Wenn Wünsche wahr werden

Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.

v.l.: Marion Höhne und Christa Woitalla

Werder (Havel), 22. Dezember 2020 – Im Februar 2019 haben wir in einem Artikel die Werderanerin Lilli Zeifert vorgestellt. 2001 ist sie in Potsdam geboren und leidet seitdem an dyskinetischer Zerebralparese. Lilli kann ihren Oberkörper nicht kontrollieren, kann nicht sprechen und nicht laufen. Da ihr Oberkörper ständig in Bewegung ist, kann sie ihr Gleichgewicht nicht halten und sitzt im Rollstuhl. 


Ein großer Traum von ihr ist, Astronomie zu studieren und so unabhängig wie möglich zu sein. Hierfür hat Lilli am 28. September 2018 einen Spendenaufruf im Internet veröffentlicht, um sich einen ganz besonderen E-Rollstuhl kaufen zu können. Der Scewo Bro kann ganze Treppen hoch und runter fahren, ist 15 km/h schnell und fährt bis zu 25 Kilometer weit. Doch Lillies Unabhängigkeit hat einen hohen Preis. Der von ihr favorisierte E-Rollstuhl kostet inklusive der für sie notwendigen Umbauarbeiten 40.000 Euro.

Mit großer Freude haben wir erfahren, dass Lilli das Geld für diesen besonderen Rollstuhl zusammen bekommen hat! „Es war eigentlich geplant, dass wir den Rollstuhl im November in der Schweiz abholen können, aber jetzt mit dem Lockdown wissen wir auch nicht so recht, wie, was und wo“, erklärt uns Lilli, die über eine TTS-App kommuniziert, auf Nachfrage. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben! 

Eine, die sich ebenfalls sehr über Lillis erfolgreiche Spendenaktion freut, ist Christa Woitalla. Die 80-jährige Werderanerin hat auch gespendet und im Heimatverein, Dank der Hilfe von Dr. Baldur Martin, das Thema publik gemacht.  

Sie hat stets das Geschehen auf der Spendenseite verfolgt und auch selbst Kontakt zu Lilli aufgenommen: „Einen Tag nach meinem 80. Geburtstag hat mir Lilli mitgeteilt, dass sie das Geld für ihren E-Rollstuhl beisammenhat. Das war das tollste Geburtstagsgeschenk für mich“, freut sich Christa Woitalla.

Christa Woitalla engagiert sich seit Jahrzehnten mit viel Herzblut für die Tschernobylhilfe. „Viele Jahre haben mein Mann und ich, Kindern aus Weißrussland/Belarus und der Ukraine, eine Erholung bei uns auf Fehmarn ermöglicht. Auch nach dem Tod meines Mannes im Jahr 2013 habe ich dies fortgeführt. Nach meinem Umzug 2018 nach Werder habe ich durch einen Zufall Marion Höhne kennengelernt, erzählt sie.

Marion Höhne ist in Caputh aktiv in der Initiative „Hilfe nach Tschernobyl. Potsdam/Mittelmark“ tätig. Beide Frauen widmen einen Großteil ihrer Zeit der Unterstützung von Menschen, die in Weißrussland/Belarus heute noch, 34 Jahre später, unter den Folgen der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl leiden. Die Initiative unterstützt in der zweitgrößten Stadt Weißrusslands Gomel einen Verein, der Familien mit Kindern und jungen Erwachsenen mit cerebralen Störungen und Spastiken betreut.

Gomel liegt nur 120 km vom Reaktor entfernt. „Wir unterstützen diesen Verein mit Spenden jeglicher Art“, sagt Marion Höhne. „Sachspenden, finanzielle Hilfe für Familien in Notlagen, Patenschaften usw. Wir sind jedes Jahr auch vor Ort. Dort organisieren wir z.B. für ca. 150-200 Menschen des Vereines eine Dampferfahrt. Es gibt Essen und Getränke, kleine Geschenke und vor allem eine Zeit, die alle genießen. Ohne uns könnten sie sich diese Fahrt nicht leisten. Hier können die meist alleinerziehenden Mütter die Sorgen und Ängste für ein paar Stunden vergessen.“

Die „Hilfe nach Tschernobyl“ sucht dringend neue Mitstreiter. „Wir führen Trödelmärkte, Kuchenbasare usw. durch. Es wird der Transport im Rahmen der humanitären Hilfe vorbereitet usw. Das ist kein Vollzeitjob. Auch über junge Menschen, die fit mit dem Computer sind, würden wir uns freuen.“ Kontakt: marion.hoehne@online.de (wsw)