Werbung für Fleisch – Verwirrspiel im Supermarkt

Potsdam, 18. Januar 2019 – In einer bundesweiten Stichprobe haben die Verbraucherzentralen überprüft, mit welchen Aussagen zur Tierhaltung Betriebe Fleisch in Supermärkten und Discountern bewerben. Dabei gab es, wie die Verbraucherzentrale Brandenburg mitteilte, nur vereinzelt nachvollziehbare Werbeaussagen für Tierschutzstandards. Die Menge an Labeln und Werbebotschaften erschwere vielmehr die Orientierung beim Einkauf.

„Verbraucherinnen und Verbraucher, die Fleisch aus besserer Haltung kaufen wollen, müssen im Handel derzeit aufwändig suchen“, erklärt Annett Reinke, Lebensmittelrechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg mit Sitz in Potsdam. Das zeige eine Untersuchung der Verbraucherzentralen zur Bewerbung von Geflügel, Schwein und Rind in 17 unterschiedlichen Supermärkten und Discountern. „Verbraucher stehen einer unüberschaubaren Flut an Siegeln und Werbebotschaften gegenüber. Selten sind diese jedoch nachvollziehbar oder verlässlich“, sagt die Expertin. „Für eine Orientierung beim Fleischeinkauf muss dringend eine verpflichtende mehrstufige staatliche Tierwohlkennzeichnung eingeführt und der Wildwuchs an Labeln eingedämmt werden. Dazu hat der Gesetzgeber Kriterien für die Tierwohlkennzeichnung festzulegen, die deutlich über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen“, fordert Reinke.

Beim Schweine- und Rindfleisch existieren den Informationen zufolge kaum verlässliche und nachvollziehbare Werbung. Die Verbraucherschützer fanden Werbeaussagen wie zum Beispiel „Weidehaltung“ oder „mehr Platz“ beim untersuchten, konventionellen Fleischangebot. Nähere Informationen zu diesen beworbenen Haltungskriterien suchten sie dann aber vergebens. Stattdessen dominieren Beschönigungen: Die Verpackung eines Schweine-Minutensteaks im Discounter beispielsweise zeigt Schweine in „Freilandidylle“. Das Haltungszeugnis ist jedoch mit der Stufe 1 ausgegeben, was dem gesetzlichen Mindeststandard der konventionellen Stallhaltung entspricht. „Mit solchen Marketing-Tricks werden Verbraucherinnen und Verbraucher hinters Licht geführt. Ihre Erwartung, Fleisch aus vermeintlich besserer Tierhaltung zu kaufen, wird enttäuscht“, kritisiert Reinke.

Lediglich bei Geflügel gibt es festgeschriebene EU-Vermarktungsnormen: Bezeichnungen wie „extensive Bodenhaltung“, „Freilandhaltung“, „bäuerliche Freilandhaltung“ und „bäuerliche Freilandhaltung – unbegrenzter Auslauf“ sind eindeutig definiert und bieten für Verbraucher Orientierung. Nicht rechtlich geschützt sind hingegen Begriffe wie „artgerecht“, „tiergerecht“ oder „Tierwohl“.

„Fleisch, das nach dem Mindeststandard produziert wurde, mit ungeschützten Begriffen wie ´tiergerecht` zu bewerben, weckt falsche Erwartungen bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Wir fordern den Handel auf, eine solche Praxis zu unterlassen“, sagt die Lebensmittelrechtsexpertin. (vzb/wsw)


Der vollständige Untersuchungsbericht sowie weitere Ergebnisse über Werbeaussagen zur Tierhaltung im konventionellen Fleischangebot sind auf der Website der Verbraucherzentrale Brandenburg veröffentlicht: www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/marktcheck-fleischwerbung

Mehr Informationen zum Thema finden Interessierte unter: www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/tierwohl