. Mit ausreichend Manpower kann man – können wir gemeinsam – den Bau stemmen.“

Wir wünschen es Denny und Miriam, dass sie gemeinsam mit dem Bauträger eine Lösung finden. Vielleicht gibt es ja Baufirmen, die zum Beispiel ein Gerüst für eine gewisse Zeit zur Verfügung stellen könnten, oder Handwerker, die über Kran, Bagger, Werkzeug oder Manpower verfügen! Gerne stellen wir den Kontakt zur Familie her. (wsw)