Werder als Kommune für biologische Vielfalt

Utopie oder bald Wirklichkeit?

Werder (Havel), 5. August 2019 – Seit dem Kiezklimatag am 12. Januar 2019 gibt es die Initiative Stadtnatur Werder. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dieser Initiative und welche Ziele verfolgt sie. Wir haben Katharina Müller, eine der Initiatoren, zum Gespräch getroffen.

“Auf dem Weg zum Gewerbepark der Havelauen fallen mir immer wieder die vielen ausgetrockneten Rasenflächen ins Auge”, berichtet Katharina Müller, “ich habe mich gefragt, wie man diese, häufig gemähten Flächen aufwerten könnte. Nicht nur für ein schöneres Stadtbild, sondern vor allem, um dem Bienen- und Insektensterben entgegenzuwirken und die Stadt Werder durch mehr Blühpflanzen zu bereichern.” Auf dem Kiezklimatag in der Klimawerkstatt fand sie auch schnell Gleichgesinnte. “Ich war überrascht, wie viele Menschen der Wunsch eint, hier aktiv zu werden.”

Es ist ein natürliches Bedürfnis eines jeden Menschen, die nahe (und ferne) Umgebung möglichst ökologisch zu gestalten. Zwischen tristen Betonbauten, in gepflasterten Gärten und auf vertrockneten Rasenflächen fühlen sich die wenigsten wohl. “Jeder freut sich doch über Blumen, Bienen und Schmetterlinge”, ist sich Katharina Müller sicher. “Unsere Vision bei der Initiative Stadtnatur Werder ist es, Bürger, Vereine, Gewerbetreibende, Bauherren und die Verwaltung der Stadt Werder für naturnahes Grün und Artenvielfalt auf den Grünflächen Werders zu begeistern.”

Auf der Homepage der Initiative heißt es hierzu: “Durch die zunehmende Verdichtung Werders verschwinden Lebensräume für Tiere und Pflanzen und naturnahe Erholungs- und Erfahrungsräume für Kinder und Erwachsene. Die Aufwertung bisher unbeachteter Flächen, wie abgemähte Rasenflächen, Straßenbegleitgrün, Böschungen, Verkehrsinseln und Baumscheiben in artenreiche Blühflächen, bietet eine Möglichkeit, diesen Verlust auszugleichen und optisch ansprechende Vielfalt zu schaffen.”

Doch wie kann diese Vision Wirklichkeit werden? “Wir würden uns wünschen, wenn in der Stadt Flächen geschaffen werden, auf denen sich die Bürger Anregungen für ihren eigenen Garten holen können. Zum Beispiel, welche Pflanzen oder Stauden es gibt, die auch extreme Trockenheit im Sommer überstehen, und welche Blumen besonders für Bienen und andere Insekten wertvoll sind. Viele Blumen im Garten sind zwar sehr hübsch anzusehen, aber leider für die Bienen nutzlos.”
Ans Klima angepasste Pflanzen, die die Artenvielfalt unterstützen, wären etwa Karthäusernelke, Sandlilie, Steppensalbei, Feldthymian oder Schafgarbe.

Die Initiative Stadtnatur Werder hat hierfür ein Konzept erarbeitet. Dieses hat sie sowohl der Stadt als auch den Gewerbetreibenden in den Havelauen vorgelegt. Die Eigentümerin des Gewerbeparks Havelauen hat das Konzept auch sogleich angenommen und grünes Licht für die Bepflanzung gegeben, an der Finanzierung möchte sie sich allerdings nicht beteiligen.

Während der Recherche für die Konzepterarbeitung hat die Initiative Kontakt mit dem NABU – Naturschutzbund Deutschland aufgenommen und dort viel Unterstützung und Know How gefunden. Der Plan wurde gefasst, eine NABU-Ortsgruppe Werder/Havel zu gründen.

“Die Nabu Ortsguppe wird als gemeinnütziger Verein gegründet. Das ist ein großer Schritt, weil wir damit auch Spendenbescheinigungen ausstellen können, die steuerlich absetzbar sind. Somit hoffen wir, dass wir für unsere Ideen und Konzepte auch finanzielle Unterstützung erfahren. Derzeit finanzieren wir alle Projekte noch aus eigener Tasche”, berichtet Katharina Müller.

“Wir” das ist ein aktiver Kern von rund 20 engagierten Werderaner Bürgerinnen und Bürgern. Zur ersten Gründungsveranstaltung kamen 40 Interessierte. “Wir sind eine gute Mischung aus Alt-Eingesessenen und zugezogenen Werderanern, von der Studentin bis zum Rentner”, erzählt Katharina Müller. Sie selbst ist vor fünf Jahren nach Werder gezogen und arbeitet als Dozentin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, und nebenberuflich als Yogalehrerin. Sie lebt gemeinsam mit ihrer Tochter in der Blütenstadt.

Was plant der Verein für die Zukunft, wollten wir von Katharina Müller wissen. “Es gibt das Bündnis ‘Kommunen für biologische Vielfalt’. 60 Gemeinden, Städte und Landkreise aus Deutschland haben sich vor sieben Jahren zusammengetan und dieses Bündnis geschlossen mit dem Ziel, die biologische Vielfalt nachhaltig zu nutzen und zu schützen. Wir würden uns wünschen, dass Werder auch solch eine Kommune für biologische Vielfalt wird in der Nachhaltigkeit und Artenreichtum wichtige Anliegen sind die engagiert umgesetzt werden. Und bei baulichen Entscheidungen sollte immer auch der ökologische Aspekt eine Rolle spielen.”

In monatlichen Treffen (zukünfig am ersten Donnerstag im Monat – ausgenommen während der Schulferien – um 18 Uhr in der Klimawerkstatt) berät sich die Gruppe unter anderem über Projekte und deren Verwirklichung. 

Wer Interesse hat, auch einmal bei einem Treffen dabei zu sein, meldet sich einfach unter  info@stadtnatur-werder.de. (wsw)